Terror auf Sinai-Halbinsel: Ägyptens Armee startet Rachefeldzug gegen Attentäter

Der Konflikt zwischen Terroristen und der ägyptischen Armee auf der Halbinsel Sinai wird schärfer. Schon wieder haben mutmaßliche Islamisten Sicherheitskräfte attackiert. Die Armee schlägt mit Raketen und Hubschraubern zurück, 20 Menschen sollen getötet worden sein.

Arisch - Die Lage auf der Halbinsel Sinai spitzt sich zu: Wieder haben mutmaßliche militante Islamisten ägyptische Sicherheitskräfte beschossen, dieses Mal in Arisch im Norden. Die Streitkräfte verfolgten die Angreifer mit Kampfflugzeugen und schossen Raketen ab, wie ägyptische Medien berichteten. Auch Bodentruppen sollen im Einsatz sein.

Bis zu 20 Menschen sollen dabei in der Grenzregion zu Israel getötet worden sein, meldete die Nachrichtenagentur Reuters. Diese berief sich auf einen nicht namentlich genannten Armee-Kommandanten. Der Soldat sprach von 20 getöteten "Terroristen" im Dorf Tuma. "Wir haben die drei gepanzerten Fahrzeuge der Terroristen zerstört." Die Gefechte in dem Ort dauerten noch an. Dutzende Menschen sollen verletzt worden sein.

Es sei das erste Mal seit dem Krieg gegen Israel 1973 gewesen, dass die ägyptischen Streitkräfte in dem Gebiet Raketen eingesetzt hätten, berichtete die Nachrichtenagentur dapd.

Erst am Sonntag hatten unbekannte Bewaffnete auf der Halbinsel Sinai 16 ägyptische Soldaten in der Nähe des palästinensischen Gaza-Streifens getötet. Anschließend waren mehrere Angreifer mit einem erbeuteten gepanzerten Fahrzeug nach Israel eingedrungen, wo sie vom israelischen Militär getötet wurden. Hinter den Anschlägen werden militante Islamisten vermutet.

Der Vorfall belastete das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen Ägypten und Israel weiter. Jerusalem fordert von Kairo, die Grenze zum Gaza-Streifen energischer zu bewachen. Seit dem Sturz des Machthabers Husni Mubarak im vorigen Jahr klagt Israel über zu laxe ägyptische Sicherheitsvorkehrungen.

Beinahe zeitgleiche Attacke

Sicherheitskräfte berichteten, dieses Mal seien mehrere Kontrollpunkte der ägyptischen Armee und Polizei in Arisch beinahe zeitgleich aus vorbeifahrenden Autos beschossen worden. Auch eine von der Armee kontrollierte Fabrik wurde angegriffen. Mindestens ein Zivilist und ein Polizist seien dabei verletzt worden. Dapd meldete sechs Verletzte: ein Offizier, zwei Soldaten, zwei Polizisten und eine Zivilperson.

Nach Berichten von Augenzeugen hatten Bewaffnete in den Geländewagen, von denen die Kennzeichen entfernt worden waren, das Feuer aus automatischen Waffen eröffnet. Die Sicherheitskräfte schossen zurück, woraufhin die Angreifer mit hoher Geschwindigkeit davonfuhren.

USA wollen Terrorabwehr mit Ägypten ausbauen

Der islamistische Staatspräsident Mohammed Mursi blieb am Dienstag dem Staatsbegräbnis der getöteten ägyptischen Soldaten fern - aus Sicherheitsgründen, wie es hieß. Ministerpräsident Hischam Kandil wurde von einem aufgebrachten Mob an der Teilnahme gehindert.

Die USA kündigten eine engere Zusammenarbeit mit Kairo bei der Terrorabwehr an. In einem Telefonat mit dem ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil sicherte Außenministerin Hillary Clinton die Unterstützung der USA zu, die Sicherheitslage zu verbessern. Gewaltsamer Extremismus stelle eine Gefahr für Ägypten, die Nachbarn Ägyptens und auch für Amerikaner dar, sagte Außenamtssprecher Patrick Ventrell. Die USA seien der Sicherheit Israels verpflichtet.

