Afghanistan Behörden vermuten Giftgasanschlag der Taliban auf Mädchenschule

Dutzende Schülerinnen im afghanischen Kunduz sind schwer erkrankt. Die afghanischen Behörden verdächtigen die Taliban, einen Giftgasanschlag auf die Schule verübt zu haben - um die Mädchen vom Unterricht fernzuhalten.

Schülerin im Krankenhaus: Die Mädchen klagen über Schüttelfrost und Übelkeit
dpa

Schülerin im Krankenhaus: Die Mädchen klagen über Schüttelfrost und Übelkeit


Kabul - Innerhalb weniger Tage sind im nordafghanischen Kunduz 80 Schülerinnen unter mysteriösen Umständen schwer erkrankt. Zuletzt klagten am Sonntag 13 Mädchen über Übelkeit und Schüttelfrost, wie aus dem Zentralkrankenhaus in der Provinzhauptstadt verlautete. Am Vortag waren bereits 47 Schülerinnen und drei Lehrer mit den gleichen Symptomen ins Krankenhaus gebracht worden, in den Tagen davor waren 20 Schülerinnen erkrankt.

Der Gesundheitszustand der Mädchen, die von "üblen und unangenehmen Gerüchen" berichtet hatten, habe sich inzwischen stabilisiert. Erste Blutuntersuchungen seien wenig aufschlussreich gewesen, erklärte das Gesundheitsministerium in Kunduz. Die Proben sollen nun für weitere Tests nach Kabul geschickt werden.

Vertreter der Provinzschulbehörden verdächtigten die Taliban, sie wollten mit dem Giftgas den weiteren Schulbesuch durch Mädchen verhindern. Ein Sprecher des Präsidenten Hamid Karzai erklärte, jeder Versuch, Mädchen von der Schule fernzuhalten, sei ein "terroristischer Akt". Während der Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 war es afghanischen Mädchen verboten, eine Schule zu besuchen.

Ein Sprecher der radikalislamischen Taliban wies jegliche Verwicklung in den Fall zurück und erklärte, möglicherweise steckten andere regierungsfeindliche Gruppierungen hinter den Angriffen.

In den vergangenen Jahren hat es bereits eine Reihe von ähnlichen Anschlägen gegeben. In den Taliban-Hochburgen im Süden und Osten des Landes sind viele Schulen weiterhin geschlossen, Lehrer wurden bedroht und mehrere Mädchen mit Säure verätzt. In der Woche zuvor hatte es bereits einen Gasanschlag auf eine Schule in Kunduz gegeben, bei dem 20 Mädchen erkrankten. In der Region sind auch Soldaten der Bundeswehr im Einsatz.

Bereits im vergangenen Jahr waren in der Provinz Kapisa zahlreiche Schülerinnen wegen Kopfschmerzen und Übelkeit ins Krankenhaus gebracht worden. Sie berichteten von einem ungewöhnlichen Geruch auf dem Schulhof. Die Regierung machte daraufhin die Taliban für die Erkrankungen verantwortlich. Doch Untersuchungen ähnlicher Vorkommnisse in anderen Landesteilen kamen zu dem Ergebnis, dass es sich auch um Fälle von Massenhysterie gehandelt haben könnte.

anr/apn/dpa/Reuters



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