Ägypten Tote und Verletzte bei Ausschreitungen in Kairo

Bei Straßenschlachten rund um den Tahrir-Platz sind in Kairo erneut mehrere Demonstranten getötet worden. Am frühen Morgen eröffneten Hunderte Soldaten in Schutzkleidung das Feuer auf die Gegner des Militärs.

Demonstrant in Kairo: Kampf gegen die Militärherrschaft
AFP

Demonstrant in Kairo: Kampf gegen die Militärherrschaft


Kairo - Bereits am vierten Tag in Folge haben sich Demonstranten und Soldaten Straßenschlachten in der Kairoer Innenstadt geliefert. Am Montag sind bei der andauernden Revolte mindestens drei weitere Protestierer ums Leben gekommen. Nach Angaben regierungsnaher Medien wurden seit Freitag 13 Menschen getötet und 815 verletzt. 123 Demonstranten sollen festgenommen worden sein.

Möglicherweise ist die Zahl der Opfer jedoch höher. Der Arzt eines Feldlazaretts auf dem Tahrir-Platz sprach von sechs Toten allein am Montag. Mit Schlagstöcken und Tränengas gingen die Soldaten dort gegen zum Teil steinewerfende Demonstranten vor. Die Proteste zielen auf ein Ende der Militärherrschaft in dem nordafrikanischen Land ab. Der Militärrat hatte vor zehn Monaten nach dem erzwungenen Rücktritt Husni Mubaraks die Macht in Ägypten übernommen.

Ein Mitglied des Militärrates nannte die Proteste Teil einer Verschwörung gegen das Land und kritisierte die Berichterstattung über die Gewalt. Bilder und Videos, die zeigen, wie Demonstrantinnen von Soldaten entblößt, an den Haaren gezogen und so öffentlich gedemütigt werden, hatten für Empörung gesorgt und könnten den Konflikt weiter anheizen. Andere Aufnahmen zeigen einen Soldaten, der mit einer Pistole auf die Protestierenden feuert, wobei nicht klar war, ob er dabei scharfe Munition benutzte.

Unterdessen wächst der internationale Druck auf die ägyptische Übergangsregierung. US-Außenministerin Hillary Clinton und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon forderten den Militärrat am Sonntag auf, das gewaltsame Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten zu beenden. Die ägyptische Führung solle die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, forderte Clinton. Zugleich rief sie die Protestierer auf, ebenfalls von Gewalt abzusehen. Auch Ban zeigte sich "alarmiert angesichts der überzogenen Gewalt" der Sicherheitskräfte. Es sei wichtig, Ruhe zu bewahren, um den Wahlprozess in dem Land zu unterstützen.

npi/dapd/rtr/dpa/afp



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