Kairo - Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat Panzer vor seinem Amtssitz auffahren lassen, wo in der Nacht heftige Kämpfe tobten. Doch Kairo kommt nicht zur Ruhe. Hunderte seiner Anhänger harren vor dem Gebäudekomplex aus und skandieren Parolen. Als die Aktivisten auf Gegner Mursis treffen, bewerfen sich beide Seiten erneut mit Steinen. Die Soldaten versuchen zu beruhigen - können die verfeindeten Parteien zunächst zurückdrängen.
Im Konflikt um die erweiterten Machtbefugnisse für Ägyptens Präsident Mohammed Mursi hat die Armee versprochen, nicht mit Gewalt gegen Demonstranten vorzugehen. Der Kommandeur der Republikanischen Garde, General Mohammed Saki, sagte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mena am Donnerstag, die Streitkräfte würden "kein Instrument zur Unterdrückung von Demonstranten sein".
Das ägyptische Staatsfernsehen bestätigte unterdessen, dass sich Mursi noch am Donnerstag zu der Krise äußern will. Mursi wolle dabei der Opposition die Hand zum Dialog reichen, sagte der Berater, der nicht namentlich genannt werden wollte. Konkrete Vorschläge des Staatschefs zur Entschärfung der Krise nannte er nicht. "Es liegen mehrere Ideen auf dem Tisch", sagte der Berater.
Die Opposition protestiert seit Ende November heftig gegen Mursi, der sich per Dekret weitreichende neue Befugnisse sicherte. Diese schützen ihn vor jeglicher Verfolgung durch die Justiz und erlauben willkürliche Zensurmaßnahmen der Regierung. Die Demonstranten wenden sich außerdem gegen eine neue stark religiös geprägte Verfassung, über die am 15. Dezember ein Referendum abgehalten werden soll.
Doch Mursi und die Muslimbrüder scheinen fest entschlossen, sich die Macht in Ägypten zu sichern. Ein Sprecher der Muslimbrüder hatte am Mittwoch die Stimmung angeheizt und erklärt, nun sei "die Zeit des Kampfes" gekommen.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich bestürzt angesichts der erneut aufgeflammten Gewalt. Diese sei kein Mittel der innenpolitischen Auseinandersetzung, sagte Westerwelle: "Ich appelliere an alle Seiten, Besonnenheit und Vernunft walten zu lassen." Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und der britische Außenminister William Hague erklärten, die Vorgänge in Ägypten bereiteten ihnen Sorge.
Auch US-Außenministerin Hillary Clinton hatte von den ägyptischen Konfliktparteien einen "beiderseitigen Dialog" gefordert. Die USA gelten als einflussreichster westlicher Partner Ägyptens. Das Land, aber vor allem das noch immer mächtige Militär, ist von den US-Finanzspritzen von rund zwei Milliarden Dollar pro Jahr abhängig.
kgp/mgb/dpa/Reuters
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