Angriffe der Taliban 71 Tote bei Anschlägen in Afghanistan

Erst ein Selbstmordattentat, dann stundenlange Gefechte mit der Polizei: Die Taliban haben in Afghanistan zwei schwere Anschläge verübt. Die Krankenhäuser waren mit der Zahl der Verletzten überfordert.

Anschlag in Gardez, der Hauptstadt der afghanischen Provinz Paktia
REUTERS

Anschlag in Gardez, der Hauptstadt der afghanischen Provinz Paktia


Bei zwei Angriffen auf Sicherheitskräfte im Südosten Afghanistans sind am Dienstag mindestens 71 Menschen getötet und 170 verletzt worden. In Gardes, der Hauptstadt der Provinz Paktia, sprengten sich nach Angaben der Behörden zwei Selbstmordattentäter in der Nähe eines Ausbildungszentrums der Polizei in die Luft. Danach kam es zu stundenlangen Gefechten mit den Sicherheitskräften. Ein ähnlicher Anschlag wurde in der benachbarten Provinz Ghasni verübt.

Zu dem schwereren der beiden Anschläge in Gardes, bei dem allein mindestens 41 Menschen getötet wurden, bekannten sich die radikal-islamischen Taliban per Twitter. Zwei Selbstmordattentäter hatten nach Angaben des afghanischen Innenministeriums mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge in der Nähe des Ausbildungszentrums der Polizei in die Luft gesprengt und damit "den Weg für eine Reihe von Angreifern frei gemacht". Bei stundenlangen Gefechten mit den Sicherheitskräften wurden anschließend fünf Extremisten getötet.

Lokalen Behörden zufolge ereignete sich der Angriff in Gardes in der Nähe des regionalen Hauptsitzes der Polizei. "Die meisten Opfer sind Zivilisten, die zum Polizeirevier gekommen sind, um ihre Reisepässe und Personalausweise abzuholen", teilte das Büro von Paktias Gouverneur mit. Unter den Toten seien Frauen, Studenten und Polizisten, sagte der Chef der staatlichen Kliniken der Provinz Paktia.

Die Krankenhäuser waren mit der Zahl der Verletzten überfordert und riefen die Bevölkerung zu Blutspenden auf. Vor dem Gebäude standen Studenten Schlange, um dem Aufruf nachzukommen, wie ein AFP-Fotograf berichtete.

Bei dem zweiten, gleichzeitig erfolgten Anschlag in der benachbarten Provinz Ghasni wurden 25 Sicherheitskräfte und fünf Zivilisten getötet sowie etwa zehn Menschen verletzt. Der Angriff folgte dem gleichen Muster wie in Gardes: Selbstmordattentäter ließen mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge in der Nähe eines Polizeireviers detonieren und stürmten dann das Gebäude, wie die Behörden mitteilten. Die Taliban bekannten sich auch zu diesem Anschlag.

Die Provinz Paktia grenzt an Gebiete in Pakistan, in denen das mit den radikal-islamischen Taliban verbundene Haqqani-Netzwerk aktiv ist. Nur Stunden vor den Anschlägen hatte ein US-Drohnenangriff in der pakistanischen Kurram-Region laut Behörden 26 Haqqani-Kämpfer getötet. Haqqani-Extremisten werden für eine Reihe verheerender Selbstmordanschläge in ganz Afghanistan in diesem Jahr verantwortlich gemacht.

cte/AFP



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