Afghanistan Angriff auf Militäreinheit in Kabul

Es ist bereits der vierte schwere Vorfall in Afghanistans Hauptstadt im Januar: Ziel einer Attacke war diesmal eine Militäreinheit. Mindestens neun Menschen wurden getötet.

Afghanische Sicherheitskräfte
AP

Afghanische Sicherheitskräfte


Fünf schwer bewaffnete Männer haben eine Militäreinheit in Kabul angegriffen. Zunächst hatte es geheißen, eine große Militärakademie sei attackiert worden. Diesen Angaben, die unter anderem von Präsidentenpalast bestätigt worden waren, widersprach aber ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Ziel des Angriffs sei die Basis der 111. Brigade gewesen - eine Militäreinheit neben der Marschall-Fahim-Akademie. Es wurde nicht unmittelbar klar, ob es sich um eine semantische Unterscheidung handelt, um einen weiteres Versagen von Sicherheitskräften beim Schutz schwer bewachter Einrichtungen zu verschleiern. Satellitenbilder zeigen die beiden Militärinstallationen sehr nahe beieinander. Sie könnten auf demselben Gelände liegen.

Nach offiziellen Angaben sind bei der Attacke mindestens neun Menschen ums Leben gekommen, darunter vier der Angreifer. Zwei hätten sich in die Luft gesprengt, zwei weitere seien erschossen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums. Ein Attentäter sei festgenommen worden. Außerdem seien fünf afghanische Soldaten ums Leben gekommen und zehn verletzt worden. Über seine sogenannte Nachrichtenagentur Amaq reklamierte die Terrorgruppe "Islamische Staat" (IS) die Attacke für sich.

Zunächst hatte es mehrere übereinstimmende Berichte gegeben, wonach Explosionen und Schüsse vom Gelände der Akademie im Westen der Stadt zu hören gewesen seien. Ein afghanischer Offizier, der in der Gegend lebt und namentlich ungenannt bleiben wollte, sagte der Deutschen Presse-Agentur, er habe, bis er am Morgen das Haus verlassen musste, elf Explosionen gezählt. Der gut vernetzte Journalist Bilal Sarwary schrieb auf Twitter, eine Gruppe von Angreifern mit Nachtsichtgeräten sei auf das Gelände eingedrungen. Auch der Sender Tolo TV berichtet von dem Angriff auf die Akademie.

Im Oktober waren am Tor der Akademie bei einem Selbstmordattentat auf einen Bus voller Kadetten mindestens 15 Menschen getötet worden.

Der Angriff auf die Militäreinheit ist der vierte schwere Vorfall in Kabul im Januar. Erst am Samstag hatte sich im Stadtzentrum ein Selbstmordattentäter der radikalislamischen Taliban in die Luft gesprengt und mehr als 100 Menschen getötet. Nur eine Woche zuvor hatten Talibankämpfer in einem 17-stündigen Angriff auf das große Hotel Intercontinental mindestens 20 Menschen getötet, darunter eine deutsche Entwicklungshelferin. Anfang Januar waren bei einem Selbstmordattentat auf einen Sicherheitsposten mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen.

max/dpa/AFP



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