Trotz Anschlägen in Afghanistan 14 Männer nach Kabul abgeschoben

Die Sicherheitslage am Hindukusch ist prekär, dennoch sind erneut zahlreiche Afghanen in ihre Heimat abgeschoben worden. Unionspolitiker hatten zuvor auf mehr Rückführungen beharrt.

Für die Abschiebung genutzte britische "Titan Air"-Maschine
DPA

Für die Abschiebung genutzte britische "Titan Air"-Maschine


Den deutschen Sicherheitsbehörden zufolge handelte es sich zumeist um Straftäter, die aus der Haft abgeschoben wurden: In Kabul ist am Morgen ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland eingetroffen. Beamte am Flughafen teilten mit, dass die Maschine kurz vor 7 Uhr Ortszeit in der afghanischen Hauptstadt gelandet sei. Demnach seien 14 abgeschobene Afghanen an Bord gewesen. Geplant waren laut deutschen Behörden rund 40 Männer.

Der Flug vom Flughafen Frankfurt aus war die insgesamt 19. Sammelabschiebung seit der ersten im Dezember 2016. Damit haben Bund und Länder bisher 439 Männer nach Afghanistan zurückgebracht.

Unter den nun Abgeschobenen war nach SPIEGEL-Informationen unter anderem auch ein wegen Totschlags verurteilter Straftäter. Ein weiterer Mann wurde wegen Vergewaltigung schuldig gesprochen. Die insgesamt 14 Männer stammten aus Hessen (zwei), Bayern (fünf), Sachsen (zwei), Rheinland-Pfalz (zwei) sowie aus Hamburg, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland. Ein britischer Charterjet der "Titan Air" im Auftrag von Frontex brachte sie in ihre Heimat zurück. Mitte November waren bereits Dutzende abgelehnte Asylbewerber aus der Haft abgeschoben worden.

Regierung kontrolliert nur noch Hälfte des Landes

Die Abschiebungen sind umstritten, weil der internationale Kampf gegen die radikalislamischen Taliban und die Terrormiliz "Islamischer Staat" andauert. Die Regierung kontrolliert nach Militärangaben nur noch etwas mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes, weitere 30 Prozent sind umkämpft. Ungeachtet dessen hatten die Unionsinnenminister zuletzt mehr Abschiebungen nach Afghanistan gefordert. Auch CDU-Kanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt während einer Regierungsbefragung zu den Abschiebungen nach Afghanistan gesagt: "Aus unserer Sicht sind die Einschränkungen entfallen."

Abschiebung in Frankfurt
DPA

Abschiebung in Frankfurt

In den vergangenen zwei Wochen waren derweil bei zwei großen Anschlägen in Kabul mindestens 70 Menschen getötet worden. Insgesamt wurde die Hauptstadt in diesem Jahr von 21 großen Anschlägen erschüttert. Allein bei einem Anschlag auf ein Sicherheitsunternehmen in der vergangenen Woche kamen mindestens 15 Menschen ums Leben. Insgesamt starben mehr als 500 Menschen, laut Uno-Agentur OCHA sind seit Jahresbeginn mehr als 301.000 Menschen innerhalb des Landes vor Kämpfen geflohen.

apr/mgb/dpa

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