Ägyptische Folteropfer Gericht verbietet Jungfrauentests

Keine inhaftierte Ägypterin soll das erleiden, was Samira Ibrahim erdulden musste - sie wurde in einem Militärgefängnis einem Jungfrauentest unterzogen. Nun hat ein Gericht diese Foltermethode untersagt.

Samira Ibrahim: Richter gaben ihr Recht
SPIEGEL ONLINE

Samira Ibrahim: Richter gaben ihr Recht


Kairo - Sie hat es geschafft: Ein ägyptisches Gericht gab Samira Ibrahim Recht. Es stoppte am Dienstag die umstrittenen Jungfrauentests an weiblichen Insassen in den Militärgefängnissen, wie Aly Fekry, Vorsitzender des Verwaltungsgerichts in Kairo, mitteilte. Als die Entscheidung verlesen wurde, jubelten Hunderte Menschenrechtler im Gerichtssaal.

Samira Ibrahim hatte die Klage eingereicht, nachdem sie sich in einem Gefängnis des Militärs diesem Test unterziehen musste - unter Gejohle von Soldaten. Die Männer hätten ihre Handys gezückt und sie gefilmt und fotografiert, während der Arzt den Test machte, erzählte die 25-Jährige danach. "Ich wollte sterben. Es war wie eine Vergewaltigung."

Sogenannte Jungfrauentests, bei denen per Hand überprüft wird, ob die Frau auch blutet, sind medizinisch wertlos und werden von Amnesty International als Folter angeprangert.

Die junge Ägypterin hatte im März in der Innenstadt von Kairo gegen den Militärrat demonstriert. Am 9. März war sie zusammen mit 172 anderen jungen Ägyptern in der Innenstadt von Kairo verhaftet worden.

Doch statt beschämt zu schweigen, hatte Samira Ibrahim ihre Erniedrigung öffentlich gemacht, war durch Talkshows gezogen und hatte Interviews gegeben. Sie klagte auch vor dem Militärgerichtshof gegen den Arzt, der den Test bei ihr gemacht hatte. Im Juni hatte der Chef des ägyptischen Militärgeheimdiensts, Abdel Fattah al-Sisi, Amnesty International zugesagt, die Jungferntests an Gefangenen einzustellen.

Ägyptische Aktivisten bejubelten auf Twitter und Facebook den Beschluss des Gerichts. Er sei ein "Triumph". Verschiedenen Berichten zufolge begab sich Samira Ibrahim unmittelbar nach der Entscheidung auf den Tahrir-Platz in Kairo, dem Herzen der Revolution.

heb/Reuters

insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
zeitmax 27.12.2011
1. Tut mir leid,
Zitat von sysopKeine inhaftierte Ägypterin soll das erleiden, was Samira Ibrahim erdulden musste - sie wurde in einem Militärgefängnis einem Jungfrauentest unterzogen. Nun hat ein Gericht diese Foltermethode untersagt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805921,00.html
...aber der Sinn diese Tests erschließt sich mir aus dem Bericht nun wirklich nicht.
pansen 27.12.2011
2.
Zitat von zeitmax...aber der Sinn diese Tests erschließt sich mir aus dem Bericht nun wirklich nicht.
Hat Folter einen Sinn? Wie auch immer. Diese Frau verdient den grössten Respekt. Man kann sich leicht vorstellen, wie schwierig es ist, sich als Frau in einem patriarchalen System Gehör zu verschaffen. Umso wichtiger ist es, dass sich nach diesem juristischen Erfolg auch der gesellschaftliche Wandel einsetzt. Das Urteil ist gewiss ein erster Schritt hierbei.
beobachter999 27.12.2011
3. .
Zitat von zeitmax...aber der Sinn diese Tests erschließt sich mir aus dem Bericht nun wirklich nicht.
Jungfrauentests untersagt --> Keine weitere Frau soll dies bei Inhaftierung dulden müssen. Einfach genug für sie?
pepito_sbazzeguti 27.12.2011
4. Überwachen
Zitat von sysopKeine inhaftierte Ägypterin soll das erleiden, was Samira Ibrahim erdulden musste - sie wurde in einem Militärgefängnis einem Jungfrauentest unterzogen. Nun hat ein Gericht diese Foltermethode untersagt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805921,00.html
Wer überwacht die Umsetzung dieser gerichtlichen Anordnung?
micromiller 27.12.2011
5. toll !
Zitat von sysopKeine inhaftierte Ägypterin soll das erleiden, was Samira Ibrahim erdulden musste - sie wurde in einem Militärgefängnis einem Jungfrauentest unterzogen. Nun hat ein Gericht diese Foltermethode untersagt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,805921,00.html
toll ein entwicklungsland entwickelt sich ..
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.