Affäre Skripal Britischer Verteidigungsminister nennt Putins Verhalten "bösartig"

Die Beziehungen zwischen Russen und Briten sind wegen der Affäre Skripal extrem belastet. Der britische Verteidigungsminister nannte den Anschlag nun eine "kaltblütige, chemische Attacke".

Britischer Verteidigungsminister Gavin Williamson
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Britischer Verteidigungsminister Gavin Williamson


Der britische Verteidigungsminister Gavin Williamson hat Russland mit deutlichen Worten kritisiert. Der Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal vor vier Wochen sei eine "kaltblütige, chemische Attacke" gewesen und Putins Verhalten "bösartig", schrieb Williamson in der Zeitung "Sunday Telegraph". "Wir sollten nicht vergessen, dass das der erste offensive Gebrauch eines Nervengifts in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg war."

Sergej Skripal und seine Tochter Julija waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury entdeckt worden. Sie wurden nach britischen Angaben mit einem Kampfstoff vergiftet , der einst in der Sowjetunion hergestellt wurde.

London hält daher Putin für den Drahtzieher des Anschlags. Der Kreml weist das strikt zurück und fordert Beweise für die Beschuldigungen. Der Streit löste eine schwere internationale diplomatische Krise aus, in deren Verlauf Großbritannien, die USA und weitere westliche Staaten insgesamt rund 130 russische Diplomaten ausgewiesen. Russland reagierte am Freitagmit der Ausweisung von 60 US-Diplomaten und 59 Vertretern aus weiteren 23 Ländern; auch vier deutsche Diplomaten müssen Russland verlassen.

Moskau pocht unter anderem darauf, Kontakt zu Julija Skripal zu bekommen, der es inzwischen besser geht. Ein Sprecherin des britischen Außenministeriums sagte, man denke darüber nach. Es müssten aber auch gesetzliche Vorgaben und die Wünsche der Frau berücksichtigt werden. Sergej Skripal befindet sich weiter in einem kritischen Zustand.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums brachte im Zuge der Affäre eine neue Ebene ins Spiel: die Fußballweltmeisterschaft. Marija Sacharowa unterstellte den USA und Großbritannien in einem Interview, die WM in Russland stoppen zu wollen.

"Ich habe den Eindruck, dass Russland die Weltmeisterschaft wegzunehmen alles ist, was für sie zählt", sagte Marija Sacharowa. Dafür sei ihnen "jedes Mittel recht".

jpz/dpa



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