Angriff auf ägyptischen Grenzposten Israels Geheimdienst rechnete mit Anschlag

Der blutige Angriff an der ägyptisch-israelischen Grenze kam für Israel offenbar nicht überraschend - dem Geheimdienst lagen nach Militärangaben Berichte über eine bevorstehende Aktion vor. Islamisten überfielen ägyptische Polizisten beim Fastenbrechen, 16 wurden getötet.

Israelische Soldaten im westlichen Negev in Alarmbereitschaft: Furcht vor weiteren Angriffen
Carlos Van As/ Demotix

Israelische Soldaten im westlichen Negev in Alarmbereitschaft: Furcht vor weiteren Angriffen


Jerusalem - Den israelischen Geheimdiensten lagen nach Aussage eines Militärsprechers Berichte über einen bevorstehenden Angriff von ägyptischem Boden aus vor. "Wir waren darauf vorbereitet, deshalb konnten wir zurückschlagen", sagte Yoav Mordechai im Armeerundfunk.

Bewaffnete hatten am Sonntag 16 ägyptische Soldaten an einem Grenzposten zum Gaza-Streifen und Israel getötet. Anschließend hatten sie versucht, auf israelisches Territorium vorzudringen.

Nach ersten Erkenntnissen sollen die schwer bewaffneten Extremisten die Grenzsoldaten des Übergangs Karm Abu Salem nach Einbruch der Dunkelheit beim Fastenbrechen im Ramadan überfallen und beschossen haben. Die Angreifer brachten demnach zwei Panzerfahrzeuge in ihre Gewalt und drangen mit einem davon auf israelisches Gebiet vor, bevor es von israelischen Sicherheitskräften zerstört wurde. Nach israelischen Armeeangaben wurden fünf Angreifer getötet. Die israelischen Sicherheitskräfte suchten in der Nacht zum Montag im Grenzgebiet nach möglichen weiteren Angreifern.

In der israelischen Grenzregion seien am Abend zudem Dutzende Raketen und Mörsergranaten eingeschlagen, berichtet die Zeitung "Haaretz" in ihrer Onlineausgabe. Die israelischen Bewohner des Gebiets wurden aufgefordert, sich in ihren Häusern zu verbarrikadieren.

Ein ranghoher Vertreter der ägyptischen Sicherheitskräfte machte Glaubenskrieger aus dem benachbarten Gaza-Streifen für den Angriff verantwortlich. Die Dschihadisten seien durch Tunnel im Grenzgebiet nach Ägypten gekommen, sagte der Beamte der ägyptischen Nachrichtenagentur Mena.

Verschlechterte Sicherheitslage auf dem Sinai

Das ägyptische Präsidialamt verurteilte den Angriff als "feige Attacke". Die Verantwortlichen für das Verbrechen würden "teuer dafür bezahlen", erklärte das Büro von Präsident Mohammed Mursi in der Nacht zum Montag. In einer TV-Ansprache nach einem Krisentreffen mit der Armeespitze betonte Mursi, die Sicherheitskräfte würden den Sinai wieder vollständig unter ihre Kontrolle bringen. Laut der Nachrichtenagentur Mena wurde der einzige Grenzübergang zwischen Ägypten und dem Gazastreifen in Rafah bis auf weiteres geschlossen. Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas bestritt unterdessen, dass an dem Anschlag Kräfte aus dem Gebiet am Mittelmeer beteiligt gewesen seien.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, der Vorfall zeige, wie wichtig es sei, dass die ägyptischen Behörden die Sicherheit auf dem Sinai wieder herstellten und Terroristen bekämpften. Das israelische Büro zur Terrorbekämpfung hatte am Donnerstag alle israelischen Staatsbürger aufgerufen, den Sinai umgehend zu verlassen, da es Warnungen vor drohenden Angriffen auf Israelis gebe.

