Gewalt in Afghanistan Selbstmordanschlag während de Maizières Besuch in Kabul

Afghanistan soll abgelehnte Asylbewerber schneller zurücknehmen, dafür wirbt Thomas de Maizière in Kabul. Während des Besuchs erschüttert eine Explosion das Zentrum der Stadt, in der Nähe des Parlaments gibt es Tote.

Polizist in der Nähe des Anschlagsorts in Kabul: "Natürlich ist die Sicherheitslage in Afghanistan kompliziert"
REUTERS

Polizist in der Nähe des Anschlagsorts in Kabul: "Natürlich ist die Sicherheitslage in Afghanistan kompliziert"


Das Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul ist von einer schweren Explosion erschüttert worden. Nach Angaben eines Polizeisprechers sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einer Polizeistation in die Luft. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Sedik Seddiki, sprach am Montagabend von mindestens zwanzig Toten. Außerdem seien 29 Menschen verletzt worden. Zuvor war der stellvertretende afghanische Innenminister, Ayub Salangi, von mindestens zehn getöteten Menschen und 20 Verletzten ausgegangen.

Der Anschlag ereignete sich während eines Besuchs von Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Kabul. Der Minister traf am Montag in der afghanischen Hauptstadt ein. Dort will er mit seinem afghanischen Kollegen Noorulhaq Olumi über Möglichkeiten sprechen, wie die hohe Zahl afghanischer Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, verringert werden kann. Zum Zeitpunkt des Anschlags aß de Maizière in der deutschen Botschaft zu Mittag.

Es könne nicht sein, dass die afghanische Bevölkerung und gerade die jungen Leute ihr Land verließen, um in Deutschland eine wirtschaftlich bessere Zukunft zu suchen, sagte de Maizière zum Auftakt seines Besuchs. "In Afghanistan werden von Schleusern Gerüchte über paradiesische Zustände in Deutschland gestreut, um Geschäfte zu machen. Das alles wollen wir nicht", sagte der CDU-Politiker.

Afghanen ohne Schutzperspektive in Deutschland sollen nach dem Willen des Ministers möglichst freiwillig in ihre Heimat zurückkehren - und zwar in jene Landesteile, die sicher seien. Eventuell könnten diese Menschen vor Ort auch ein Startguthaben bekommen, um sich wieder ein Leben in Afghanistan aufzubauen. Geld für die Heimreise können Flüchtlinge bereits heute beantragen.

"Natürlich ist die Sicherheitslage in Afghanistan kompliziert", räumte de Maizière ein. "Aber Afghanistan ist ein großes Land. Dort gibt es unsichere und sichere Gebiete." Die meisten Menschen kämen auch nicht nach Deutschland, weil sie um ihre Sicherheit fürchteten, sondern weil sie sich eine bessere Zukunft wünschten.

Die Zahl der Afghanen, die nach Deutschland fliehen, ist zuletzt stark gestiegen. Im vergangenen Jahr hatten die Behörden in Deutschland mehr als 150.000 Afghanen als Asylbewerber registriert. Sie waren damit die zweitgrößte Gruppe nach den Syrern. Zum Vergleich: 2014 hatten noch etwa 9.700 Menschen aus Afghanistan in Deutschland einen Asylantrag gestellt.

Die Entwicklung setzte sich auch zu Jahresbeginn fort. Allein vom 1. bis 18. Januar wurden nach Angaben aus Regierungskreisen mehr als 12.000 Asylsuchende aus Afghanistan in Deutschland registriert.

syd/AFP/dpa/Reuters



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