Zivile Opfer: Afghanistan verzichtet auf Nato-Luftangriffe

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Nach NATO-Luftangriff in Ost-Afghanistan: Viele Kinder unter den Verletzten und Toten

Hamid Karzai hat der afghanischen Armee verboten, künftig ausländische Luftunterstützung anzufordern. Der Präsident reagiert damit auf den Tod von zehn Zivilisten bei einem Nato-Angriff.

Kabul - Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat seinem Militär untersagt, weitere Luftangriffe der Nato anzufordern. Nachdem bei einem solchen Angriff jüngst mehrere Kinder getötet worden waren, verbot er es "unter allen Umständen, um ausländische Luftunterstützung zu bitten". Die entsprechende Verordnung gelte ab Sonntag, sagte Karzai vor Offizieren einer Militärakademie in Kabul.

Bei einem Nato-Angriff vom Mittwoch im Osten des Landes waren Berichten zufolge mindestens zehn Zivilisten getötet worden, darunter fünf Kinder und vier Frauen. Zudem starben laut den Behörden drei Kommandeure der radikalislamischen Taliban. Der neue Oberbefehlshaber der Nato-geführten ISAF-Truppe, US-General Joseph Dunford, zeigte sich am Sonntag mit Karzais Anordnung einverstanden.

Der afghanische Präsident zeigte sich in seiner Rede zufrieden, dass die ausländischen Mächte bis Ende 2014 ihre Kampftruppen aus dem Land abziehen. "Wir sind glücklich, dass die ausländischen Truppen sich aus Afghanistan zurückziehen." Er habe von den ausländischen Streitkräften oft gefordert, "nicht unsere Häuser zu bombardieren".

Die afghanischen Streitkräfte seien nach dem Abzug sehr wohl in der Lage, das Land zu verteidigen, auch wenn Afghanistan vor einer Herausforderung stehe, sagte Karzai. Aber weder die USA noch Pakistan, Deutschland oder Frankreich seien "Eigentümer dieses Landes", sondern das afghanische Volk.

Missbrauch von Gefangenen weit verbreitet

Dunford sagte am Sonntag vor Journalisten, die internationalen Truppen würden sich nach der Anordnung Karzais richten. Die ISAF stehe bereit, die afghanischen Truppen entsprechend der Wünsche Karzais zu unterstützen. Zwar sei die Nato bislang noch nicht im Einzelnen über die Anordnung Karzais informiert, in den kommenden Tagen würden jedoch die Details ausgearbeitet.

Neben den Luftangriffen gebe es auch andere Möglichkeiten, die afghanischen Streitkräfte zu unterstützen, sagte Dunford. Zu den Luftangriffen zählte bislang auch medizinische Unterstützung der NATO für verwundete afghanische Einsatzkräfte.

Zivile Opfer durch Nato-Luftangriffe sind seit langem ein Streitthema zwischen Karzai und den ausländischen Verbündeten. Allerdings ist der afghanische Staatschef auch für Vorwürfe gegen die westlichen Verbündeten bekannt, denen nicht zwangsläufig Taten folgen.

Karzai ordnete am Samstag zudem eine vollständige Überwachung von Verhöreinrichtungen mit Videokameras an. Alle Verhöre sollten künftig aufgezeichnet werden, hieß es in einem Dekret Karzais, das von seinem Büro veröffentlicht wurde. Hintergrund ist ein UN-Bericht, nach dem Gefangene in Afghanistan häufig Opfer von Missbrauch sind. Von 635 landesweit befragten Gefangenen gaben demnach 326 an, Opfer von Missbrauch geworden zu sein.

Karzai ordnete zudem an, die Täter strafrechtlich zu verfolgen und den Gefangenen Verteidiger zur Seite zu stellen. Zudem kündigte er an, dass alle Gefangenen, die freigesprochen worden seien oder ihre Strafe verbüßt hätten, binnen zwei Monaten freikommen sollten. Zahlreiche Inhaftierte in Afghanistan sitzen derzeit unter solchen Umständen weiterhin im Gefängnis.

hpi/afp

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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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