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Afghanistan: ARD bringt eigene Festnahmen-Ente nicht

US-Soldaten sollen im April einen deutschen Luftwaffen-Oberst auf dem Flughafen im afghanischen Kabul in Handschellen abgeführt haben - behauptete die ARD heute. Das Verteidigungsministerium dementierte prompt. Nun verzichtet die Anstalt auf eine Veröffentlichung ihrer eigenen Exklusivmeldung.

Kabul - Das Südasienstudio des Senders hatte sich noch heute Nachmittag bei der Vorab-Meldung auf Bundeswehr-Kreise berufen. Der Offizier, Kommandeur des Flughafens Kabul, sei demnach festgenommen worden, weil er ein US-Flugzeug nicht vorrangig habe abfertigen wollen. Stunden später sei er wieder freigelassen worden.

Doch die Geschichte wurde umgehend vom Verteidigungsministerium dementiert. "Das ist eine komplette Falschmeldung", erklärte ein Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. Weder sei es zu dem Eklat gekommen, noch habe es eine Festnahme gegeben. Der Oberst, mit dem man wegen des angeblichen Vorfalls gesprochen habe, sei zusammen mit den bis vor kurzem für den Kabuler Flughafen zuständigen 90 Bundeswehr-Soldaten seit dem 2. Juni wieder in Deutschland. Er habe das Kommando über den Flughafen vom 12. Februar bis zum 1. Juni inne gehabt. In diesem Zeitraum sei es zu keinem Vorfall gekommen, wie er von der ARD beschrieben werde. "An der Meldung ist nichts dran", so der Sprecher des Verteidigungsministeriums weiter.

Das sieht wohl die ARD inzwischen genauso. In keiner ARD-Sendung wurde über den angeblichen Vorfall berichtet - weder in der "Tagesschau" noch in einem Magazin. Der Leiter des Südasien-Studios, Armin Paul Hampel, erklärte wörtlich auf Anfrage: "Eine Veröffentlichung im Fernsehen ist nie geplant gewesen."

Zunächst war die ARD auch nach dem scharfen Dementi des Verteidigungsministeriums bei ihrer Darstellung geblieben. Hampel betonte, er habe "drei verschiedene Quellen" für den Vorfall in Kabul. Laut seinen Recherchen habe sich die Bundeswehr bei den Amerikanern über die Festnahme beschwert.

Warum die ARD den Beitrag erst in einer Exklusiv-Vorabmeldung über Agenturen verbreiten ließ, sie aber später nie sendete, blieb Hampels Geheimnis.

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