Spott im Netz Power Rangers sollen Kairo schützen

Ägyptens Armee inszeniert sich als Garant der Sicherheit und lässt ihre besten Männer aufmarschieren. Auf Facebook veröffentlicht sie Fotos dazu, mit sonderbaren roten Figuren. Wer sind die mysteriösen Krieger im Superhelden-Outfit?

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Screenshot von der Facebook-Seite der ägyptischen Armee

Screenshot von der Facebook-Seite der ägyptischen Armee


Kairo - Es ist nicht mehr so leicht, bei Neuigkeiten aus Ägypten zwischen Wahrheit und Satire zu unterscheiden. Derzeit erhebt die ägyptische Staatsanwaltschaft Anklage gegen die beliebte Stoffpuppe "Abla Fahita" wegen Terrorverdachts. Und nun schickt Ägyptens Armee offenbar ihre besten Männer in den Kampf gegen den Terrorismus: die Power Rangers, Superhelden aus einer Kinderserie.

Am Freitag hat Ägyptens Armeesprecher auf seiner offiziellen Facebook-Seite neue Fotos veröffentlicht, von denen zwei für Verwunderung sorgen: Sie zeigen zwischen den tarnfarbenen Soldaten 20 Männer in dicken knallroten Schutzanzügen. Die Männer in Rot wirken ein wenig unbeweglich, ihre Uniform umhüllt sie wie ein Panzer, lässt sie wie Muskelprotze aussehen. Ihre Arme halten sie leicht angewinkelt seitlich am Körper wie Actionfiguren im Kinderzimmer.

Wer sind die roten Männer? Ägyptens Armeeführung glaubt offenbar, dass die Fotos keine Erklärung brauchen. Unter jedem der 20 Bilder steht immer nur dieselbe Beschreibung: Die Armee bereitet sich darauf vor, die Sicherheit beim kommenden Verfassungsreferendum zu gewährleisten.

"Sind das die Ninjas, Iron Man, die Power Rangers?"

Ägyptens Netzgemeinde ist in Aufruhr. "Wer sind die in den roten Anzügen? Sind das die Ninjas?", spottet gleich der erste Kommentar unter dem Foto. "Das ist Iron Man!", schreibt ein zweiter.

Ägyptens Armee liebt heroische Inszenierungen. Sie stellt sich als Garant von Sicherheit und Ordnung dar. Besonders Armeechef Abd al-Fattah al-Sisi wird von den ägyptischen Medien geradezu als Übermensch dargestellt, männlich, mutig, stark, unfehlbar, unübertrefflich.

Derart absurd sind manchmal die Beschreibungen, dass ihn Spötter schon als Ägyptens Chuck Norris bezeichnen - mit den entsprechenden Witzen wie: "Das einzige Mal, als Sisi einen Fehler gemacht hat, war, als er dachte, dass er einen Fehler gemacht hat."

Vor der Abstimmung wird neue Gewalt befürchtet

Die Sorge um die Sicherheit ist berechtigt. Ägypten ist weiterhin zutiefst gespalten. Immer wieder kommt es zu Anschlägen. Kommende Woche soll am 14. und 15. Januar in einer Volksabstimmung eine neue Verfassung abgesegnet werden.

Doch im Namen des Kampfes gegen den Terrorismus scheint Kairo alles recht. Kritische Stimmen werden ausgeschaltet, egal ob von islamistischer oder säkularer Seite. Immer absurdere Vorwürfe werden gegen Kritiker vorgebracht.

Man ist inzwischen viel von offizieller Seite gewöhnt. Das erklärt auch den Spott einiger Ägypter im Netz. Inzwischen dürfte es sie wohl auch nicht überraschen, wenn die Armee als nächstes tatsächlich behauptet, Superhelden in ihren Reihen zu haben.

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
johnnyrees 11.01.2014
1.
Haha das erinnert mich an die 90er, als im Jugoslawienkrieg auf serbischer Seite während eines Interviews im TV ein Herr auftrat: rotes Stirnband, oberkörperfrei, anabolikageschwängert, Tarnhose, Kampfstiefel und MG (nicht Sturmgewehr!) im Anschlag. An wen erinnert das bloß?
mosesham 11.01.2014
2. Abgesehen davon...
... mittlerweile denke ich alles hätte beim alten bleiben sollen. Mubarak in Ägypten. M. al Gaddafi in Libyen. Kein Bürgerkrieg in Syrien. 0 Revolution. So viele Menschen sind Tod, der Nahe Osten versinkt im Chaos. Man hätte stärker die Demokratischen und Säkularen Kräfte unterstützen sollen in diesen Ländern... Doch wie soll man jetzt noch Freund vom Feind unterscheiden wenn Brüder sich schon gegenseitig erschießen, woher sie die Waffen auch haben. Fur Demokratie zu kämpfen bedeutet, sich nicht das Maschinengewehr um den Hals zu hängen. Ich wünsche mir das Jahr 2010. Da war das Leid noch "erträglich" für mein Herz, für mein persönliches Empfinden und für die Mütter die ihre Söhne im Chaos verloren haben.
asunceno 11.01.2014
3. Eine gewisse Neigung zum Infantilen
Spielkram! Das sind kleine Kinder, die gerne ihre Phantasie an der Bevölkerung ausleben. Frei nach dem Motto "Kinder an die Macht"...
Beat Adler 11.01.2014
4. Ein erstaunlich moderner Verfassungsentwurf steht zur Abstimmung.
Zitat von sysopÄgyptens Armee inszeniert sich als Garant der Sicherheit und lässt ihre besten Männer aufmarschieren. Auf Facebook veröffentlicht sie Fotos dazu, mit sonderbaren roten Figuren. Wer sind die mysteriösen Krieger im Superhelden-Outfit? http://www.spiegel.de/politik/ausland/aegypter-spotten-im-netz-ueber-power-ranger-der-armee-a-942907.html
Ein erstaunlich moderner Verfassungsentwurf steht zur Abstimmung. http://www.atlanticcouncil.org/images/publications/20131206EgyptConstitution_Dec.pdf.pdf Artikel 2, 3, 5, 9, 10 und 11, aber auch 226, 234, 235, sind interessant. Natuerlich hilft das Lesen des ganzen Textes weiter. Aegypten baut eine moderne Demokratie unter der Sharia als Grundlage der Rechtsprechung. Da ALLE Menschenrechte im Verfassungsentwurf garantiert werden, ist damit die Sharia in Reinform, so wie in Saudi Arabien, Iran und Afghanistan praktiziert, eingeschraenkt. Es ist den Menschen in Aegypten zu wuenschen, dass die neue Verfassung zu einer rechtsstaatlichen Demokratie fuehrt. Und nicht mit Fuessen getreten wird, so wie anderswo;-) Leider ist fuer die Validierung der Volksabstimmung ueber die neue Verfassung kein Quorum vorgesehen. Das letzte Mal bekam die islamisierte “Muris” Version bei einer Stimmbeteiligung von weniger wie einem Drittel weniger wie zwei Drittel Zustimmung. Das ist zuwenig. Wenn es bei der erneuten Abstimmung am 14. Und 15. Januar 2014 wieder so sein wird, hilft das Aegypten nicht bei einem Neustart Richtung rechtsstaatlicher Demokratie. Das Quorum bei der Stimmbeteiligung ueber einen neue Verfassung sollte mindestens 50% sein. mfG Beat
50penny 11.01.2014
5.
Das ist doch eindeutig eine Einheit der Leibwache des galaktischen Imperators. ;)
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