Im Sinai ansässige militante Islamisten werden für mehrere Raketenangriffe gegen Israel verantwortlich gemacht. Sie sollen im vergangenen Jahr auch einen Angriff jenseits der Grenze verübt haben, bei dem neun Israelis getötet wurden. Die Gaspipeline im Norden des Sinai, die Israel und Jordanien versorgt, wird immer wieder Ziel von Anschlägen.

Auf der Sinai-Halbinsel befinden sich zahlreiche Badeorte, die für die ägyptische Tourismusindustrie von großer Bedeutung sind. Seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak im Februar 2011 hat sich die Sicherheitslage auf dem Sinai deutlich verschlechtert. Die dort lebenden Beduinen waren unter Mubarak benachteiligt worden.

Gemäß dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag von 1979 ist auf der Sinai-Halbinsel nur wenig Militär stationiert. Im vergangenen Jahr hatte Israel der ägyptischen Armee jedoch aufgrund der veränderten Lage erlaubt, Panzer und Soldaten in die Region zu entsenden.

anr/AFP/dapd/dpa



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Wololooo 06.08.2012
1.
Qui bono?
Herb_G 06.08.2012
2.
"Wir waren darauf vorbereitet, deshalb konnten wir zurückschlagen" Tja, wer alles abhört und überwacht, den kann man nicht überraschen. Ob manche Dinge bewusst geschehen gelassen werden, damit man umso härter zurückschlagen kann oder gleich eine Invasion rechtfertigen kann? Ein Schelm wer Böses denkt.
JDR 06.08.2012
3. ...
Zitat von Herb_G"Wir waren darauf vorbereitet, deshalb konnten wir zurückschlagen" Tja, wer alles abhört und überwacht, den kann man nicht überraschen. Ob manche Dinge bewusst geschehen gelassen werden, damit man umso härter zurückschlagen kann oder gleich eine Invasion rechtfertigen kann? Ein Schelm wer Böses denkt.
Ein "Schelm", wer völlig übersieht, dass der Staat Israel seit Tagen öffentlich und über alle Medien gewarnt hat ...
maliperica 06.08.2012
4. "Ob manche Dinge bewusst geschehen gelassen werden?"
Zitat von Herb_G"Wir waren darauf vorbereitet, deshalb konnten wir zurückschlagen" Tja, wer alles abhört und überwacht, den kann man nicht überraschen. Ob manche Dinge bewusst geschehen gelassen werden, damit man umso härter zurückschlagen kann oder gleich eine Invasion rechtfertigen kann? Ein Schelm wer Böses denkt.
Es steht fest dass manche Dinge bewusst geschehen gelassen werden. Manche Dinge im Rahmen der Durchsetzung unterschiedlichen Interessen werden bewusst Konstruiert. Die Verflechtung der Geheimdienste die unter Geheimhaltung in die kriminelle, politisch radikale oder terroristischen Netze eingehen werden immer mehr undurchschaubar und müssen immer öfter jeder Kontrolle entgehen. Wiederum eine Prozessgestaltung durch gängige Praxis erlaubt allgemein auch diese Zustände für noch mehr Kontrolle und Vernetzungen auszunutzen, die außerhalb parlamentarischen und rechtlichen Prüfungen bzw. Kontrollen bleiben.
Thaeve 06.08.2012
5. Stammtischstrategen
Zitat von Herb_G"Wir waren darauf vorbereitet, deshalb konnten wir zurückschlagen" Tja, wer alles abhört und überwacht, den kann man nicht überraschen. Ob manche Dinge bewusst geschehen gelassen werden, damit man umso härter zurückschlagen kann oder gleich eine Invasion rechtfertigen kann? Ein Schelm wer Böses denkt.
Manche Dinge muß man auch geschehen lassen, da man zwar weiß DASS und BALD, aber nicht weiß WO, WANN und WIE genau. Wenn man so eine Informationslage hat, kann man den Anschlag nicht verhindern, steht aber wenns losgeht Gewehr bei Fuß. Objektiv betrachtet scheint es sich hierbei um genau so eine Informationslage zu handeln.
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