Blutige Straßenschlachten in Kairo: Präsident Mursi lässt Panzer vor seinem Palast auffahren

Blutige Straßenkämpfe erschüttern Kairo - mindestens fünf Menschen sterben, Hunderte sind verletzt. Jetzt hat Präsident Mursi vor seinem Amtssitz Panzer stationiert. Sie sollen den Präsidenten schützen.

REUTERS

Kairo - Mit Brandsätzen und Steinen haben sich Anhänger und Gegner von Ägyptens Präsident Mohammed Mursi bis in den frühen Morgen erbittert bekämpft - genau vor dem Präsidentenpalast. Nun sind dort Panzer aufgefahren. Nur wenige Meter vor dem Eingang des Amtssitzes rollten mehrere Panzer und weitere Militärfahrzeuge vor. Sie gehören der Republikanischen Garde an und haben den Auftrag, das Staatsoberhaupt zu schützen.

Bei denheftigen Straßenschlachten in der Nacht wurden mindestens fünf Menschen getötet, mehr als 300 wurden verletzt. Die Krawalle hatten am Mittwochabend begonnen und dauerten stundenlang. Mit äußerster Brutalität bekämpften sich die verfeindeten politischen Lager. Beide Seiten nahmen Gefangene und malträtierten sie. Autos wurden angezündet. Die Hoffnungen auf eine politische Lösung der Krise schwinden.

Die Opposition demonstriert seit Tagen gegen Mursi. Dieser hatte sich per Dekret weitreichende neue Befugnisse gesichert und will einen neuen Verfassungsentwurf durchpeitschen.

Fotostrecke

17  Bilder
Krawalle in Kairo: Panzer vor dem Palast
Den vorläufigen Höhepunkt der Proteste erlebte Kairo in der Nacht. Denn Ägypten taumelt in ein Chaos aus Hass und Gewalt. Die Unruhen sind vergleichbar mit den Straßenschlachten zwischen Mubarak-Gegnern und seinen Anhängern auf dem Höhepunkt der Revolution im Frühjahr 2011. Damals hatten sich beide Seiten auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos erbittert bekämpft. Es waren die schwärzesten Tage des Freiheitskampfes der Ägypter gegen den Despoten.

Auch in anderen Städten kam es Berichten zufolge zu gewaltsamen Protesten. In Ismailia und Suez hätten Mursi-Gegner die Büros der ihm nahestehenden Muslimbruderschaft in Brand gesteckt. In der südlichen Stadt Luxor gingen Tausende von Anhängern der Islamisten auf die Straße und forderten die Einführung der Scharia.

Die Lage in Kairo sei inzwischen ruhig, berichten Augenzeugen. In den Straßen um den Gebäudekomplex würden wieder Autos fahren. Doch Hunderte Mursi-Anhänger seien noch immer in dem Viertel Heliopolis, das in der Nacht zum Mittwoch die Gewaltorgie erlebt hatte.

kgp/mgb/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Islamismus ist direkt vergleichbar mit Faschismus
jan.lolling 06.12.2012
die gleiche Intoleranz und der selbe Absolutheitsanspruch. Man kann nur hoffen dass die liberalen Kräfte nicht aufgeben und sich nicht in ihr Schicksal ergeben.
2. Man bekommt wen man wählt.
Desconocido 2 06.12.2012
An der ganzen Situation in dem Land wundert mich nur wie lange es gedauert hat bis es eskaliert. Erst kämpft die Bevölkerung für Demokratie, wählt danach aber eine Partei die eine mMn. eine fatisch religiöse Linie vertritt. Was haben die denn gedacht was die machen würden? Demokratie ist mMn. in keiner der großen Religionen ein angestrebtes Ziel. Auch in der unseren Kultur mussten wir uns mit der Aufklärung gegen die Macht der Kirche durchsetzen. Ich hoffe die finden dort einen Weg zu einer stabilen Demokratie ohne viele Tote auf dem Weg. Ich erwarte es aber, realistisch betrachtet, nicht. Leider führt fanatische Religiösität immer wieder zu extremismus und Gewalt.
3. Schade ...
M. Thomas 06.12.2012
es war ein mutiges Experiment, Ägypten in die Demokratie zu führen. Es wird wohl gescheitert sein. Die obersten Richter, wohl noch bis heute auf Mubaraks Gehaltsliste, dürfen sich freuen, ihr Land zurück in Gewalt und Ströme von Blut geführt zu haben. Damit können die alten Kräfte wieder neu aufstehen und im Sinne aller westlichen Regierungen ist ja dann alles wieder gut. Bye bye, Mursi .... gehe bitte schnell, nur so ersparst Du Ägypten noch viel mehr Gewalt.
4. Optional
lordofaiur 06.12.2012
Zitat von sysopBlutige Straßenkämpfe erschüttern Kairo - mindestens drei Menschen sterben, Hunderte sind verletzt. Jetzt hat Präsident Mursi vor seinem Amtssitz Panzer stationiert. Sie sollen den Präsidenten schützen. Ägypten: Mursi lässt Panzer vor seinem Palast auffahren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-panzer-vor-praesidentenpalast-a-871257.html)
Mursi hat nichts gelernt, wie hat er nur ein Studium geschafft? Er geht den Weg des Mubarak. Er wird dem Druck nicht standhalten können. Keiner kann gegen den Willen des Volkes regieren, sowas funktioniert nur bei den Asiaten sprich Chinesen.
5. Ganz schön heiß dieser Frühling.
felixhenn 06.12.2012
Hier wird immer der Fehler gemacht, Ägypten mit Deutschland zu vergleichen. Das passt eben nicht. Für Moslems ist es nun einmal unmöglich, einen wirklich säkularen Staat zu akzeptieren. Das sieht man ja auch in der Türkei, die sich immer weiter von den Idealen Atatürks abwendet. Natürlich ist jetzt Demokratie in Ägypten, wenn man das Wort "Demokratie" auf die ursprüngliche Herkunft reduziert, was eigentlich bedeutet: "Herrschaft des Pöbels". Jedoch wird es noch viele Jahre dauern, bis in Ägypten eine ähnlich freiheitliche Demokratie wie bei uns herrscht. Was aber verwundert, in Syrien will man unbedingt den Assad weghaben. Was glaubt man denn was da nachkommt? Das wird nichts anderes als Mursi II sein. Die Probleme schaffen wir uns also selbst. Natürlich ist Assad nicht das Gelbe vom Ei, aber man sollte den ein wenig intelligenter ablösen und nicht Syrien direkt dem Pöbel übergeben.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Ägypten
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 83 Kommentare
  • Zur Startseite

Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Adli Mansur (interimistisch)

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Ägypten-Reiseseite


Fotostrecke
Machtkampf in Ägypten: Blockade bremst Verfassungsgericht