Ägyptens Ex-Präsident: Mubarak leidet angeblich an Depressionen

Husni Mubarak braucht seinem Arzt zufolge psychologische Betreuung. Sein Herz hätte sich zwar stabilisiert, doch sei der ehemalige ägyptische Präsident mental schwer angeschlagen. Gegen den 83-Jährigen wird derzeit ermittelt - wenn seine Gesundheit es zuließe, müsste er in Untersuchungshaft.

Husni Mubarak (Archivbild): Psychisch schwer angeschlagen? Zur Großansicht
REUTERS

Husni Mubarak (Archivbild): Psychisch schwer angeschlagen?

Kairo - Husni Mubarak und seine Frau Suzanne werden derzeit beide wegen Herzproblemen in einem Krankenhaus im ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich behandelt. Der Gesundheitszustand des in dem Krankenhaus unter Arrest stehenden ehemaligen Machthabers Mubarak habe sich "stabilisiert", doch sei er psychisch schwer angeschlagen, sagte sein Arzt am Samstag.

Dem Mediziner zufolge leidet der 83-Jährige unter Depressionen und braucht psychologische Betreuung. Im Auftrag der Regierung soll eine Gruppe von Kardiologen demnächst Mubaraks Zustand prüfen. Sollte seine Gesundheit es zulassen, wird er nach Angaben der regierenden Militärs bis zu seinem Prozess in ein Gefängnis verlegt. Seine Söhne Gamal und Alaa sitzen bereits unter Korruptionsverdacht in einem Gefängnis in Kairo in Untersuchungshaft.

Mubarak war am 11. Februar nach einem 18-tägigen Volksaufstand zum Rücktritt gezwungen worden. Gegen ihn wird seitdem wegen Korruption sowie wegen der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste ermittelt. Die Anti-Korruptionsbehörde Ägyptens hatte kürzlich den Haftbefehl gegen Suzanne Mubarak, 70, wieder aufgehoben. Die Frau des gestürzten Präsidenten habe ihr Vermögen dem Staat überschrieben, bestätigten Justizkreise. Der Wert des Besitzes wurde mit umgerechnet knapp 2,9 Millionen Euro angegeben.

Höchste islamische Autorität: "Mubarak ist ein alter und kranker Mann"

Die höchste islamische Autorität des Landes sprach sich unterdessen für einen nachsichtigen Umgang mit dem gestürzten Staatschef aus. Mubarak habe lange Zeit viel für Ägypten getan und sei heute ein alter und kranker Mann, sagte Scheich Ahmed al-Tajjib, das Oberhaupt des Al-Azhar Islam-Instituts in Kairo, der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (F.A.S.). "Man sollte Gnade vor Recht walten lassen", fügte er hinzu.

Al-Azhar gilt als die wichtigste Institution des sunnitischen Islam weltweit. Während der Massenproteste hatte sich ihr Oberhaupt mit öffentlichen Äußerungen zurückgehalten. Die Demonstranten warfen ihm deshalb vor, dem alten Regime zu nahe gestanden zu haben. Tatsächlich ist Al-Tajjib die erste einflussreiche Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, die sich für eine Amnestie Mubaraks einsetzt.

Auch andere ehemalige ägyptische Politiker stehen derzeit vor Gericht. Nach einem handfesten Skandal musste am Samstag der Prozess gegen den ehemaligen Innenminister Habib al-Adli vertagt werden. Im Gerichtssaal war es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen, als Polizisten und Zivilisten mit ihren Körpern die insgesamt sieben Angeklagten in ihrem Gitterkäfig vor den Blicken der Zuschauer abschirmten. Angehörige der Opfer der Polizeigewalt während der Massenproteste im Januar und Februar empörten sich darüber. Der Richter vertagte den Prozess daraufhin auf den 26. Juni.

Al-Adli und die anderen sechs ehemaligen hohen Beamten aus dem Innenministerium werden in dem vor einem Monat eröffneten Verfahren beschuldigt, Schießbefehle gegen unbewaffnete Demonstranten erteilt zu haben. Bei den Protesten, die zum Sturz Mubaraks geführt hatten, wurden mehr als 840 Menschen von Polizisten, Geheimdienstlern und bewaffneten Regime-Anhängern getötet. Mehr als 6000 Menschen erlitten Verletzungen.

lgr/dpa/AFP

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1. [{-_-}] ZZZzz zz z...
Schah.Wenzel 21.05.2011
Zitat von sysopHusni Mubarak braucht seinem Arzt zufolge psychologische Betreuung. Sein Herz hätte sich zwar stabilisiert, doch sei der ehemalige ägyptische Präsident mental schwer angeschlagen. Gegen den 83-Jährigen wird derzeit ermittelt - wenn seine Gesundheit es zuließe, müsste er in Untersuchungshaft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764098,00.html
Ein gelungenes Zusammenspiel von Artikelüberschrift und Bild.
2. Was?
rabenkrähe 21.05.2011
Zitat von sysopHusni Mubarak braucht seinem Arzt zufolge psychologische Betreuung. Sein Herz hätte sich zwar stabilisiert, doch sei der ehemalige ägyptische Präsident mental schwer angeschlagen. Gegen den 83-Jährigen wird derzeit ermittelt - wenn seine Gesundheit es zuließe, müsste er in Untersuchungshaft. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,764098,00.html
..... Was ist daran jetzt bemerkenswert. Mubarak war nicht nur Despot, sondern er hat sich über seine Rolle auch definiert und Anerkennung namentlich von den westlichen Ländern erfahren. Da soll jemand im letzten Lebensabschnitt wohl schwermütig werden, wenn ihm Aufgaben und Standard genommen und er plötzlich auch noch als Schurke gehandelt wird. rabenkrähe
3. So what..?
der_Pixelschubser 21.05.2011
Mal ganz ehrlich - was geht es uns an, ob Mubarak nun an Depressionen leidet oder nicht? Man mag von dem Mann halten was man will, das steht auch grad nicht zur Debatte - aber an diesem Punkt habe ich Mitleid mit ihm.
4. Kein Wunder
avollmer 21.05.2011
Job verloren, Ehefrau verarmt, Kinder ohne Berufsperspektiven, Steuerfahndung hinter ihm her, keiner hat ihn lieb, das drückt doch aufs Gemüt. Dann sein Alter, möglicherweise hat er die typischen Männerbeschwerden und man hat ihm das Sildenafil gesperrt und Antidepressiva wirken nicht mehr weil er schon längere zeit MAO-Inhibitoren bekommt.
5. Der Ärmste!
vantast64 22.05.2011
Vielleicht würde es ihm besser gehen, wenn er an die vielen Gefolterten und Ermordeten dächte, die er zu verantworten hat, und was die auszuhalten hatten.
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