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Machtkampf in Ägypten: Tausende Muslimbrüder protestieren gegen Mursis Absetzung

Im Machtkampf in Ägypten lenken die Muslimbrüder nicht ein. Tausende Islamisten demonstrierten für Mohammed Mursi. Sicherheitskräfte beschossen die Anhänger des gestürzten Präsidenten mit Tränengas, es gab Dutzende Festnahmen.

Kairo - Tausende Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben in Ägypten ihre Proteste fortgesetzt. Die Demonstrationen seien überwiegend friedlich geblieben, berichteten ägyptische Zeitungen in der Nacht zum Samstag. Mursis Anhänger versammelten sich vor dem Medienzentrum im Kairoer Vorort "6. Oktober", um gegen die aus ihrer Sicht einseitige Berichterstattung zu protestieren. Die meisten Medien unterstützen den Sturz Mursis durch das Militär.

Die Demonstranten hätten einen Komplex mit den Redaktionen mehrerer Medien angegriffen, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte. Die Muslimbrüder erklärten dagegen, ihre Anhänger seien bei friedlichen Protesten vor den Gebäuden mit Tränengasgranaten beschossen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, es habe mehr als 30 Festnahmen gegeben.

Die Muslimbrüder protestierten in Kairo bei sengender Hitze und trotz des islamischen Fastengebots, das ihnen tagsüber das Trinken verbietet, nach dem Freitagsgebet gegen Mursis Entmachtung. Auch aus anderen Städten wurden Demonstrationszüge gemeldet.

Die Islamisten fordern die Wiedereinsetzung Mursis als Präsident. Er war am 3. Juli von der Armee unter der Führung von Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi abgesetzt worden und ist derzeit an einem geheimen Ort inhaftiert. Außerdem demonstrieren sie gegen die geplante Räumung ihrer Protestlager.

Amnesty International fordert Untersuchung von Foltervorwürfen

An den Zugängen zum zentralen Camp an der Kairoer Rabaa-al-Adawija-Moschee kontrollierten Aktivisten Ausweise und Taschen. Das Lager soll laut Regierungsbeschluss demnächst geräumt werden. Mohammed Badia, das Oberhaupt der Muslimbruderschaft, warnte, für die Protestierenden sei "die Freiheit wertvoller als ihr Leben". Ein weiteres Protestlager gibt es vor der Universität Kairo in Giza.

Die Behörden wollen den Zugang zu den Camps schon bald blockieren. Demnach können Menschen die beiden Lager in Kairo zwar verlassen, aber nicht mehr betreten. Dies sei eine Vorstufe zur geplanten Räumung, hieß es.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine Untersuchung von Foltervorwürfen gegen Anhänger Mursis. Es gebe Hinweise, "darunter Zeugenaussagen von Überlebenden", dass Anhänger des rivalisierenden politischen Lagers von Mursi-Anhängern "gefoltert" worden seien. Zugleich warnte die Organisation, die Vorwürfe dürften nicht als Vorwand für eine kollektive Bestrafung von Mursis Anhängern benutzt werden.

Kerry warnt vor mehr Gewalt

US-Außenminister John Kerry bemühte sich, nach seiner Äußerung über die Entmachtung Mursis um Klarstellung. "Alle beteiligten Parteien sind dafür verantwortlich, gemeinsam auf eine friedliche Lösung hinzuarbeiten", sagte der Chefdiplomat laut einer Mitteilung vom Freitag. "Das letzte, was wir wollen, ist mehr Gewalt."

Zuvor hatte Kerry gesagt, die Armee sei beim Vorgehen gegen die Islamisten-Regierung von Millionen zum Eingreifen aufgefordert worden und habe "die Demokratie wiederhergestellt". Damit hatte er bei den Islamisten Entsetzen ausgelöst. Vor einem Monat hatte sich US-Präsident Barack Obama noch "sehr besorgt" über das Einschreiten der Armee geäußert.

