Ägypten Mehrere Tote bei Bombenattentat auf Kopten

Ein schwerer Anschlag hat das Silvesterfest im ägyptischen Alexandria überschattet. Nach der Mitternachtsmesse explodierte eine Autobombe vor einer koptischen Kirche. Mindestens 20 Menschen starben. Daraufhin kam es zu Unruhen zwischen Christen und Muslimen.

Zerstörte Autos vor einer Kirche in Alexandria: Anschlag auf die christliche Minderheit
AFP

Zerstörte Autos vor einer Kirche in Alexandria: Anschlag auf die christliche Minderheit


Kairo - Der Anschlag ereignete sich am Samstag gegen 0.30 Uhr im Viertel Sidi Beschr der nordägyptischen Stadt, als die Gläubigen aus der Kirche kamen. Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums hatte das mit Sprengstoff beladene Fahrzeug vor der Kirche geparkt. Das christliche Gotteshaus sowie eine nahe gelegene Moschee wurden durch die Explosion beschädigt.

Acht Menschen seien bei der Explosion verletzt worden, sagte ein Verantwortlicher des ägyptischen Gesundheitsministeriums am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Zuvor hatte das Innenministerium des Landes von sieben Toten und 24 Verletzten gesprochen. Unter den Opfern sollen auch acht Muslime sein, die sich auf der Straße aufgehalten hätten.

Der Gouverneur von Alexandria, Adel Labib, sagte dem staatlichen Fernsehen, das Gebiet um den Anschlagsort sei abgesperrt worden. Die Suche nach den Attentätern laufe auf Hochtouren. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Hunderte Christen versammelten sich unmittelbar nach der Explosion zu Protesten auf den Straßen. Christen und Muslime bewarfen sich nach Augenzeugenberichten mit Steinen. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Unruhen zu beenden.

Kürzlich hatte eine Gruppe, die Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida hat, Christen im ganzen Nahen Osten gedroht, dass sie Ziele von Angriffen werden könnten.

Nur etwa zehn Prozent der insgesamt 79 Millionen Ägypter sind Christen. Staatschef Husni Mubarak rief Christen und Muslime dazu auf, gegen die "Kräfte des Terrorismus" Geschlossenheit zu demonstrieren. Alle Ägypter sollten sich gegen jene wenden, die die Sicherheit des Landes, seine Stabilität und die Einheit der Bürger bedrohten, erklärte er nach Angaben der amtlichen ägyptischen Nachrichtenagentur Mena.

Die Zahl der Gewalttaten zwischen den religiösen Gruppen ist Menschenrechtsgruppen zufolge zuletzt angestiegen. Im Januar hatten muslimische Fanatiker vor einer Kirche in Oberägypten acht koptische Christen und einen muslimischen Polizisten erschossen. Im November kam es zu Zusammenstößen, als Christen gegen den Baustopp einer Kirche in einer Vorstadt von Kairo protestierten. Ein Christ kam ums Leben, mehrere Menschen wurden verletzt. Dutzende wurden festgenommen.

rüd/AFP/dpa/Reuters



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Seite 1
gmhso74 01.01.2011
1. Erstaunlich....
...wie es SPON immer wieder schafft die weltweite Christenverfolgung durch Muslime in Ägypten, im Irak, Indonesien, Philippinen, Nigeria, Somalia, Sudan und natürlich nicht zu vergessen Pakistan so weit es geht zu ignorieren und wenn das nicht mehr geht so herunter zu spielen, dass man den Eindruck bekommen könnte, dass es sich um einen bilateralen Konflikt handeln würde. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die SPON-Redaktion hier mehr als nur Fakten darstellt, sondern massiv die Wahrnehmung von Informationen beeinflusst. Das ist genau der Grund, warum der Spiegel, genauso wie alle anderen Blättchen, die so vermeindlich seriös sind, dem Untergang durch Leserverweigerung unausweichlich entgegenschlittern. SPON schafft es allen ernstes in der Überschrift das Wort Christen wegzulassen und schreibt "Kopten". Viel manipulativer kann man nicht mehr vorgehen. Es ist eine ganz einfache Tatsache, dass koptische Christen in Ägypten massiv unter der Verfolgung durch die muslimische Mehrheit im Lande leiden. Aber alleine durch die Erwähnung, dass "auch eine Moschee" beschädigt wurde wird die Verfolgung von Christen bereits relativiert. Man suggeriert, dass es ja "beide Seiten" getroffen hat. Schämt euch!
Der Horizont, 01.01.2011
2. Islam ist Frieden...
Wieder einmal ein Anschlag mit islamischen Hintergrund. Ich frage mich wirklich warum immer aus dieser Ecke Anschläge kommen. Die Kopten sind nun wirklich keine Okkupanten, sie waren schon Ewigkeiten vor dem Islam in dieser gegend der Welt. Nein, es sind immer die "üblichen Verdächtigen" die solche Anschläge durchführen. Grüße Der Horizont
moinzusammen 01.01.2011
3. So ist es überall.
Überall, wo Christen in der Minderheit sind, werden sie verfolgt, drangsaliert, getötet. Glaubt eigentlich immernoch irgendein Träumer, dass das hier anders sein wird?
philathei 01.01.2011
4. Friede auf Erden
Zitat von sysopEin schwerer Anschlag hat das Silvesterfest im ägyptischen Alexandria überschattet. Nach der Mitternachtsmesse explodierte eine Autobombe vor einer koptischen Kirche. Mindestens 20 Menschen starben. Daraufhin kam es zu Unruhen zwischen Christen und Muslimen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,737323,00.html
Wie sagte doch Christian Wulff so schön mit seiner braven Konfirmandenmiene: "Der Islam gehört zu Deutschland." Ja, aber vor allem gehört der Islam zu Ägypten, und zwar richtig. Zu Deutschland gehört er erst teilweise, denn noch ist der Besuch einer Mitternachtsmesse bei uns nicht lebensgefährlich. Aber dank Wulff und dem Rest des Appeasementclubs da oben werden wir auf ägyptische (pakistanische, irakische, indonesische, afghanische usw.) Verhältnisse nicht mehr allzu lange warten müssen. Hans Olaf Henkel hat unsere Malaise ungefähr wie folgt formuliert: Politiker handeln so, daß das allgemeine Bedürfnis nach dem "Guten" befriedigt wird und zugleich ihre eigenen Aussichten steigen, wiedergewählt zu werden. Anders gesagt, man handelt populistisch, ohne Rücksicht auf die Realität zu nehmen. Dabei bezog sich der ehemalige BDI-Präsident auf die Wirtschaftspolitik, man kann es aber durchaus verallgemeinern. Allerdings ist "populistisch" auch nicht mehr das, was es einmal war. Was früher beliebt machte, ist heute der Mehrheit des Volkes zuwider. Nur die chattering class will das partout nicht begreifen.
c++ 01.01.2011
5. .
Warum traut sich der Spiegel nicht, von einem Bombenattentat auf Christen zu sprechen? In vielen Ländern, wo Christen in der Minderheit sind, sind sie blutiger Verfolgung durch Moslems ausgesetzt. Ich wünschte mir, dass die Moslemverbände in Deutschland, die immer nur fordern, fordern, fordern, dazu mal Stellung beziehen und erläutern, was da in den Gehirnen ihrer moslemischen Glaubensbrüder nicht in Ordnung ist. Ist das islamimmanent?
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