Flüchtlinge im Mittelmeer Ärzte ohne Grenzen schränkt Rettungseinsatz  ein

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen fährt im Mittelmeer vorerst keine eigenen Einsätze zur Rettung von Flüchtlingen mehr. Damit reagierte die Organisation auf Druck der libyschen und italienischen Behörden.

Rettungsschiff "Prudence" der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen
AFP

Rettungsschiff "Prudence" der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen


Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen beendet ihren Rettungseinsatz im Mittelmeer teilweise. Sie erklärte am Samstag, ihr Schiff "Prudence" werde vorläufig nicht mehr auslaufen, um Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu bewahren. Ärzte ohne Grenzen begründete dies mit dem Druck der libyschen und italienischen Behörden.

Die zentrale Seenotrettungsleitstelle in Rom habe die Hilfsorganisation vor Sicherheitsrisiken gewarnt: Libyen drohte demnach allen Schiffen mit Konsequenzen, die zu nah an ihre Küste heranführen, teilte Ärzte ohne Grenzen am Samstag mit.

Die "Prudence" ist das größte Schiff von Ärzte ohne Grenzen und eines der größten von Hilfsorganisationen im Mittelmeer überhaupt. Die Besatzung hatte alleine im Mai 1500 Flüchtlinge aufgenommen. Ärzte ohne Grenzen will aber weiterhin andere Einsätze unterstützen. Die Organisation betreibt gemeinsam das Schiff "Aquarius" mit der französischen Gruppierung SOS Méditerranée (SOS Mittelmeer)

Libyen und Italien hatten zuletzt den Druck auf die Helfer deutlich erhöht. Ärzte ohne Grenzen hat einen von Rom vorgelegten Kodex zur Flüchtlingsrettung nicht unterzeichnet, der unter anderem bewaffnete Polizisten an Bord der Boote vorschreibt.

SOS Méditerranée hatte die Regeln am Freitag unterzeichnet. Insgesamt haben nun fünf von acht Organisationen, mit denen das Ministerium verhandelt hat, das Papier unterschrieben

Berichten zufolge wollen die libyschen Behörden eine eigene Such- und Rettungszone einrichten. "Wenn sich diese Ankündigungen bestätigen und die Anweisungen in die Tat umgesetzt werden, kann das aus unserer Sicht zwei gravierende Folgen haben - es wird mehr Tote im Mittelmeer geben und mehr Menschen, die in Libyen gefangen sind", teilte Ärzte ohne Grenzen mit.

sun/AFP

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