Afghanistan: Al-Qaida bittet um Spenden

Al-Qaida in Afghanistan geht offenbar das Geld aus: In einer Audiobotschaft ruft das Terrornetzwerk Muslime in der Türkei zu Spenden auf - im Kampf gegen die internationalen Koalitionstruppen würde vielen Extremisten die nötige Ausstattung fehlen.

Kairo/Washington - Mustafa Abu al-Yasid kommt schnell auf den Punkt: "Wir hier in Afghanistan brauchen Geld", sagt der Anführer des Terrornetzwerks al-Qaida in Afghanistan in einer am Mittwoch veröffentlichten Audiobotschaft. Yasid bittet darin Muslime in der Türkei dringend um Spenden. Vielen seiner Kämpfer würde es an der nötigen Ausstattung fehlen. Die Botschaft wurde auf einer häufig von al-Qaida genutzten Website veröffentlicht.

Experten zufolge werden die islamistischen Extremisten in Afghanistan vor allem von Geldgebern und Wohltätigkeitsorganisationen in den Golfstaaten unterstützt. Außerdem profitieren sie vom illegalen Drogenhandel in ihrer Heimat.

Der New Yorker Anti-Terrorismus-Thinktank NEFA-Foundation hatte bereits am Mittwoch aus der Audiobotschaft zitiert. Demnach sagt Abu al-Yazid: "Hier im Schlachtfeld von Afghanistan fehlt es uns an einer Menge Geld, es gibt eine operative Schwäche wegen Geldmangel."

Es ist nicht das erste Mal, dass al-Qaida in Afghanistan über Geldmangel klagt. Schon vor Jahren soll die dortige Filiale den damaligen Irak-Chef al-Qaida, Abu Mussab al-Sarkawi, um finanzielle Hilfe gebeten haben.

Erst vor kurzem allerdings hatten US-Medien berichtet, dass die militanten Dschihadisten in Afghanistan über ausreichende Finanzquellen verfügten, vor allem komme das Geld von Privatpersonen aus den Ländern am Arabischen Golf.

Angesichts der angespannten Sicherheitslage will US-Präsident Barack Obama Tausende zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken. Der US-Senat bestätigte am Mittwochabend den neuen Oberkommandierenden für die US- und Nato-Truppen in Afghanistan, Generalleutnant Stanley McChrystal. Zuvor hatte sich der Führer der demokratischen Mehrheit im Senat, Harry Reid, in einem dramatischen Appell für die rasche Bestätigung des Kandidaten von Obama ausgesprochen, damit dieser seine Arbeit aufnehmen könne. Die Zustimmung der Senatoren erfolgte anschließend durch Zuruf.

Nach einem Bericht der "New York Times" hatte US-Generalstabschef Mike Mullen Senator Reid in einem Telefonat auf die Dringlichkeit der Entscheidung hingewiesen. McChrystal sollte noch am Mittwochabend von Washington aus in Richtung Afghanistan aufbrechen. Auf dem Weg dorthin werde er sich noch in zwei nicht näher bezeichneten europäischen Hauptstädten mit verbündeten Regierungen beraten, hieß es weiter.

McChrystal, ein Experte für Spezialoperationen, war der Wunschkandidat von Obama. Er soll als Nachfolger des glücklosen Kommandeurs David McKiernan den Kampf der internationalen Schutztruppe Isaf gegen die wiedererstarkenden Taliban in Afghanistan voranbringen.

Er werde die Militäroperation in Afghanistan erst als Erfolg betrachten, wenn al-Qaida in Afghanistan und Pakistan "komplett eliminiert ist", hatte McChrystal bei einer Anhörung vor einem Senatsausschuss in der vergangenen Woche betont.

Allerdings werde der Erfolg nicht an der Zahl der getöteten Feinde gemessen, sondern daran, wie viele Zivilisten vor Gewalt geschützt werden konnten. Um dieses Ziel zu erreichen, wolle er alle Einsatzregeln überprüfen, Luftangriffe begrenzen und verstärkt kleine Kampfeinheiten am Boden einsetzen.

hen/yas/dpa/AP

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