Nach Anschlägen auf Kirchen Ägyptens Präsident Sisi kündigt Ausnahmezustand an

Ägyptens Staatschef Sisi will nach den Anschlägen auf zwei Kirchen den Ausnahmezustand verhängen. Das Militär wurde zum Schutz von Gebäuden abgestellt. Der IS droht derweil mit weiterer Gewalt gegen Christen.


Als Reaktion auf die Anschläge auf zwei Kirchen der christlich-koptischen Minderheit will Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi den Ausnahmezustand verhängen. Dieser trete für drei Monate in Kraft, sobald die notwendigen verfassungsrechtlichen Schritte vollzogen seien, sagte er in einer Ansprache im staatlichen Fernsehen.

Zuvor hatte er bereits den sofortigen Einsatz von Armeeeinheiten angeordnet. Das Militär solle die Polizei im ganzen Land beim Schutz der Infrastruktur und wichtiger Gebäude unterstützen, hieß es in einer Mitteilung des Präsidentenbüros.

Bei Anschlägen in der nordägyptischen Stadt Tanta sowie in der Hafenstadt Alexandriawaren am für Christen wichtigen Palmsonntag mindestens 44 Menschen getötet worden. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Taten, bei denen mehr als 110 weitere Menschen verletzt wurden, für sich.

Zudem drohte der IS mit weiterer Gewalt gegen Christen. Die "Kreuzzügler" und "Ungläubigen" würden mit dem Blut ihrer Söhne bezahlen, hieß es in einer Mitteilung im Namen des IS, die am Sonntag veröffentlicht wurde. Die Echtheit konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Die Dschihadisten, deren Ableger im Norden der ägyptischen Sinai-Halbinsel aktiv ist, hatten sich schon im Dezember zu einem ähnlichen Anschlag bekannt. Damals waren fast 30 Menschen durch einen Selbstmordattentäter in einer Kirche in Kairo getötet worden. In Propagandavideos hatte der IS zuletzt Angriffe auf Christen angekündigt.

Christen machen in Ägypten zehn Prozent der etwa 94 Millionen Einwohner aus. Sie können ihre Religion weitgehend frei ausüben und leben größtenteils friedlich mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit zusammen. Es gibt allerdings vereinzelt Spannungen, vor allem in den ländlichen Gebieten.

Das Land steht nach den Anschlägen unter Schock. Präsident Sisi sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. Es wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Politiker und religiöse Führer weltweit verurteilten die Anschläge.

sun/dpa/Reuters

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