Kairo - Der frühere ägyptische Staatschef Husni Mubarak ist zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Er nahm das Urteil ruhig auf. Seine Gegner brachen in großen Jubel aus. Im Gerichtssaal kam es kurz nach der Urteilsverkündung zu einem Handgemenge.
Mit dem Richterspruch ging ein Prozess zu Ende, der in der arabischen Welt bisher beispiellos war. Zum ersten Mal musste sich ein ehemaliger Führer eines Landes persönlich und vor einem regulären Gericht für seine Machenschaften verantworten.
Der kranke 84-Jährige war am Vormittag per Hubschrauber zum Gerichtsgebäude am Rande der Hauptstadt Kairo gebracht worden. Er lag auf einer Trage und trug eine Sonnenbrille.
Mubarak wurde in der Anklage vorgeworfen, außer für Korruption und Amtsmissbrauch auch für den Tod von etwa 850 Demonstranten im Frühjahr vergangenen Jahres verantwortlich zu sein. Staatsanwalt Mustafa Suleiman hatte deshalb die Todesstrafe für den gestürzten Staatschef gefordert. Mubaraks Verteidiger plädierten hingegen auf nicht schuldig. Der Ex-Diktator selbst hatte sich kurz vor der letzten Anhörung in dem Jahrhundert-Prozess mit einem offenen Brief an seine Landsleute gewandt. In dem in der prorevolutionären Zeitung "Tahrir" veröffentlichen Schreiben hieß es, es mache Mubarak "traurig", wenn er beschuldigt werde, das Blut des Volkes vergossen zu haben. Er habe sein Leben lang für das Volk Ägyptens gekämpft, niemals würde er seine Ehre als Militär mit illegitim angehäuftem Reichtum beflecken.
Mubarak war am 11. Februar 2011 gestürzt worden. Bei der Niederschlagung der Proteste im Zuge des arabischen Frühlings kamen rund 850 Menschen ums Leben. Mehr als 6000 wurden verletzt. Vor Gericht standen unter anderem auch zwei Söhne Mubaraks. Sie wurden in dem Prozess wegen Bestechlichkeit verurteilt, von den anderen Anklagen jedoch freigesprochen. Ihre Haftstrafe haben sie dem Urteil zufolge aber bereits mit ihrem bisherigen Gefängnisaufenthalt abgegolten. Der frühere Innenminister Habib al-Adli muss wie Mubarak lebenslang ins Gefängnis.
Dem ägyptischen TV zufolge wurde Mubarak nach dem Urteilsspruch nicht zurück ins Militärkrankenhaus gebracht, wo er seit Beginn des Prozesses im vergangenen August untergebracht war. Der ägyptische Generalstaatsanwalt habe angeordnet, den früheren Machthaber ins Gefängnis zu bringen.
ler/dpa/Reuters
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