Der Sprecher der Muslimbruderschaft, Gihad al-Haddad, warf Kerry die Legitimierung eines Militärputsches vor. "Würde Außenminister Kerry akzeptieren, dass Verteidigungsminister Hagel (Chuck Hagel - d. Red.) einschreitet und Obama absetzt, wenn es große Proteste in Amerika gibt?", fragte al-Haddad.

Der ägyptische Vizepräsident Mohamed ElBaradei sagte der "Washington Post", er hoffe auf eine Aussöhnung. Der Muslimbruderschaft müsse klargemacht werden, dass Mursi versagt habe. Das solle aber nicht heißen, dass die Bruderschaft in irgendeiner Weise ausgeschlossen werden sollte. Sie sollte weiterhin Teil des politischen Prozesses sein und auch an der Ausarbeitung der neuen Verfassung mitarbeiten. "Ich hoffe, die Bruderschaft versteht, dass die Zeit nicht für sie arbeitet", sagte ElBaradei.

Sawahiri ruft Muslime Ägyptens zum Zusammenhalt auf

Al-Qaida-Chef Aiman al-Sawahiri rief die Muslime auf zusammenzustehen, um eine Spaltung Ägyptens zu verhindern. In einer angeblich von ihm stammenden Audiobotschaft kritisierte er den Sturz von Ex-Präsident Mohammed Mursi. Er warf den USA vor, mit dem ägyptischen Militär, Säkularen und Christen gemeinsame Sache gegen Mursi gemacht zu haben.

"Kreuzfahrer und Säkulare und die amerikanisierte (ägyptische) Armee haben sich zusammengeschlossen (...) mit Geld vom Golf und amerikanischer Planung, um Mursis Regierung zu stürzen", heißt es in der Botschaft mit Bezug auf den 3. Juli, dem Tag der Entmachtung Mursis durch die ägyptische Armee.

