Neuer Präsident in Ägypten Deutlicher Wahlsieg für Militärmachthaber Sisi

Ex-Feldmarschall Sisi ist offenbar mit großer Mehrheit zum ägyptischen Präsidenten gewählt worden. Nach inoffiziellen Angaben erhält er mehr als 90 Prozent der Stimmen. Allerdings hat ein Großteil der Bevölkerung die Abstimmung boykottiert.


Kairo - Ägypten wird in den nächsten vier Jahren wieder von einem Mann aus dem Militär regiert werden. Nach vorläufigen Angaben wurde Ex-Feldmarschall Abd al-Fattah al-Sisi mit mehr als 90 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Die dreitägige Wahl war am Mittwochabend zu Ende gegangen.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Justizkreisen berichtet, habe Sisi 93,3 Prozent der Stimmen erhalten. Sein einziger Mitbewerber, Hamdien Sabahi, kam demnach auf 3,7 Prozent. In einigen Wahllokalen waren Tausende ungültiger Stimmzettel abgegeben worden.

Sabahi gestand am Donnerstag seine Niederlage ein. Er dankte im Kurznachrichtendienst Twitter den vorwiegend jungen Aktivisten, die ihn unterstützt hatten, mit den Worten: "Ihr habt an eurem Traum festgehalten und ihn mit Mut verteidigt."

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Wahl in Ägypten: Legitimation nach dem Putsch

In der Nacht zum Donnerstag feierten rund tausend Sisi-Anhänger den Wahlsieg auf dem Tahir-Platz in Kairo mit Nationalflaggen, Feuerwerk und Hupkonzerten. Sie setzen große Hoffnungen darauf, dass der Militär dem Land wieder Stabilität bringt.

Mit seiner Wahl zum Präsidenten will Sisi seine Herrschaft in Ägypten nachträglich legitimieren. Er ist bereits seit dem vergangenen Sommer an der Macht. Damals hatte er den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi absetzen und festnehmen lassen. Mursi war 2012 als erster Zivilist zum Präsidenten gewählt worden. Alle früheren ägyptischen Präsidenten stammten aus dem Militär.

Spätestens seit Sisis Machtübernahme ist das Land tief gespalten. Mursis Anhänger, die Muslimbrüder, lehnen Sisi ebenso ab wie viele junge Leute, die Revolutionsjugend. Beide Gruppen hatten zum Wahlboykott aufgerufen - offenbar mit Erfolg.

Nach Angaben regierungsnaher Medien lag die Wahlbeteiligung bei etwa 45 Prozent. Allerdings zweifelt die Muslimbruderschaft diese Zahl an. Auf ihrer Website behauptet sie, an der Abstimmung hätten sich lediglich knapp zwölf Prozent der 53,9 Millionen Wahlberechtigten beteiligt.

Selbst bei vielen Sisi-Anhängern wird dieses Problem offenbar erkannt. "Mit diesem Ergebnis sind wir gespalten", sagt ein 27-Jähriger, der am Donnerstagmorgen auf dem Tahir-Platz feiert. "Wenn die Hälfte der Leute Sisi will, dann will die andere Hälfte ihn nicht. Was ist jetzt mit denen?"

stk/dpa/Reuters



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felisconcolor 29.05.2014
1. Ich werde das nie
Zitat von sysopAP/dpaEx-Feldmarschall Sisi ist offenbar mit großer Mehrheit zum ägyptischen Präsidenten gewahlt worden. Nach inoffiziellen Angaben erhält er mehr als 90 Prozent der Stimmen. Allerdings hat ein Großteil der Bevölkerung die Abstimmung boykottiert http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-wahlsieg-fuer-feldmarschall-abd-al-fattah-al-sisi-a-972361.html
verstehen. Ein Großteil der Bevölkerung hat die Wahlen boykottiert.... Ist genauso wie hier mit den Nichtwählern. Da ist man aufgefordert seine Meinung per Stimmzettel kund zu tun und hinterher jammern die am lautesten die eben nicht wählen waren. Verstehe einer die Menschen. Die Diktatur ist wohl doch die bessere Regierungsform. Da braucht keiner Nachdenken. Kopfschüttel
erasmus89 29.05.2014
2. Farce: Syrien vs. Ägypten
Hier wird wieder die eklatante Doppelmoral der westlichen Medien offenbart. Kein Ansatz von Kritik, keine Wertung, bei der Wahl-Farce in Syrien, schreibt man natürlich genüsslich von der Farce und vom bösen Assad. Dass Sisi wohl eine Mehrheit aber auch gewiss mit massiver Wahlfälschung dran kommt, ist doch klar ! Mubarak reloaded!
nageleisen 29.05.2014
3. Mr. 90% - Ein Freund der EU
Zitat von sysopAP/dpaEx-Feldmarschall Sisi ist offenbar mit großer Mehrheit zum ägyptischen Präsidenten gewahlt worden. Nach inoffiziellen Angaben erhält er mehr als 90 Prozent der Stimmen. Allerdings hat ein Großteil der Bevölkerung die Abstimmung boykottiert http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypten-wahlsieg-fuer-feldmarschall-abd-al-fattah-al-sisi-a-972361.html
Das ist ein Sieg für Freiheit und Demokratie. Die Moslembrüder werden zu Tausenden zu Tode verurteilt. Gab es Aufregung über die Todesurteile in der ach so moralischen Presse. Die Separatisten haben ein paar OSZE-Spione für ein paar Stunden festgehalten. Riesenaufregung in der gleichgeschalteten Presse. In Ägypten werden religiöse Konservative zum Tode verurteilt. Aufregung Fehlanzeige. Demokratie aus der EU Sicht soll nur dann zugelassen werden, wenn hinterher die Guten (aus EU-Sicht) gewählt werden. Ansonsten gibt es einen gutgeheißenen Putsch und Pseudowahlen. Aber es sind die guten 90%. Die 90% auf der Krim waren die bösen 90%. Al Sisi, ein Militarist als Freund der Menschenrechte und Pro-EU Demokratie. Kein Wunder, dass die unsere Journalisten vom Volk verhasst sind.
saiber 29.05.2014
4. Ein Großteil hat die Wahl boykottiert...
ja und? Heißt das dann, dass die Wahl nicht gilt? Bei uns gibt es auch etliche Nichtwähler oder Wahlboykottierer und trotzdem ziehen in den Bundestag Politiker ein, denen ich nicht mal die Hand geben würde. Diejenigen, die nicht zur Wahl gehen sind selber Schuld und dürfen sich nicht beschweren.
killi 29.05.2014
5. optional
Juhu, ein Putschist wurde mit klarer Mehrheit gewählt. Wenn das mal nicht nach Demokratie riecht!
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