Kairo - Die Ägypter sollen über die neue Verfassung, die der Scharia und den islamischen Rechtsgelehrten ein stärkeres Gewicht verleiht, in zwei Wochen, abstimmen. Das Votum soll am 15. Dezember stattfinden, wie Präsident Mohammed Mursi am Samstagabend bekanntgab. Eine Mehrheit für den im Land umstrittenen Entwurf gilt als sicher.
"Wir hoffen, eine neue Ära in der Geschichte Ägyptens zu beginnen, eine glänzende Zukunft für unser Volk", sagte Mursi. "Heute haben wir einen weiteren Schritt getan, um die Revolution zu vollenden." Der ägyptische Oppositionelle Mohammed ElBaradei sagte, auch nach dem Referendum, würde der Kampf weitergehen. "Mursi hat einen Verfassungsentwurf zur Abstimmung gestellt, mit dem Grundfreiheiten untergraben und universelle Werte verletzt werden."
Die Islamisten, die am Samstag zu Zehntausenden auf die Straße gingen, forderten einen größeren Einfluss des islamischen Rechts auf den Alltag in Ägypten. "Säubere das Land - und wir sind mit Dir, unser Führer" oder "Der Koran ist unsere Verfassung", lauteten einige ihrer Parolen.
Nach Angaben der Muslimbruderschaft, aus deren Reihen Mursi kommt, hatten 23 Parteien und Bewegungen zur Teilnahme an der Kundgebung aufgerufen, darunter auch radikal-islamische Salafisten.
Ägypten ist über den Streit um die neue Verfassung und den autoritären Führungsstil des Präsidenten zutiefst gespalten. Die Krise verschärfte sich, als die Islamisten in der Nacht zu Freitag ihren umstrittenen Verfassungsentwurf ohne Mitsprache der liberalen, säkularen und christlichen Vertreter durchsetzten. Kritiker befürchten eine strengere Auslegung der Scharia, die weiterhin wichtigste Quelle der Gesetzgebung bleibt.
Gegner von Präsident Mursi setzten auch am Samstag ihren Protest auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo fort. In der Hafenstadt Alexandria kam es nach Angaben der ägyptischen Tageszeitung "Al-Masry Al-Youm" zu Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis.
Die Muslimbrüder erklärten über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass nun die Zeit sei, das Volk an der Wahlurne entscheiden zu lassen, in welche Richtung das Land gehen solle.
kha/dpa/AFP
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