Langzeitkonflikt am Horn von Afrika Äthiopien will Grenzstreit mit Eritrea beenden

Im Jahr 2000 ging ein blutiger Konflikt zwischen den Nachbarländern Äthiopien und Eritrea zu Ende. Ein Friedensabkommen wurde aber nicht vollständig akzeptiert. Die äthiopische Seite will das nun ändern.

Abiy Ahmed
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Abiy Ahmed


Äthiopien will einen jahrelangen Grenzkonflikt mit seinem Nachbarn Eritrea beenden. Das Exekutivkomitee der äthiopischen Regierungspartei habe entschieden, ein vor mehr als 15 Jahren ausgehandeltes Waffenstillstandsabkommen zwischen den beiden Staaten am Horn von Afrika bedingungslos zu akzeptieren und umzusetzen, zitierte der staatliche Sender Fana eine Mitteilung der Partei. Das Komitee rufe die Regierung von Eritrea dazu auf, ähnliche Schritte einzuleiten, um Frieden wieder herzustellen, hieß es.

Eritrea gehörte bis zu seiner Unabhängigkeit 1993 zu Äthiopien. Fünf Jahre später brach ein Krieg zwischen den beiden Staaten aus, in dem Zehntausende Menschen starben. Mit dem sogenannten Abkommen von Algier wurde 2000 der Konflikt beendet. Um den Grenzdisput zu lösen einigten sich die beiden Länder darauf, den Verlauf der tausend Kilometer langen gemeinsamen Grenze von einer internationalen Kommission bestimmen zu lassen.

Dabei wurden einige strategisch wichtige Orte Eritrea zugewiesen. Äthiopien weigerte sich, den Schiedsspruch von 2002 zu akzeptieren. Die Spannungen zwischen beiden Staaten dauerten deshalb in den vergangenen Jahren an. Bis heute sind die beiden Länder verfeindet und die Lage an der Grenze ist angespannt. Bei seinem Amtsantritt im April hatte der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed allerdings einen neuen Dialog mit Eritrea angekündigt.

Reformen in Äthiopien

Die äthiopische Regierung kündigte am Dienstag außerdem an, staatliche Unternehmen für private Firmen zu öffnen. Ein Teil von Staatskonzernen wie der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines und der Telekommunikationsgesellschaft Ethio Telecom sollten an Investoren im In- und Ausland verkauft werden, hieß es in der Ankündigung. Die Mehrheit an den Unternehmen bleibe aber in Staatsbesitz.

Das mit harter Hand geführte Äthiopien befindet sich seit Jahren in einer politischen Krise, ausgelöst durch eine steigende Unzufriedenheit mit der Regierung. Allerdings erklärte im Februar Regierungschef Hailemariam Desalegn überraschend seinen Rücktritt. Sein Nachfolger Ahmed hatte Reformen versprochen und den Dialog mit Oppositionellen gesucht (mehr zu Abiy Ahmed lesen Sie hier) .

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Äthiopien: Vom obersten Schnüffler zum Premier

Nach dem Rücktritt Desalegns im Februar war in Äthiopien der Ausnahmezustand verhängt worden, er hätte eigentlich sechs Monate dauern sollen. Am Dienstag beschloss nun aber das Parlament, ihn wegen der "relativen Stabilität und Ruhe" im Land frühzeitig aufzuheben. Das berichtete die staatliche äthiopische Nachrichtenagentur Ena. Der Schritt gilt als der jüngste von zahlreichen Versuchen, die Regierungsgegner zu beschwichtigen und das Land zu vereinen. So wurden zuletzt prominente Oppositionelle freigelassen, unter anderen der anglo-äthiopische Milizenanführer Andargachew Tsige.

Äthiopien ist mit rund hundert Millionen Einwohnern das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung Afrikas hinter Nigeria. Trotz rasantem Wirtschaftswachstum gehört der Staat einem Uno-Index zufolge noch zu den 15 ärmsten Ländern der Welt.

aar/dpa/AFP



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blurps11 06.06.2018
1. Seltsame Darstellung
Eritrea wurde erst nach dem 2. Weltkrieg mit dem Kaiserreich Äthiopien zwangsvereinigt und war danach wenig mehr als eine Kolonie des Nachbarlandes. Könnte man in diesem Zusammenhang vielleicht mal erwähnen.
TigrayApartheid 06.06.2018
2. Ignorante Darstellung seitens der DPA
Zu behaupten Eritrea sei schon immer ein Teil Äthiopiens gewesen ist ignorant und zeigt die arrogante Haltung des Westens gegenüber Eritrea und ist vor allem FALSCH! Eritrea hat man, 1952, das Recht auf Selbstbestimmung verweigert, weil die USA der Meinung waren das ein selbstbestimmtes Eritrea den eignen imperialistischen Bestrebungen entgegensteht und somit völkerrechtswidrig dem devoten(damals wie heute) Verbündeten Äthiopien zuzuschlagen und dem Despoten/Kaiser Haile Selassie einen Gefallen zu machen. Aus der jüngeren Vergangenheit weiß man auch, dass man den Ankündigungsweltmeister aus Addis Abeba nur bedingt glauben schenken darf schon 2000 und 2002 kündigte, dass TPLF-Regime an den Grenzverlauf zu aktzeptieren geschehen ist bisher nichts. Die Grenze ist auch schon klar festgelegt nur weigern sich bis heute die regiernden in Addis Abeba Ihre Truppen aus dem besetzten Gebiete abzuziehen. Mit dem wohlwollen des US State Departments und der EU.
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