Militärangriff auf Touristen in Ägypten "Wir wurden ungefähr fünf Mal bombardiert"

Eine Überlebende des Armeeangriffs auf eine Touristengruppe in Ägypten erhebt schwere Vorwürfe gegen das Militär: Die Urlauber seien stundenlang bombardiert worden, obwohl die Behörden von ihrem Aufenthalt in der Wüstenregion wussten.

Wagen mit Leichnam von Angriffsopfer: "Es gab keinen Ort, an dem man sich verstecken konnte"
AP/dpa

Wagen mit Leichnam von Angriffsopfer: "Es gab keinen Ort, an dem man sich verstecken konnte"


Susana Calderón hat den versehentlichen Beschuss einer Touristengruppe durch ägyptische Sicherheitskräfte überlebt. Nun hat die Mexikanerin der Zeitung "El Universal" die Umstände des Angriffs geschildert, bei dem am Sonntag zwölf Menschen getötet und zehn weitere verletzt wurden.

"Wir wurden ungefähr fünfmal bombardiert, immer aus der Luft", sagte Calderón dem Blatt. Der Angriff habe insgesamt etwa drei Stunden gedauert. "Es gab keinen Ort, an dem man sich verstecken konnte, keinen Ort, an den man fliehen konnte."

Die Frau wurde bei dem Beschuss in der Westlichen Wüste an beiden Armen verletzt. Ihr Gatte Luis Barajas starb kurz nach dem Angriff. "Ich habe meinen Mann gesehen, als sie mich auf eine Trage gelegt haben, um mich ins Krankenhaus zu bringen", sagte die Mexikanerin vom Krankenbett in einem Vorort von Kairo der Zeitung. "Ich habe ihn sagen hören, dass er mich liebt, ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe. Und dann kam nichts mehr von ihm."

Die ägyptischen Behörden behaupten, ihre Reisegruppe habe sich in einer verbotenen Gruppe befunden. Wie zuvor bereits der Reiseveranstalter widerspricht auch Calderón dieser offiziellen Darstellung. Auf der Tour hätten Beamte zweimal ihre Papiere kontrolliert und sie dann passieren lassen.

Mexikos Außenministerin Claudia Ruiz Massieu war am Dienstag nach Ägypten gereist, um Aufklärung über den Vorfall zu verlangen. Auf dem Rückflug wollte sie die insgesamt sechs verletzten Mexikaner - fünf Frauen und einen Mann - mit in die Heimat nehmen. Sie sollten am Freitag in Mexiko-Stadt eintreffen.

Der ägyptische Außenminister Sameh Schukri sagte am Mittwoch eine "tiefgreifende und transparente Untersuchung" des Beschusses zu. Ein paar Stunden später untersagte die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft Medien allerdings unter Strafandrohung die Veröffentlichung von Informationen über den Vorfall. Das jüngst in Kraft gesetzte Anti-Terror-Gesetz in Ägypten verbietet die Verbreitung von Informationen, die der offiziellen Darstellung von Regierung und Armee widersprechen.

syd/AFP



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