Afghanistan Attentäter erschießen Frauenbeauftragte Ama Dschan

In einem Land, in dem Frauen nicht viel zu melden haben, trat sie für deren Rechte ein. Nun wurde Safia Ama Dschan in der südafghanischen Provinz Kandahar von Unbekannten auf dem Weg zu ihrem Auto erschossen.


Kandahar – Der Neffe Ama Dschans berichtet, Unbekannte seien auf Motorrädern vor dem Haus der Tante vorgefahren und hätten sie auf dem Weg zu ihrem Auto getötet. "Sie war sofort tot", sagte der Neffe. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Der Neffe wollte keine Vermutungen zu den Hintergründen äußern. "Wir hatten keine persönlichen Feindschaften", sagte er Reportern. Einem Sicherheitsvertreter zufolge wurden Ermittlungen eingeleitet, Festnahmen gebe es bislang nicht.

Safia Ama Dschan: Auf dem Weg zum Auto erschossen
AFP

Safia Ama Dschan: Auf dem Weg zum Auto erschossen

International wurde das Attentat scharf verurteilt. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte die sofortige Aufklärung des Falls. Nun sei die afghanische Justiz in der Pflicht, erklärte Steinmeier. "Der Vorfall mahnt uns eindringlich, dass die afghanische Regierung und ihre internationalen Partner bei der Herstellung von Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit, ebenso wie bei der Schaffung von Entwicklungsperspektiven für Frauen und Mädchen, nicht nachlassen dürfen."

Auch die Vereinten Nationen verurteilten den Anschlag. "Die Unama ist entsetzt über diesen sinnlosen Mord an einer Frau, die schlicht daran gearbeitet hat, dass alle afghanischen Frauen in Zukunft eine gleichwertige Rolle in Afghanischen erhalten", sagte ein Sprecher der Uno-Hilfsmission für Afghanistan (Unama).

Ama Dschan hatte seit dem Sturz der Taliban 2001 die Abteilung für Frauenfragen in der Provinz geleitet. Kandahar galt in den neunziger Jahren als wichtigste Hochburg der radikalislamischen Gruppe. Die Taliban haben in der jüngsten Zeit zahlreiche Regierungsvertreter in ihrem Kampf gegen die Regierung und die ausländischen Truppen getötet.

In der benachbarten Provinz Paktika in Süden des Landes drangen am Sonntagabend etwa 20 Extremisten in das Haus eines regionalen Behördenvertreters ein und töteten ihn, wie die Provinzregierung mitteilte.

Auch in einem anderen Landesteil kam es erneut zu einem Anschlag. Bei einer Explosion in der Stadt Chost im Osten Afghanistans wurden nach Polizeiangaben zwei mutmaßliche Selbstmordattentäter getötet. Anwohner berichteten von einem Angriff auf einen US-Militärkonvoi, von Opfern unter den Soldaten war jedoch nicht die Rede. US-Militärsprecher waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Afghanistan erlebt derzeit die schwersten Unruhen seit dem Sturz der Taliban Ende 2001. Seit Anfang des Jahres sind dort mehr als 130 ausländische Soldaten ums Leben gekommen, die meisten davon US-Amerikaner, Briten oder Kanadier. Auch zahlreiche Einheimische wurden getötet. Die Bundeswehr ist in Kabul und im eher ruhigen Norden des Landes stationiert.

asc/Reuters/AFP/AP

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