Protest gegen Präsident Mursi: Drei Tote bei Straßenschlachten in Ägypten

Zehntausende Ägypter fordern den Rücktritt von Staatspräsident Mursi. Bei Zusammenstößen zwischen Liberalen und Islamisten sterben drei Menschen - darunter ein US-Bürger. Die USA warnen vor Reisen in das Land.

Kairo - Eigentlich sollten die Großdemonstrationen erst am Sonntag stattfinden, dem ersten Jahrestag des Amtsantritts von Mohammed Mursi. Doch schon seit Freitag protestieren Zehntausende Ägypter gegen den islamistischen Präsidenten. Dabei starben mindestens drei Menschen. 139 weitere wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt, wie die Zeitung "al-Ahram" online berichtete.

Bei den gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Anhängern und Gegnern der regierenden Islamisten in der Hafenstadt Alexandria kam ein US-Amerikaner ums Leben. Das US-Außenministerium bestätigte den Todesfall. Nach Angaben der ägyptischen Sicherheitskräfte wurde der 21-Jährige von einem zunächst nicht identifizierten Mann mit einem großen Messer in die Brust gestochen, als er für das amerikanische Kulturzentrum in Alexandria Demonstranten fotografierte. General Amin Esseddin sagte, der US-Bürger sei schwer verletzt in ein Militärkrankenhaus gebracht worden und dort gestorben.

Bei der Massenschlägerei im Stadtteil Sidi Gaber war zuvor bereits ein Ägypter getötet worden. In Port Said kam ein ägyptischer Journalist ums Leben, als bei einer Demonstration ein Butangasbehälter von Feuerwerkskörpern getroffen wurde und explodierte. Nach Angaben der Zeitung "al-Ahram" war es ein Unfall, bei dem auch zwölf Menschen verletzt wurden.

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Proteste in Ägypten: Zehntausende gegen Mursi
Grund für die Auseinandersetzungen ist das einjährige Regierungsjubiläum von Präsident Mursi, der 2012 bei der ersten freien Präsidentschaftswahl mit knapper Mehrheit gewählt worden war. Eine Protestbewegung will am Sonntag, dem Jahrestag seiner Vereidigung, mehr als 20 Millionen Unterschriften von Bürgern übergeben, die seine Absetzung und Neuwahlen fordern. Die islamistische Führung des Landes lehnt dies ab.

Ägypten-Reisen sollen vermieden werden

Das US-Außenministerium warnte vor Reisen in das Land. Einem Teil des Botschaftspersonals sowie ihren Angehörigen sei der Abzug genehmigt worden, hieß es weiter. Die US-Bürger in Ägypten wurden dringend aufgefordert, alle Demonstrationen zu meiden - selbst friedliche Versammlungen könnten schnell gewalttätig werden.

Etwa 20.000 Unterstützer von Mursi kamen vor der Moschee Rabaa al-Adawija im Viertel Nasr in der Hauptstadt zusammen. Mehrere Redner warfen der Protestbewegung vor, sie werde "aus dem Ausland unterstützt, von Staaten, die nichts Gutes für Ägypten wollen". Sie betonten, Mursi werde nicht vor Ende seiner vierjährigen Amtszeit zurücktreten.

"Wir werden einen Staatsstreich gegen den Präsidenten nicht zulassen", rief Mohammed al-Beltagui von den Muslimbrüdern der Menge zu. "Ihr seid nicht die zweite Revolution und wir sind nicht Mubarak", sagte er mit Bezug auf den 2011 gestürzten früheren Staatschef.

Mursi hatte kurz vor dem ersten Jahrestag seiner Amtsübernahme zwar Fehler eingeräumt, sich aber entschlossen gezeigt, an seinem Kurs festzuhalten. Erst in der vergangenen Woche hatte er mit der Ernennung neuer Provinzgouverneure die liberale Opposition verärgert.

aar/AFP/dpa

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insgesamt 84 Beiträge
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1. optional
corvey91 29.06.2013
der CIA hat mal wieder zugeschlagen ... ganz nach dem Muster Syrien, Türkei und zahllose andere Staaten ...
2. Es geht um das richtige Verständnis und um Toleranz.
spon-facebook-10000009156 29.06.2013
Zitat von sysopZehntausende Ägypter fordern den Rücktritt von Staatspräsident Mursi. Bei Zusammenstößen zwischen Liberalen und Islamisten sterben drei Menschen - darunter ein US-Bürger. Die USA warnen vor Reisen in das Land. Ägypten: Tote bei Protesten gegen Staatspräsident Mursi - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-tote-bei-protesten-gegen-staatspraesident-mursi-a-908496.html)
So kann man Ägypten nicht verändern, nicht mit Gewalt. Es geht um das richtige Verständnis und um Toleranz. Religion spielt in dieser Kultur eine wichtige Rolle. Ein Behördenvertreter fragte mal den großen Meister Rinzai, ob sich das Geheimnis der Religion in einem einzigen Wort ausdrücken lasse. "Stille", sagte Rinzai. Und wie gelangt man zu Stille? "Meditation" Und was ist Meditation? "Stille" Es ist an der Zeit, vom Verstand ins Herz zu gehen, die Einheit zu realisieren. Der einzige Weg unser Leben und die Welt zu verändern, ist, dem Herzen zu folgen, durch das Herz unsere Schatten in Licht zu verwandeln und unsere Lebensaufgabe zu leben. Wir sollten lernen die Welt jeden Moment mit neuen Augen zu sehen, um uns von den erlernten Klischees und der Last der Meinungen zu befreien und um immer wieder mit uns selbst in Kontakt zu treten!!
3. Islamische Brüderschaft
roskipper 29.06.2013
Der Tourismus in Nordafrika hat ja eine blendende Perspektive unter der Führerschaft der Islamisten.
4. Wahlurne > Demonstration
h3ld 29.06.2013
Anstatt immer wieder auf die Straße zu gehen, sollten die Menschen ihre Entscheidungen an der Wahlurne treffen und nicht durch primitive Volksaufstände.
5.
deutscherevolution00 29.06.2013
also der US civilian wurde ermordet?! ... ich verabscheue diese Religion in ihrem jetzigen Zustand zutiefst inklusive ihren gemäßigten Vertretern. ist einfach meilenweit von der Gegenwart entfernt.....
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