Bericht der Uno Seit Jahresbeginn sind 162.000 Afghanen vor Kämpfen geflohen

In Afghanistan fliehen weiter Tausende Menschen vor Gewalt und Krieg aus ihrer Heimat. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder, zeigt ein Bericht der Uno.

Taliban in Afghanistan
REUTERS

Taliban in Afghanistan


Der Krieg in Afghanistan findet kein Ende. Auf die afghanische Hauptstadt Kabul sind am Dienstag mehrere Raketen abgefeuert worden. Wie die Polizei mitteilte, wurden mindestens drei Menschen verletzt, als die Geschosse ein Wohnhaus trafen.

Erst am Sonntag waren bei einem Selbstmordanschlag am Kabuler Flughafen mindestens 23 Menschen getötet worden. Allein am Zuckerfest-Wochenende - das ist das traditionelle Fastenbrechen-Fest - sind mehrere Dutzend Menschen ums Leben gekommen.

Wie nun aus einem Bericht des der Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe hervorgeht, sind in Afghanistan seit Jahresanfang etwa 162.000 Menschen vor Kämpfen mit den radikalislamischen Taliban aus ihren Dörfern und Städten geflohen.

Demnach sind allein in der vergangenen Woche mehr als 7700 Afghanen heimatlos geworden - vor allem wegen schwerer Gefechte der Extremisten mit Regierungstruppen in den nordöstlichen Provinzen Tachar und Kundus.

57 Prozent sind Kinder unter 18 Jahren

Seit Januar flohen Menschen vor Gewalt aus 30 der insgesamt 34 afghanischen Provinzen. 57 Prozent der Vertriebenen sind Kinder unter 18 Jahren. Die Taliban werden seit dem Ende des Nato-Kampfeinsatzes im Dezember 2014 zunehmend aggressiver und kontrollieren nach Militärangaben mittlerweile wieder mehr als 14 Prozent des Landes, 30 Prozent sollen umkämpft sein.

In der Nacht auf Dienstag fielen zwei weitere Bezirke in der südöstlichen Provinz Paktika an die Extremisten. Dabei wurden laut Angaben zweier Provinzräte mindestens 22 Soldaten getötet und sieben weitere verwundet. Am Montag kam es zu mehreren schwereren in Explosionen in der Hauptstadt Kabul.

Im vergangenen Jahr hatten die Uno etwa 450.000 Binnenflüchtlinge registriert, 2016 mehr als 660.000. Ob alle der in den vergangenen zwei Jahren als vertrieben registrierten Menschen weiter ohne Heimat sind, ist nach Angaben der Uno unter anderem wegen des mangelnden Zugangs zu vielen umkämpften Provinzen schwer festzustellen.

tin/dpa



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