London - Der britische Oppositionsführer und mögliche künftige Regierungschef David Cameron hat mit seiner Haltung zum EU-Reformvertrag den Unmut führender EU-Länder auf sich gezogen. Wie die britische Zeitung "Guardian" berichtet, zeigten sich Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Spaniens Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero verärgert über einen Brief Camerons an den tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus. Darin hatte der Brite angeboten, den Reformvertrag gemeinsam zu Fall zu bringen. Die Verärgerung darüber sei beim Brüsseler Gipfel diese Woche deutlich geworden, zitierte die Zeitung ranghohe britische Vertreter.
Merkel habe Camerons Verhalten als nicht vertrauenswürdig bezeichnet, Sarkozy sei "erzürnt" gewesen und Zapatero habe das Vorgehen "schädigend" genannt, berichtete der "Guardian". Cameron hatte Klaus angeboten, ein Referendum abzuhalten und die bereits erfolgte Vertragsratifizierung rückgängig zu machen, wenn Klaus den Abschluss der Ratifizierung bis nach den britischen Wahlen im Mai oder Juni 2010 hinauszögere. In Umfragen liegen die oppositionellen Tories weit vor der regierenden Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown.
Die Staats- und Regierungschefs waren am Donnerstag in Brüssel Klaus jedoch entgegengekommen, indem sie eine von ihm geforderte Ausnahmeklausel billigten. Klaus zeigte sich zufrieden. Sie bereiteten damit den Weg zum Inkrafttreten des Reformvertrags. Klaus hatte von der EU Garantien gefordert, dass der Vertrag und die in ihm verankerte Grundrechtecharta keine Rückgabeansprüche von Sudetendeutschen ermöglichen, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf Grundlage der Benes-Dekrete aus der Tschechoslowakei vertrieben wurden.
Tschechien ist der einzige der 27 EU-Mitgliedstaaten, der den Lissabon-Vertrag noch nicht ratifiziert hat. Dadurch konnte der Vertrag, der die EU demokratischer und effizienter machen soll, bisher nicht in Kraft treten. In Tschechien steht noch ein Urteil des Verfassungsgerichts über den Vertrag aus, erst danach kann Klaus das Regelwerk unterzeichnen.
sto/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Politik | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Ausland | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH