Ärger um Top-Soldaten Obama feuert General McChrystal

Seine Ausfälle gegen die US-Regierung haben General Stanley McChrystal den Job gekostet. Nach einer Standpauke von Präsident Barack Obama muss der Oberbefehlshaber des Afghanistan-Einsatzes gehen - Nachfolger wird David Petraeus. Der Führungswechsel ist ein schwerer Schlag für die Mission.

AFP

Washington - Barack Obama hat entschieden: Nach den verächtlichen Bemerkungen zum Afghanistan-Krieg der USA muss Spitzenkommandeur Stanley McChrystal gehen. Der General war an diesem Mittwoch zu einem klärenden Gespräch mit dem Präsidenten nach Washington zitiert worden - danach stand fest: McChrystal hat seinen Job verloren.

Er verließ das Weiße Haus noch vor der Sitzung des Kriegskabinetts des Präsidenten, an der er gewöhnlich via Videoschaltung teilnimmt. Nach einem persönlichen Gespräch mit McChrystal trat Obama vor die Kameras und begründete seine Entscheidung. Er äußerte Bedauern, sprach aber von einer "richtigen Entscheidung für unsere nationale Sicherheit". McChrystal habe sich nicht so verhalten, wie es von einem General zu erwarten sei. Sein Verhalten untergrabe das Vertrauen, das notwendig sei, um in Afghanistan die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Kurz nach der Rede veröffentlichte der Geschasste selbst eine kurze Erklärung. Er habe seinen Rücktritt aus Respekt für die Mission am Hindukusch angeboten, schrieb McChrystal. Er fühle sich den Koalitionstruppen, den Partnerstaaten und dem afghanischen Volk zutiefst verpflichtet.

McChrystals Nachfolger am Hindukusch soll David Petraeus werden, der bisherige Chef des US-Zentralkommandos. Er wurde 2008 Kommandeur der US-Streitkräfte für den Nahen Osten, Ostafrika und Zentralasien und gilt als einer der wichtigsten Strategen im US-Verteidigungsministerium. Petraeus habe sein "vollstes Vertrauen", sagte Obama. Die Afghanistan-Strategie bleibe unverändert.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sagte, Petraeus habe im Irak "kluge Schritte und Perspektiven aufgezeigt und umgesetzt". Er hoffe, dass man nun auch in Afghanistan "Kontinuität haben" werde. Er kenne und schätze Petraeus: "Er zählt zu den besonnenen Köpfen. Ich erwarte durch diese Personalie keinen Bruch in der Strategie."

Im Wortlaut: Der Rücktritt des Generals
McChrystal: "Es war mir eine Ehre"
Stanley McChrystal: "Heute Morgen hat der Präsident meinen Rücktritt als Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan angenommen. Ich unterstütze die Strategie des Präsidenten in Afghanistan sehr und fühle mich unseren Koalitionstruppen, unseren Partnerstaaten und dem afghanischen Volk zutiefst verpflichtet. Aus Achtung vor dieser Verpflichtung und aus dem Wunsch, einen Erfolg der Mission zu sehen, habe ich meinen Rücktritt eingereicht. Es war mir ein Privileg und eine Ehre, die Besten unseres Landes zu führen."
Obama: "Dies ist kein Strategiewechsel"
Barack Obama sagte, er habe das Rücktrittsgesuch mit Bedauern angenommen. Es sei schwierig, auf McChrystal zu verzichten. "Ich glaube, das ist die richtige Entscheidung für die nationale Sicherheit." Er begrüße Diskussionen unter seinen Mitarbeitern, werde allerdings keine "Spaltung" seiner Mannschaft tolerieren. McChrystal habe "das Vertrauen untergraben, das unser Team braucht". Sein Verhalten habe nicht den "militärischen Standards eines kommandierenden Generals" entsprochen. Die Entscheidung habe nichts mit persönlichem Beleidigtsein oder Streit über den Kurs zu tun: "Wir stimmen voll über die Strategie überein." Und: "Dies ist ein Personalwechsel, kein Strategiewechsel." In Afghanistan stünden "sehr harte Kämpfe bevor". Alles müsse sich darauf konzentrieren, erfolgreich zu sein. Die US-Soldaten und die verbündeten Truppen dürften durch nichts abgelenkt werden.
Karzai: "Gehofft, dass das nicht passiert"
"Wir hatten gehofft, dass dies nicht passiert", sagte der Sprecher des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai. "Aber die Entscheidung ist gefallen, und wir respektieren sie." Man freue sich darauf, mit dem Nachfolger zusammenzuarbeiten.
Die USA hatten unter McChrystal ihre Truppen am Hindukusch massiv aufgestockt, die radikalislamischen Taliban verstärkt angegriffen und gleichzeitig einen Zeitplan für einen Abzug ihrer Kampftruppen entwickelt. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bekräftigte, man werde an der Strategie festhalten.

Die Regierung in Kabul zeigte sich in einer ersten Stellungnahme enttäuscht. Ein Sprecher von Präsident Hamid Karzai sagte, man habe auf ein anderes Ergebnis gehofft, respektiere aber Obamas Entscheidung.

"Weicheier im Weißen Haus"

Nach Angaben des Weißen Hauses war der Präsident wörtlich "wütend" über die abfällige Kritik McChrystals, die in einem Artikel des Magazins "Rolling Stone" veröffentlicht worden war. Seine Äußerungen finden sich in einem Porträt der Zeitschrift, das am Freitag erscheint. Unter dem Titel "The Runaway General" ("Der außer Kontrolle geratene General") werden abfällige Zitate, Schilderungen und Gefühle des Generals sowie enger Mitarbeiter über Obama und andere Regierungsmitglieder wiedergegeben.

So ist von "Weicheiern im Weißen Haus" die Rede. Obama wird als desinteressiert beschrieben und Vizepräsident Joe Biden verspottet - im Text wird ein Wortwechsel zwischen McChrystal und einem Berater beschrieben. "Joe Biden, wer ist das?", fragt demnach der General. Sein Berater kontert mit einem Wortspiel: "Sagten Sie 'Bite Me'?" - auf Deutsch in etwa : "Leck mich".

McChrystal versuchte sich später zu retten: "Es war ein Fehler, der eine falsche Einschätzung zeigt und nie hätte passieren dürfen", sagte er. Er habe stets nach den Prinzipien der persönlichen Ehre und Integrität gehandelt. Es war nicht das erste Mal, dass der General politisch in Kritik geriet. Schon seine Afghanistan-Strategie war umstritten.

kgp/apn/dpa/Reuters/AFP

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Seite 1
semir, 23.06.2010
1.
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Der Einsatz in Afghanistan ist nicht von einer Person abhängig.Weder Obama noch McChrystal haben etwas zu sagen - die wahren Herrscher sind diejenigen, die den Wahlkampf Obamas finanziert haben und im Hintergrund Anweisungen geben.
ray4901 23.06.2010
2. Die Militärs übernehmen die Politik
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Für seine Militärkarriere scheint der Stan nicht das Richtige getan zu haben. Als Hoffnungsträger der Reps. 2012 könnte er weiter aufsteigen. Man stelle sich einen McCain im besten Alter vor, das wäre der Durchmarsch!
Vihaio 23.06.2010
3.
Zitat von sysopDie Affäre um die Lästereien des einstigen Vorzeige-Generals Stanley McChrystal gefährdet den Einsatz der internationalen Truppen in Afghanistan. Was glauben Sie: Wie geht es weiter mit der Mission am Hindukusch?
Wie bisher. Die westliche Truppenpräsenz wird, mit wechselnden Begründungen, aufrecht erhalten. Siehe Irak, Japan, Korea, Philippinen, Italien, Deutschland, Türkei etc. Siehe "Empire of Bases" (http://www.nytimes.com/2009/07/14/opinion/14iht-edjohnson.html) Es ist einfach zuviel Geld damit zu verdienen. "USA beherrschen zwei Drittel des Rüstungsmarkts" (http://www.welt.de/politik/article4479110/USA-beherrschen-zwei-Drittel-des-Ruestungsmarkts.html) Und noch sind zu viele Zeitgenossen Gefangene in Platos Höhle. Aber nicht mehr lange. "Council on Foreign Relations Warns U.S. Dollar and Debt at Tipping Point" (http://www.economicpolicyjournal.com/2010/06/council-on-foreign-relations-warns-us.html) Dann folgt die Evakuierung.
Stefanie Bach, 23.06.2010
4. Man muss reden
Zitat von VihaioWie bisher. Die westliche Truppenpräsenz wird, mit wechselnden Begründungen, aufrecht erhalten. Siehe Irak, Japan, Korea, Philippinen, Italien, Deutschland, Türkei etc. Siehe "Empire of Bases" (http://www.nytimes.com/2009/07/14/opinion/14iht-edjohnson.html) Es ist einfach zuviel Geld damit zu verdienen. "USA beherrschen zwei Drittel des Rüstungsmarkts" (http://www.welt.de/politik/article4479110/USA-beherrschen-zwei-Drittel-des-Ruestungsmarkts.html) Und noch sind zu viele Zeitgenossen Gefangene in Platos Höhle. Aber nicht mehr lange. "Council on Foreign Relations Warns U.S. Dollar and Debt at Tipping Point" (http://www.economicpolicyjournal.com/2010/06/council-on-foreign-relations-warns-us.html) Dann folgt die Evakuierung.
Dass Schröder Deutschland aus dem Irak-Krieg herausgehalten hat, wird sein Verdienst bleiben. Dass wir uns ansonsten in alle möglichen militärischen Auseinandersetzungen haben hineinziehen lassen ist bitter. Am Beispiel Afghanistan wird sehr deutlich, dass auch ein humanitär bemäntelter Militäreinsatz nur Menschenleben und Geld kostet. Sprache ist die Grundlage zur Verständigung mit anderen (http://www.plantor.de/2009/kann-man-ohne-sprache-denken/).
KabulChris 23.06.2010
5.
Quote "Sprache ist die Grundlage zur Verständigung mit anderen." - dazu gehoeren immer 2 Parteien und kann nicht nur einseitig geschehen.
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