Ägyptens Regimegegner Ghonim "Ich bin bereit zu sterben"

Hunderttausende Ägypter wollen am Freitag erneut in Kairo den Rücktritt von Präsident Mubarak fordern. Der freigekommene Google-Mitarbeiter Ghonim will für den Kampf gegen das Regime notfalls auch sein Leben opfern: "Ich bin bereit zu sterben", sagte er unter Tränen.

Wael Ghonim im CNN-Interview: "Wir werden unser Land zurückerobern"
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Wael Ghonim im CNN-Interview: "Wir werden unser Land zurückerobern"


Washington - Blaue Jeans, rotes Polo-Shirt, entspannt sitzt Wael Ghonim seinem Interviewpartner gegenüber, der US-Fernsehsender CNN zeigt das Gespräch auf seiner Internetseite. Ob er zusammen mit den anderen Regimegegnern eine Revolution geplant habe? "Ja", sagt Ghonim, "das haben wir", sagt der Google-Mitarbeiter, der zwölf Tage lang in Haft saß. Es sei das Ziel gewesen, die Massen auf die Straße zu holen, um gegen Ägyptens Präsident Husni Mubarak zu protestieren.

Ghonim spricht in dem CNN-Interview zunächst entspannt und locker. Bis es um die Menschen geht, die bei den Protesten ums Leben kamen - Anhänger von Mubarak hatten das Feuer auf Oppositionsanhänger eröffnet. Ghonim bricht in Tränen aus. Die Leute hätten einfach auf die Demonstranten geschossen. "Das ist ein Verbrechen", sagt Ghonim. Mubarak müsse sofort zurücktreten. Dann holt Ghonim zu einem leidenschaftlichen Plädoyer gegen das Regime aus. Seine Botschaft: Er wolle auch nach seiner Haftentlassung weiter für den Machtwechsel kämpfen.

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Mahnwache in Kairo: Ägypten zwischen Trauer, Wut und Hoffnung
Notfalls will er den Kampf für ein demokratisches Ägypten sogar mit dem Leben bezahlen: "Ich sage Ihnen, ich bin bereit zu sterben", sagt Ghonim in dem Gespräch am Mittwoch. Er habe zwar viel zu verlieren in seinem Leben. "Ich arbeite für den besten Konzern, für den man arbeiten kann. Ich habe die beste Frau, ich liebe meine Kinder", sagt Ghonim, der Google-Marketingchef für den Nahen Osten und Afrika ist. "Aber ich bin bereit, das alles aufzugeben, damit mein Traum in Erfüllung geht."

An die Adresse des ägyptischen Vize-Präsidenten Omar Suleiman sagt der Aktivist, niemand werde die Regierungsgegner aufhalten. "Entführt mich. Entführt alle meine Kollegen. Steckt uns ins Gefängnis. Tötet uns. Macht, was immer ihr wollt - wir werden unser Land zurückerobern." 30 Jahre lang habe das Mubarak-Regime das Land ruiniert. "Genug, genug, genug", sagt Ghonim.

Am Dienstag hatten Zehntausende Demonstranten in Ägyptens Hauptstadt Kairo den 30-Jährigen gefeiert, als der freigelassene Google-Mitarbeiter auf den zentralen Tahrir-Platz kam, um die Regimegegner zu einer Fortsetzung der Proteste gegen den verhassten Präsidenten zu ermuntern. Zwölf Tage lang hatte Ghonim in Haft gesessen, das ägyptische Regime hatte bei den Demonstrationen gegen Mubarak Hunderte Protestierende festnehmen lassen.

Die Massenproteste gegen Mubarak gingen auch am Donnerstag weiter. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo verbrachten Tausende Menschen die Nacht, berichteten Augenzeugen am Morgen. Hunderte campierten auch vor dem nahegelegenen Parlament auf der Straße. Für Freitag ist in Kairo erneut eine Großdemonstration gegen Mubarak geplant.

Zunehmend kommt es auch zu Streiks. Die daran teilnehmenden Arbeiter verknüpfen ihre Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen mit der nach einem Rücktritt Mubaraks.

Ägyptens Außenminister Ahmed Abdul Gheit hatte zuletzt eine Warnung an die Demonstranten ausgesprochen: Sollten die Proteste gegen Mubarak eskalieren, werde die Armee einschreiten, sagte Gheit laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mena in einem Interview mit dem arabischen TV-Sender Al Arabija.

Die USA kritisierten das Reformtempo der ägyptischen Führung als zu langsam. Die bisher eingeleiteten Schritte erfüllten nicht die "Minimalforderungen" des ägyptischen Volkes, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, am Mittwoch in Washington. Gibbs fügte hinzu, auch die vom ägyptischen Vizepräsidenten Omar Suleiman unternommenen Schritte, um den Dialog mit der Opposition zu beginnen, entsprächen nicht dem, was das Volk erwarte. Hier müsse "mehr getan werden". Zugleich bekräftigte der Präsidentensprecher, dass die USA nicht die künftigen politischen Reformen in Ägypten diktieren könnten. Das US-Außenministerium forderte die Armee erneut auf, den Zehntausenden Demonstranten gegenüber weiterhin die "Zurückhaltung" zu üben, die sie bisher an den Tag gelegt habe.

hen/AFP/dpa

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Seite 1
frubi 10.02.2011
1. .
Zitat von sysopHunderttausende Ägypter wollen am Freitag erneut in Kairo den Rücktritt von Präsident Mubarak fordern. Der freigekommene Google-Mitarbeiter Ghonim*will für den Kampf gegen das Regime notfalls auch sein Leben opfern: "Ich bin bereit zu sterben", sagte er unter Tränen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744697,00.html
Ich glaube, dass es diese Entschlossenheit braucht um ein solch starkes Regime zu stürzen. Es ist zwar schade und traurig aber die Profiteure des Regimes werden ihre Macht nicht so einfach abgeben. Die Medien sollten aber auch am Ball bleiben. Aus Tunesien habe ich seit Wochen aus deutschen Medien nichts gehört. Wo sind eure Reporter? Wieso muss man ausländische Medien konsumieren? Wir beschäftigen uns eher mit H4-Diskussions-Runden von denen man schon vorher weis, dass diese negativ enden werden. Schielende Rattenviecher kriegen hier mehr Aufmerksamkeit. Das kann nicht sein.
panzeraufklärungstruppe, 10.02.2011
2. Interessiert mich nicht die Bohne
Zitat von frubiIch glaube, dass es diese Entschlossenheit braucht um ein solch starkes Regime zu stürzen. Es ist zwar schade und traurig aber die Profiteure des Regimes werden ihre Macht nicht so einfach abgeben. Die Medien sollten aber auch am Ball bleiben. Aus Tunesien habe ich seit Wochen aus deutschen Medien nichts gehört. Wo sind eure Reporter? Wieso muss man ausländische Medien konsumieren? Wir beschäftigen uns eher mit H4-Diskussions-Runden von denen man schon vorher weis, dass diese negativ enden werden. Schielende Rattenviecher kriegen hier mehr Aufmerksamkeit. Das kann nicht sein.
Doch das kann sein! Was interessiert mich Tunesien oder Ägypten. Bedenkent man das sich in Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Italien sich nichts ändert, wie soll sich dann etwas in Ländern wie Tunesien oder Ägypten ändern?
jaein 10.02.2011
3. was ist schon auf dauer wichtig
Zitat von frubiIch glaube, dass es diese Entschlossenheit braucht um ein solch starkes Regime zu stürzen. Es ist zwar schade und traurig aber die Profiteure des Regimes werden ihre Macht nicht so einfach abgeben. Die Medien sollten aber auch am Ball bleiben. Aus Tunesien habe ich seit Wochen aus deutschen Medien nichts gehört. Wo sind eure Reporter? Wieso muss man ausländische Medien konsumieren? Wir beschäftigen uns eher mit H4-Diskussions-Runden von denen man schon vorher weis, dass diese negativ enden werden. Schielende Rattenviecher kriegen hier mehr Aufmerksamkeit. Das kann nicht sein.
wissen sie, wie viele menschen jedes jahr in mexiko im drogenkrieg sterben? mehr tote als in agypten oder tunesien zusammen, bei weitem. so ist das halt mit alten nachrichten...auch wenn sie, ich vermute sie sind moslem, dass aus persönlichen gründen anders sehen...
kyon 10.02.2011
4. Vorsicht geboten
Zitat von sysopHunderttausende Ägypter wollen am Freitag erneut in Kairo den Rücktritt von Präsident Mubarak fordern. Der freigekommene Google-Mitarbeiter Ghonim*will für den Kampf gegen das Regime notfalls auch sein Leben opfern: "Ich bin bereit zu sterben", sagte er unter Tränen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744697,00.html
Herr Ghonim sollte beim Einsatz seines Lebens sehr vorsichtig sein. Es könnte passieren, dass er sich beim Betrachten des Revolutionsergebnisses im Grabe umdrehen müßte.
irgendwer_bln 10.02.2011
5. politisch vorgeschriebenes Interesse
Zitat von frubiIch glaube, dass es diese Entschlossenheit braucht um ein solch starkes Regime zu stürzen. Es ist zwar schade und traurig aber die Profiteure des Regimes werden ihre Macht nicht so einfach abgeben. Die Medien sollten aber auch am Ball bleiben. Aus Tunesien habe ich seit Wochen aus deutschen Medien nichts gehört. Wo sind eure Reporter? Wieso muss man ausländische Medien konsumieren? Wir beschäftigen uns eher mit H4-Diskussions-Runden von denen man schon vorher weis, dass diese negativ enden werden. Schielende Rattenviecher kriegen hier mehr Aufmerksamkeit. Das kann nicht sein.
Ich muss frubi zustimmen. Während im Orient die Post abgeht, muss ich hier lesen, welche Spielchen die Opposition nun wieder gg. die Regierung ausgehekt hat. Das interessiert niemanden mehr! Aber Marokko, Algerien, Tunesien, Lybien, Jordanien, Jemen, Syrien, Oman, Kuweit, Saudi-Arabien machen Schlagzeilen, welche in die Geschichte eingehen werden. Wieso kommen in Deutschland eigentlich nur Nachrichten groß raus, welche in politisch zugeneigten Ländern geschehen? Ich wünsche mir eine Berichterstattung, welche die Unruhen und politischen Umstürze im GANZEN Orient dokumentiert. An die Arbeit meine Damen und Herren!
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