Kairo - Im Prozess gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak hat die Staatsanwaltschaft ihr Plädoyer gehalten und darin die Höchststrafe gefordert: Tod durch den Strang. Laut Gesetz stehe auf Mord die Todesstrafe, sagte Ankläger Mustafa Suleiman am Donnerstag in Kairo. Zuvor hatte er erklärt, es lägen handfeste Beweise dafür vor, dass der "tyrannische Führer" Mubarak für tödliche Schüsse auf Demonstranten während des Umsturzes im vergangenen Jahr verantwortlich sei.
Mubarak habe nichts unternommen, um die Gewalt zu stoppen, über die er informiert gewesen sei, sagte Chefankläger Suleiman. Mubaraks früherer Sicherheitschef und Mitangeklagter Habib al-Adli habe auf Anordnung des Machthabers den Einsatz von scharfer Munition gegen Demonstranten genehmigt. Beiden droht im Fall eines Schuldspruchs wegen Mittäterschaft bei der Tötung von mehr als 800 Menschen auf dem Kairoer Tahrir-Platz die Todesstrafe.
Wenn es nach dem Staatsanwalt geht, sollen auch Ex-Innenminister Habib al-Adli und vier hochrangige Polizeioffiziere zum Tod durch den Strang verurteilt werden. Mubaraks Söhnen Alaa und Gamal, denen unter anderem Korruption vorgeworfen wird, drohen in dem Verfahren Haftstrafen von 15 bis 25 Jahren.
Im Gerichtssaal, untergebracht in einer Polizeiakademie am Stadtrand von Kairo, wurden Mittwoch Videos von den Anti-Mubarak-Protesten im Januar letzten Jahres gezeigt. Auf den Bildern war zu sehen, wie Polizisten vom Dach des Innenministeriums aus auf Demonstranten nahe des Tahrir-Platzes schossen. "Es war wie ein militärisches Gefecht", sagte Suleiman unter Applaus der Angehörigen der Opfer und ihrer Anwälte.
In dem Prozess traten mehrere Polizisten als Zeugen auf, nach deren Aussagen es keinen direkten Schießbefehl von der Staatsspitze gab. Mubaraks faktischer Nachfolger, Militärratschef Hussein Tantawi, wurde im September unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört.
Das Verfahren gegen Mubarak, der am 11. Februar 2011 nach drei Jahrzehnten an der Macht aufgrund heftiger Proteste sein Amt aufgeben musste, hatte am 3. August begonnen. Mubarak werden die Anordnung von Gewalt gegen Regierungsgegner sowie Korruption und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Mit dem Urteil wird in spätestens einem Monat gerechnet.
Die Angeklagten plädieren auf nicht schuldig. Mubarak hatte an allen Anhörungen auf einer Krankentrage teilgenommen. In dem Verfahren stehen auch Mubaraks Söhne Gamal und Alaa vor Gericht. Sie müssen sich wegen mutmaßlicher Korruption verantworten.
ler/fab/Reuters/dapd/dpa
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