Ägyptens Ex-Präsident in Haft: Mubarak könnte Todesstrafe drohen

Zeitungen in Ägypten berichten, dem gestürzten Staatschef Husni Mubarak könnte der Tod durch Hängen drohen - sollte er wegen vorsätzlichen Tötens Hunderter Demonstranten für schuldig gesprochen werden. Ein führendes Ex-Kabinettsmitglied belastet Mubarak zudem schwer. 

Früherer ägyptischer Präsident Mubarak (Archivbild von 2007): Herzinfarkt beim Verhör Zur Großansicht
AP

Früherer ägyptischer Präsident Mubarak (Archivbild von 2007): Herzinfarkt beim Verhör

Kairo - Dem gestürzten ägyptischen Staatschef Husni Mubarak droht Medienberichten zufolge möglicherweise die Todesstrafe. Wenn die Justiz des Landes ihn der tödlichen Gewalt gegen Demonstranten zu Jahresbeginn für schuldig befinde, könne er gehängt werden, berichtete die amtliche Tageszeitung "El Ahram" am Freitag unter Berufung auf ein Gericht in der Hauptstadt Kairo.

Dessen Präsident Sakaria Schalasch sagte der Zeitung zudem, Mubaraks früherer Innenminister Habib al-Adli habe ausgesagt, den Befehl zur gewaltsamen Auflösung der Massenproteste direkt vom Präsidenten erhalten zu haben.

Für den Fall, dass die Justiz Mubarak keinen Vorsatz nachweisen könne, rechne er mit einer lebenslangen Haftstrafe, fügte Schalasch hinzu. Sollte ihm lediglich die Verletzung, nicht aber die Tötung von Demonstranten angelastet werden können, sei eine drei- bis fünfjährige Haftstrafe zu erwarten.

Das ägyptische Staatsfernsehen berichtete unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft, die Ermittlungen gegen Mubarak würden mindestens sechs Monate dauern. Schalasch schätzte, dass der Prozess gegen ihn mehr als ein Jahr dauern werde.

Verlegung in Militärklinik?

Bei den Massenprotesten, die am 11. Februar zum Sturz des Präsidenten führten, kamen nach offiziellen Angaben rund 800 Menschen ums Leben. Im Zuge der Ermittlungen wegen des gewaltsamen Vorgehens von Sicherheitskräften gegen Demonstranten wurden Mubarak und seine Söhne Gamal und Alaa am Mittwoch für 15 Tage in Untersuchungshaft genommen. Tags zuvor hatte Mubarak bei einem Verhör einen Herzinfarkt erlitten.

Der 82-Jährige hält sich seither zusammen mit seiner Frau Suzanne in einem Zivilkrankenhaus in Scharm al-Scheich auf. Gamal und Alaa wurden in ein Militärgefängnis in Kairo gebracht.

Am Freitag ordnete der ägyptische Generalstaatsanwalt Abdel Megid Mahmud der staatlichen Nachrichtenagentur Mena zufolge an, Mubarak in ein Militärkrankenhaus zu verlegen. Demnach soll er in die Klinik der Kairoer Haftanstalt, in der sich seine Söhne befinden, gebracht werden, sobald sein Gesundheitszustand dies erlaubt.

Aus Polizeikreisen verlautete jedoch, dass die Ausstattung des dortigen Krankenhauses nicht ausreichend sei. Wahrscheinlich werde Mubarak daher in eine internationale Klinik in der Nähe der Hauptstadt verlegt.

amz/AFP

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Ex-Staatschef Mubarak: Ein Milliardär tritt ab

Fläche: 1.002.000 km²

Bevölkerung: 81,121 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abd al-Fattah al-Sisi

Regierungschef: Ibrahim Mahlab

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