ulz/dpa/AFP

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1.
notty 03.08.2013
Zitat von sysopDPAIm Machtkampf in Ägypten lenken die Muslimbrüder nicht ein. Tausende Islamisten demonstrierten für Mohammed Mursi. Sicherheitskräfte beschossen die Anhänger des gestürzten Präsidenten mit Tränengas, es gab Dutzende Festnahmen. Ägypten: Muslimbrüder fordern Mursis Wiedereinsetzung als Präsident - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-muslimbrueder-fordern-mursis-wiedereinsetzung-als-praesident-a-914608.html)
"Mursis Anhänger versammelten sich vor dem Medienzentrum im Kairoer Vorort "6. Oktober", um gegen die aus ihrer Sicht einseitige Berichterstattung zu protestieren. Die meisten Medien unterstützen den Sturz Mursis durch das Militär." Da koennen sich die Muslimbrueder aber nicht ueber die Unterstuetzung in der Westpresse beklagen....die ist auf ihrer Seite. Von Mursi-Gegnern sieht und liesst man fast nichts mehr. In Aegypten, wie in Syrien, Libyen, Tunesien, der Westen kuschelt Djihadisten und Islamisten....eine geradezu verrueckte Situation. Man unterstuetzt ausgerechnet diejenigen, die den Westen hassen wie die Pest....
2. Realitäten Mur(k)si Fans ...
rkinfo 03.08.2013
Der fanatische Islamismus wird kaum schnell verschwinden und in Ägypten sind es die Armen welche per Mursi sich Wunder erhoffen. Wobei noch die sektiererische Gottesstaat Hoffnung mitspielt. Dazu Muslim - Brüder ... nicht - Schwestern. Es ist weltweit verboten reine Männerparteien und Ungleichheiten zwischen Geschlechtern zu fordern. Mursi & Co sind global nicht zulässig.
3. Diese
micha.w 03.08.2013
nichts anderes als ihr eigenes "Wohlergehen" im Auge gehabt. So sieht dann die Quittung aus. Nur weil gewählt ist das kein Freifahtschein! Diese Erfahrung was dann herauskommen kann hat Deutschland mit Hitler ja durchexerziert.
4. sisis blutrünstige machtergreifung
rotanaberlin 03.08.2013
erneut gingen heute nacht millionen ägypter auf die straßen und protestierten in zahlreichen städten friedlich gegen die absetzung und tyrannei des militärs. während das gesamte ägyptische militärapparat hand in hand mit bezahlten söldnern friedlich protestierende zivilisten massakriert, spielt sich die westliche allianz die bälle zu. es sind grausame bilder ähnlich die der aus syirien bekannten zu beobachten. seit dem militärputsch demonstriert die bürgerliche arbeiterklasse TÄGLICH gegen die absetzung mursis friedlich miteinander. hundertausende demonstranten kommen TAGTÄGLICH zusammen und protestieren in ganz ägypten und vor allem in kairo bis in den frühen morgenstunden friedlich miteinander.al jazeera berichtet täglich über die spektakuläre und beeindruckende revolution während die gleichgeschalteteten medien hierzulande diese geschichtlichen ereignisse bewusst ignorieren. wahre und ungeschminkte berichterstattung erhalten sie auf www.livestation.com/en/aljazeera-arabic + www.aljazeera.com/watch_now/english + www.livestation.com/en/aljazeera-mubasher-misr. für eindrucksvolle bilder und berichte einer echten und einmaligen revolution steht aus kairo letzteres stets aus zur verfügung. während die mainstream medien die manipulation der gesellschaft durch falsche oder gar die aussetzung vieler eireignisse billigen, breitet sich die machtelite des alten dispoten mubaraks im lande wieder aus. die proteste der friedlichen ägypter die oftmals auch gern als gewaltbereite islamisten betitelt werden, werden durch die gleichgeschalteten medien alsdann nur für die freitage nach den gebeten angekündigt. Tatsächlich demonstrieren diese seit wochen TÄGLICH und friedlich miteinander. erschießungen, verhaftungen, unterdrückungen, sowie die gleichschaltung des ägyptischen staatsfernsehens und der presse sind zwei jahre nach dem sturz des diktators husni mubaraks an der tagesordnung. general sisi hat seine rolle eindeutig verspielt-viel zu viel blut klebt bereits an seinen händen, während europa und die usa die alten despoten wieder willkommen heißen. die toren sind gerade erst aufgestoßen-es gibt kein zurück mehr. die araber haben keine lust mehr sich der tyrannei auszusetzen. Mursis bestrebungen zum frieden waren vielfältig. er öffnete u. a. die grenzen von rafah zu israel, die nach dem militärputsch umgehends geschlossen wurden. zudem bot er der oppostition immer die zusammenarbeit an, diese jedoch lehnte stets ab und stellte immer wieder ultimaten. die ddr mauer ist friedlich gefallen. eine authentische und erfolgreiche revolution kostet leider oftmals das leben vieler menschen. Diese erleben wir gerade in syrien und ägypten. die revolution hat gerade erst richtig begonnen. europa und die usa haben die dispoten/diktatoren im gesamten nahen osten jahrzente lang unterstütz. diese haben den gesamten nahen und wohlhabenden osten ökonomisch und sozial zerstört und teilweise ausgebeutet;jenes wird auch von den einfachsten menschen registriert, zum trotz heuchlerischer beglückwünschungen seitens der westlichen allianz zum sturz mubarks vor zwei jahren.
5. überrascht
tinosaurus 03.08.2013
So bin ich inzwischen schon überrascht, dass die USA und jetzt wohl auch Deutschland die notwendige Absetzung Mursis begreifen. Demokratisch gewählt heißt ja nicht, dass man anschliessend demokratische Richtlinien mißachtet und auf einen Gottesstaat hinarbeitet bzw. regiert.
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Fotostrecke
Mohammed Mursi: Sturz und Fall des Muslimbruders

Fläche: 1.009.450 km²

Bevölkerung: 85,783 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abdel Fattah el-Sisi

Regierungschef: Sherif Ismail

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