Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ägypten: Regierung stuft Muslimbruderschaft als Terrororganisation ein

Mansura im Nil-Delta nach dem Anschlag am 24. Dezember: "Hässliches Verbrechen" Zur Großansicht
AFP

Mansura im Nil-Delta nach dem Anschlag am 24. Dezember: "Hässliches Verbrechen"

Die islamistische Muslimbruderschaft gilt in Ägypten jetzt offiziell als Terrororganisation. Die Gruppe sei verantwortlich für den jüngsten Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation mit 16 Toten, behauptet die Übergangsregierung. Demonstrationen sind von nun an verboten.

Kairo - Nach einem Bombenanschlag am frühen Dienstagmorgen mit vielen Toten und Verletzten reagiert die ägyptische Regierung: Die islamistische Muslimbruderschaft werde von nun an als Terrororganisation eingestuft, erklärte Vizeministerpräsident Hossam Eissa am Mittwoch im staatlichen ägyptischen Fernsehen im Anschluss an eine Sitzung des Kabinetts.

Die Organisation sei verantwortlich für den Selbstmordanschlag auf ein Polizeigebäude in der Stadt Mansura im Nil-Delta, erklärte Eissa.Bei dem Anschlag in der Nacht zum Dienstag waren 16 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden.

Ganz Ägypten sei "entsetzt" über das "hässliche Verbrechen", das die Muslimbrüder am Dienstagmorgen im Norden des Landes verübt hätten, hieß es in der Regierungserklärung. Alle Mitglieder sollten künftig "bestraft" werden, teilte Eissa mit. Der Minister für soziale Solidarität, Ahmed al-Borei, fügte hinzu, dass künftig "alle Aktivitäten" der Muslimbrüder verboten seien, vor allem "Demonstrationen".

Qaida-nahe Gruppe bekannte sich zum Anschlag

Zum Anschlag in Mansura hatte sich allerdings nur wenige Stunden vor der Kabinettssitzung die Qaida-nahe Gruppe Ansar Beit al-Makdis bekannt. Die Dschihadisten-Organisation war bislang auf dem Sinai und in der Suezkanal-Region aktiv. Die Muslimbruderschaft hatte den Anschlag bereits am Dienstag mit scharfen Worten verurteilt.

Ein Gericht in Kairo hatte die Bruderschaft bereits im September für illegal erklärt und den Einzug ihres Vermögens verfügt. Das Urteil war im Vormonat von einem Berufungsgericht bestätigt worden. Die Armee hatte im Juli den gewählten Präsidenten Mohammed Mursi gestürzt, der aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen war und eine Übergangsregierung eingesetzt.

Die Muslimbruderschaft hatte in Ägypten regiert, nachdem sie die ersten Parlaments- und Präsidentenwahlen nach dem Umsturz im Jahr 2011 gewonnen hatte. Seit dem Sturz durch die Armee in diesem Sommer sind Mursi und praktisch die gesamte Führung der Bruderschaft in Haft. Gegen sie werden Prozesse geführt beziehungsweise vorbereitet, in denen ihnen die Tötung von Demonstranten, Landesverrat und Terrorismus vorgeworfen werden. Für diese Vergehen droht in Ägypten die Todesstrafe.

Seine Anhänger demonstrieren seitdem fast täglich und verlangen Mursis Wiedereinsetzung. Immer wieder kommt es auch zu gewalttätigen Angriffen auf Sicherheitskräfte. Der jüngste Anschlag war der bislang größte in dem Land, abgesehen von der der unruhigen Sinai-Halbinsel und dem Suezkanal-Gebiet.

