Ägypten: Verwirrung um Festnahme von Qaida-Kommandeur Adel

Er steht auf Amerikas "Most Wanted"-Liste, ist einer der höchsten Funktionäre von al-Qaida. Nun sollte Saif al-Adel angeblich am Flughafen in Kairo gefasst worden sein. Doch das Dementi folgte sofort: Bei der Festnahme hat es sich offenbar um eine Verwechslung gehandelt.

Ägypter Saif al-Adel (undatiertes Fahndungsfoto): Soll hinter den Anschlägen auf Botschaften stecken Zur Großansicht
AFP/ FBI

Ägypter Saif al-Adel (undatiertes Fahndungsfoto): Soll hinter den Anschlägen auf Botschaften stecken

Kairo - Das Führungsmitglied des Terrornetzwerks al-Qaida, Saif al-Adel, sollte am Mittwoch am Flughafen in Kairo festgenommen worden sein. Das gaben zunächst ägyptische Behördenvertreter bekannt.

Doch kurz nach dem angeblichen Zugriff meldete die Nachrichtenagentur AP, dass es sich um eine Verwechslung handeln könnte. Auch AFP berichtete wenig später, ägyptische Sicherheitskreise hätten ihre Angaben über die Festnahme von Adel dementiert. Bei dem am Flughafen von Kairo festgenommenen Mann handele es sich um einen ehemaligen militanten Islamisten, nicht jedoch um den gesuchten Top-Terroristen.

Adel gilt als Operationsplaner, Feldkommandeur und ist in einem Atemzug mit Chalid Scheich Mohammed genannt worden, einem der Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington.

Der Ägypter wurde von den USA unter anderem wegen seiner Verwicklung in die Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 gesucht. Das FBI hatte fünf Millionen Dollar Belohnung für seine Ergreifung ausgesetzt.

Der etwa 50 Jahre alte Adel soll nach der Tötung von Qaida-Chef Osama Bin Laden im Mai 2011 kurzfristig die Führung des Terrornetzwerks übernommen haben.

Ein Flughafenmitarbeiter sagte, Adel sei mit einer Maschine der Fluggesellschaft Emirates Airlines unterwegs gewesen und aus Pakistan mit Zwischenstopp in Dubai gekommen. Er wurde demnach in seiner Heimat wegen seiner Mitgliedschaft in der Gruppierung al-Dschihad gesucht.

Den Angaben zufolge stimmten das Geburtsjahr und der im Pass angegebene Name mit dem von Adel überein, der auch unter den Namen Mohammed Ibrahim Makkawi und Ibrahim Madani bekannt ist. Reporter beobachteten, wie der Mann bei seiner Festnahme bestritt, Chef des militärischen Arms al-Qaidas zu sein.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA hatte sich die Spur des Top-Terroristen zunächst verloren. Später wurde bekannt, dass er nördlich der iranischen Hauptstadt Teheran unter einer Art wohlwollendem Hausarrest stand - zusammen mit Dutzenden, möglicherweise Hunderten Qaida-Kämpfern und ihren Familien, die vor der US-Invasion in Afghanistan im Dezember 2001 geflohen waren und von den Iranern an der Weiterreise gehindert wurden. 2010 soll Adel dann ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet gelangt sein.

fab/heb/AFP/AP

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1. ***
MiniDragon 29.02.2012
Dumm gelaufen! Hätte wohl besser noch ein paar Jahre im Iran bleiben sollen dieses arabische Schwert der Gerechtigkeit. Wer oder was mag ihn nur nach Ägypten getrieben haben diesen Glaubenskrieger? Ein Dummkopf ist es sicherlich keiner. Frage mich immer wieder, warum solche Leute zu Terroristen werden. Die besten Erklärungen bietet m.E. die Neurobiologie.
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