heb/Reuters/dpa/dapd

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1. Nahost Chaos
homerlein 08.08.2012
Zitat von sysopAPDer Konflikt zwischen Terroristen und der ägyptischen Armee auf der Halbinsel Sinai wird schärfer und blutiger. Schon wieder haben Islamisten Kontrollposten an der Grenze attackiert. Die Armee schlägt mit Raketen und Hubschraubern zurück, 20 Menschen sollen getötet worden sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,848804,00.html
Langsam blicke ich da nicht mehr durch: wer, für was kämpft. Wenn man sich für Terror als Mittel zum Zweck entscheidet, sollte man es wenigstens so einsetzen, um seine Ziele zu erreichen. Seit wie viele Jahre wird dort gekämpft, keiner hat irgendwas erreicht (außer Israel - die haben überlebt). Und solche Aktionen ändern aber wirklich nichts. So eine Verschwendung....
2.
Noctim 08.08.2012
Das liegt daran, dass im Nahen Osten immernoch die Stämme und Religionsströmungen Priorität (und Authorität) vorm Staat haben und dass ein Großteil der Länder künstlich erschaffen wurden, im Zuge der Kolonialpolitik. Das ist so, als ob man Deutschlands und Frankreichs "natürliche" Grenzen aufheben und willkürlich neu unterteilen würde. Leider können die Menschen heute noch nocht über so etwas nicht hinwegblicken. Zu sehr denken wir noch "wir" und "die". Aber die Globalisierung hat ja erst begonnen ;-)
3. Frage nach dem Warum
jan.lolling 08.08.2012
Überall auf der Welt werden Moslem zu Gewaltaktionen gebracht/missbraucht. Für mich steckt da schon fast Methode dahinter. Wieso geht keiner so wenig wahrnehmbar gegen die geistigen Brandstifter vor? Offensichtlich haben Imame im Islam einen extrem viel stärkeren Einfluß auf ihre "Schäfchen" als es anderen Religionen vermögen (Ich wette der Papst schielt da leicht neidisch!). Die Führer dieser Religion sind für mich die wahren Brandstifter und sollten zur Rechenschaft gezogen werden für jedes Attentat was einer ihrer angeblich verirrten Anhänger so vollbringt.
4. Klan-Gesellschaft und Kalifat
Leserbrief 08.08.2012
Zitat von homerleinLangsam blicke ich da nicht mehr durch: wer, für was kämpft. Wenn man sich für Terror als Mittel zum Zweck entscheidet, sollte man es wenigstens so einsetzen, um seine Ziele zu erreichen. Seit wie viele Jahre wird dort gekämpft, keiner hat irgendwas erreicht (außer Israel - die haben überlebt). Und solche Aktionen ändern aber wirklich nichts. So eine Verschwendung....
Was ist denn kompliziert ? Es handelt sich um Klan-Konflikte in der arabischen Gesellschaft und imperiale Anstrengungen im Mantel der Religion - z.B. ein Kalifat möglichst bis Andalusien und auf den Balearen ("Sharia auf Mallorca" sozusagen). Denn auch dieser Boden wurde vor knapp 1000 Jahren von Ungläubigen besetzt - genauso wie Israel auf einem Boden, der muslimisch deklariert wurde, von einem "echtem Moslem" niemals akzeptiert werden kann.
5.
Kokeldil 08.08.2012
Zitat von jan.lollingÜberall auf der Welt werden Moslem zu Gewaltaktionen gebracht/missbraucht. Für mich steckt da schon fast Methode dahinter. Wieso geht keiner so wenig wahrnehmbar gegen die geistigen Brandstifter vor? Offensichtlich haben Imame im Islam einen extrem viel stärkeren Einfluß auf ihre "Schäfchen" als es anderen Religionen vermögen (Ich wette der Papst schielt da leicht neidisch!). Die Führer dieser Religion sind für mich die wahren Brandstifter und sollten zur Rechenschaft gezogen werden für jedes Attentat was einer ihrer angeblich verirrten Anhänger so vollbringt.
Sicher sind die Imame mitverantwortlich, Ihnen allerdings die alleinige Schuld zu geben ist wohl Humbug - irgendwo braucht es auch einen fruchtbaren Boden auf dem eine Religion oder Ideologie (Islam wohl beides?) so derart pervertieren und gedeihen kann - ich persönlich glaube ja immer noch, dass die meisten Probleme dieser Welt wohl auf zu viele Mägen und zu viele leere Bäuche zurückzuführen sind. Besser wird´s kaum werden. Klingt fatalistisch? Ist auch so gemeint.
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