lgr/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Erschreckend ist nicht der Anschlag,
_scout_ 25.12.2013
leider verüben Al-Kaida nahe Terrorgruppen solche Anschläge ja nicht zum ersten mal, erschreckend ist eher wie die Regierung man könnte auch sagen das neue Regime diesen Terroranschlag missbraucht um ihren Feldzug gegen die Muslimbrüder fortzusetzen, diesen Leuten die mit Scharfschützen hunderte niederschießen haben lassen wäre es sogar zuzutrauen so einen Anschlag selbst durchzuführen nur um dann davon zu profitieren, ich gehe zwar nicht davon aus aber diese neue Regierung ist skrupellos und Autoritär genau das was man nicht wollte/ Arabischen Frühling.
2.
taglöhner 25.12.2013
Eine religiöse Partei ist im Islam wohl grundsätzlich mit Menschenrechten unvereinbar, das sie das Primat der Politik nicht anerkennen kann. Irgendwie läuft es immer auf Scharia hinaus. Schwierig einen Reinigungsprozess durch eine Militärregierung zu akzeptieren, nachdem solche im Westen meist in Faschismus mündeten. Aber Atatürk hat vorgemacht, dass es im Prinzip auch in Richtung Öffnung zu Laizismus, westlichen Werten und Demokratisierung laufen kann.
3. Verglichen mit Muslimbrüdern ist al-Qaida armselig
karlomari 25.12.2013
Zitat von _scout_leider verüben Al-Kaida nahe Terrorgruppen solche Anschläge ja nicht zum ersten mal, erschreckend ist eher wie die Regierung man könnte auch sagen das neue Regime diesen Terroranschlag missbraucht um ihren Feldzug gegen die Muslimbrüder fortzusetzen, diesen Leuten die mit Scharfschützen hunderte niederschießen haben lassen wäre es sogar zuzutrauen so einen Anschlag selbst durchzuführen nur um dann davon zu profitieren, ich gehe zwar nicht davon aus aber diese neue Regierung ist skrupellos und Autoritär genau das was man nicht wollte/ Arabischen Frühling.
Sie reden von den gleichen Leuten. Einer der es wissen muss. Der ausgestiegene Muslimbruder Abd al-Gelil al-Sharnoby spricht im Interview über die Ideologie der Organisation und ihre Macht: "Wir müssen zwischen al-Qaida und der Muslimbruderschaft unterscheiden. Die Muslimbruderschaft ist eine Ideologie mit einer internationalen Struktur. Al-Qaida ist nur eine Ideologie mit ein paar Zellen. Verglichen mit der Muslimbruderschaft ist al-Qaida geradezu armselig. Die Muslimbruderschaft benutzt al-Qaida für gewalttätige Aktionen, aber ich betrachte al-Qaida nur als kleines Rädchen in der Muslimbruderschaft." http://www.welt.de/politik/ausland/article117806369/Verglichen-mit-Muslimbruedern-ist-al-Qaida-armselig.html
4. Terroristen und Staatsfeinde
hubertrudnick1 25.12.2013
Zitat von sysopAFPDie islamistische Muslimbruderschaft gilt in Ägypten jetzt offiziell als Terrororganisation. Die Gruppe sei verantwortlich für den jüngsten Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation mit 16 Toten, behauptet die Übergangsregierung. Demonstrationen sind von nun an verboten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-stuft-muslimbruderschaft-als-terrororganisation-ein-a-940845.html
Seine Konkurrenten hat man schon immer als Terroristen und als Feinde der Gesellschaft bezeichnet, das alles ist nichts neues. Aber was sich nun wieder in Ägypten und des arabischen Welt abspielt ist ein Schritt zurück ins menschliche Mittelalter, man versteht es nicht sich politisch und friedlich auseinanderzusetzen, man benutzt Sprenkörper und Bomben um auf sich aufmerksam zu machen, das Leid der Menschen interessiert diesen Leuten nicht. Alles dreht sich nur um die Machtfrage und wenn man sie hat, dann weiß man damit nichts anzufangen, man spielt sich nur immer als ein Diktator auf, wer nicht zu meiner Gruppe gehört und sich nicht unterwirft, der wird brutal vernichtet, aber das kennen wir doch auch schon aus diesen drei Religionen.
5. optional
egyptwoman 26.12.2013
In vielen anderen Ländern dieser Welt ist die Moslembruderschaft schon lange als terroristische Vereinigung eingestuft, so auch in den USA, ja dieselbe USA die zu der Zeit als die MB an der Macht waren, diese mit Milliarden unterstützt hat. Es war nur eine Frage der Zeit bis die MB als Terrrovereinigung eingestuft werden. Das sich eine Gruppe der Al Kaida zu dem Anschlag bekannte heißt gar nichts, denn diese kann den Auftrag durch die MB erhalten haben damit die dann wieder behaupten können das sie völlig unschuldig sind. Wer die Statuten der MB kennt (kann man meines Wissens ergooglen) der wird feststellen das sie nur auf Macht und vor allem Gewalt aufgebaut ist. Also völlig richtig diese Vereinigung als Terrorvereinigung einzustufen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fläche: 1.009.450 km²

Bevölkerung: 85,783 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abdel Fattah el-Sisi

Regierungschef: Sherif Ismail

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Ägypten-Reiseseite



Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: