2300 Tote und Verletzte Zahl der Anschlagsopfer in Afghanistan auf Höchstwert

2017 starben so viele Afghanen bei Terrorangriffen wie noch nie. Besonders in Städten nahm die Gefahr zu.

Zerstörung nach einem Selbstmordanschlag in einer Kabuler Moschee, Oktober 2017
AP

Zerstörung nach einem Selbstmordanschlag in einer Kabuler Moschee, Oktober 2017


Attacken mit Kindern als Selbstmordattentäter, durch Tötungskommandos mit Gewehren oder mit Bomben, versteckt in Last- oder sogar Krankenwagen: Beinahe wöchentlich kommen aus dem vom Krieg zerrütteten Afghanistan Meldungen über schwere Anschläge. Meist bekennen sich die Taliban oder die Terrorgruppe "Islamischer Staat" zu den Angriffen, bei denen vor allem Zivilisten sterben.

Einem neuen Uno-Bericht zufolge ist die Zahl ziviler Opfer durch Anschläge in Afghanistan im vergangenen Jahr auf den Wert von knapp 2300 Zivilisten gestiegen. Das sei ein Anstieg um 17 Prozent und mehr als in jedem anderen Jahr des Konflikts seit Beginn der Uno-Aufzeichnungen 2009.

"2017 wurde die höchste Zahl an zivilen Opfern durch Selbstmordattentate und komplexe Anschläge in einem einzigen Jahr in Afghanistan registriert", heißt es in dem Papier der Uno-Mission für Afghanistan (Unama).

Mehr als 1800 Tote und Verletzte allein bei Attacken in Kabul

Besonders zugenommen haben demnach die Angriffe auf urbane Zentren. Auch dort gab es dem Bericht zufolge 2017 so viele zivile Opfer wie noch nie in dem Konflikt. Allein in der Hauptstadt Kabul wurden demnach 1831 Menschen verletzt oder getötet.

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Selbstmordanschlag auf Moschee: Blut an der Decke, Stahlkugeln überall

"Die Zahlen allein können nicht das entsetzliche menschliche Leid beschreiben, das den einfachen Menschen zugefügt wird, insbesondere Frauen und Kindern", erklärte der Uno-Gesandte für Afghanistan, Tadamichi Yamamoto.

Auch die Zahl der Opfer durch Luftschläge stieg

Die Zunahme von Anschlägen geht mit einer Verstärkung militärischer Angriffe auf Extremisten einher. So erklärt sich vermutlich auch der Anstieg bei zivilen Opfern durch Luftangriffe von Verbündeten der afghanischen Zentralregierung: 295 starben bei Luftschlägen, 336 wurden verletzt. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent verglichen mit 2016. Viele der Attacken werden von der US-amerikanischen Luftwaffe geflogen. Präsident Donald Trump hatte im August erklärt, die US-Präsenz am Hindukusch bleibe unbefristet.

Insgesamt ist die Zahl ziviler Opfer aber 2017 gesunken. Das liegt daran, dass die meisten zivilen Opfer nach wie vor bei Kämpfen zwischen afghanischer Armee und Aufständischen verwundet oder getötet werden (3484). Verglichen mit 2016 ist dieser Wert um neun Prozent zurückgegangen. Die Uno geht bei all ihren Zahlen davon aus, dass sie vermutlich "unterberichtet". Die tatsächlichen Zahlen dürften höher ausfallen.

cht/dpa



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