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Ägypten: Mubarak-Rücktritt für den Abend erwartet

In Ägypten verdichten sich die Hinweise darauf, dass Präsident Mubarak noch am Abend sein Amt niederlegt. Dies berichten verschiedene Medien unter Berufung auf prominente Politiker. Ein hoher Militär rief den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz zu: "Alles, was ihr wollt, wird geschehen."

TV-Ansprache: Mubarak schockiert die Massen Fotos
dpa

Hamburg - Der ägyptische Präsident Husni Mubarak könnte einem Bericht der britischen BBC zufolge noch am Abend zurücktreten und die Macht an seinen Stellvertreter Omar Suleiman übertragen. Hossam Badrawi, Generalsekretär der ägyptischen Regierungspartei NDP sagte der BBC, er hoffe, dass Mubarak die Macht abgebe. Mubarak werde "sehr wahrscheinlich" am Abend zur Nation sprechen. Inzwischen bestätigte das ägyptische Staatsfernsehen, dass der Präsident am Abend eine TV-Ansprache halten werde. Auch von der Armee werde in Kürze ein Statement erwartet. Ministerpräsident Ahmed Schafik äußerte sich ähnlich.

Laut dem Fernsehsender al-Arabija hat Mubarak bereits die Hauptstadt Kairo verlassen. Er soll in Begleitung seines Armeestabschefs auf dem Weg zu seiner Villa in Scharm-el-Scheich sein.

Mubarak will nach Angaben von Vertretern der Streitkräfte und der Regierungspartei die Forderungen der Protestbewegung erfüllen. Das Militär werde in Kürze ein Communiqué vorstellen, das die Forderungen der Protestbewegung erfülle, hieß es am Donnerstag. CNN meldete, der seit 30 Jahren regierende Staatschef habe seinen Posten als Armeechef bereits abgegeben. Auf dem Kairoer Tahrir-Platz rief ein hoher Offizier den Demonstranten zu: "Alles, was ihr wollt, wird geschehen."

Der US-Sender CNN zitierte Generalsekretär Badrawi mit den Worten an die Demonstranten: "Sie haben gewonnen." Mubarak werde Schritte ergreifen, die den Forderungen der Jugend entsprächen und im besten Interesse des Landes seien.

Die Demonstranten brachen in Jubel aus. Auf den Straßen von Kairo wurde eifrig telefoniert. Das seit Tagen ohnehin überlastete Mobilfunknetz brach zeitweise zusammen. Die Nachricht von dem möglichen Rücktritt machte unter Demonstranten die Runde. Einem SPIEGEL-ONLINE-Reporter sagten viele Demonstranten, dass sie unabhängig von der Entwicklung der kommenden Stunden am Freitag auf jeden Fall zu der angekündigten Großdemonstration auf dem Tahrir-Platz kommen wollen.

Die Armeeführung gab eine Stellungnahme ab. Darin hieß es, dass das Oberkommando in einer "Sitzung ohne Ende" sei - ohne Mubarak. Die Armee habe "Schritte eingeleitet, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten".

Es gibt jedoch auch andere Stimmen. Der ägyptische Informationsminister dementierte sämtliche Berichte über einen bevorstehenden Rücktritt Mubaraks. "Der Präsident ist weiterhin an der Macht und er wird nicht zurücktreten."

Die Demonstranten fordern den sofortigen Rücktritt Mubaraks. Dieser hat bislang erklärt, er wolle bis zur nächsten Wahl im September im Amt bleiben und dann nicht erneut kandidieren.

ler/dpa/Reuters/AFP

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1. So weit, so gut...
Shlumpf! 10.02.2011
...aber wie geht es nun weiter? Was man in den letzten Tagen so hier zu lesen bekam, ist Mubarak eh ein realitätsferner Grüßaugust. Was ändert sich, wenn Suleiman übernimmt?
2. die Macht an seinen Stellvertreter Omar Suleiman übertragen
Mario V., 10.02.2011
Und wer glaubt dass sich danach alles zum Besten wendet... Unter Suleiman würde es genauso weitergehen wie vorher, schließlich ist er ja USA's Liebling (man kennt sich bestens aus CIA Kreisen), der dafür sorgen wird, dass die "Stabilität" der letzten 30 Jahre erhalten bleibt. ich bezweifle dass sich die Ägypter mit Suleiman zufrieden geben werden. Dafür sind sie nicht auf die Straße gegangen.
3. .
recardo, 10.02.2011
Zitat von sysopIn Ägypten verdichten sich die Hinweise darauf, dass Präsident Mubarak sein Amt niederlegt. Der Generalsekretär der Regierungspartei NDP, Hossan Badrawi, äußerte sich entsprechend in einem Interview. Er kündigte an, dass sich Mubarak "sehr wahrscheinlich" noch im Lauf des*Abends äußern werde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744833,00.html
Tja , und sein Nachfolger wird Omar Suleiman. Es wird sich nichts ändern, die Armee behält die Macht.
4. Ein Schritt nach vorne
Hubert Rudnick, 10.02.2011
Zitat von sysopIn Ägypten verdichten sich die Hinweise darauf, dass Präsident Mubarak sein Amt niederlegt. Der Generalsekretär der Regierungspartei NDP, Hossan Badrawi, äußerte sich entsprechend in einem Interview. Er kündigte an, dass sich Mubarak "sehr wahrscheinlich" noch im Lauf des*Abends äußern werde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744833,00.html
Wenn der Herr Mubarak zurück treten sollte, dann wäre es ein richtig und ein Schritt nach vorne, aber es könnte nicht allein dabei bleiben. Auch mit dem Rücktritt von Erich Honnecker war nichts abgesclossen, denn da begann alles erst richtig. Die Ägypter sollten sich damit nicht zufrieden geben, sie sollten weiter auf eine politische, gesellschaftliche Veränderung hinarbeiten. Aber von heute auf Morgen geht es auch nicht, es braucht Zeit und gut überlegte Handlungen und die kann man nur vereint mit vielen gesellschaftlichen Kräften erreichen. HR
5. Alter Wein in neuen Schläuchen
kundennummer 10.02.2011
Dann braucht El Presidente Obama auch seine Marines nicht einsetzen und der CIA-Folterarchipel bleibt erhalten. Passt doch !
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Fläche: 1.009.450 km²

Bevölkerung: 85,783 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Sherif Ismail

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