Afghanistan: Bericht prangert Misshandlungen durch Milizen an

Sie sollen für Sicherheit sorgen - doch stattdessen haben afghanische Milizen Unschuldige möglicherweise misshandelt, vergewaltigt und sogar getötet. Das prangern Menschenrechtler in einem Bericht an. In einem Fall soll ein 13-jähriger Junge missbraucht worden sein. Die Isaf will den Report prüfen.

Kabul/New York - Erst vor wenigen Woche hatte die Uno schwere Vorwürfe gegen afghanische Behörden erhoben - Häftlinge sollen geschlagen und mit Elektroschocks traktiert worden sein. Jetzt legt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nach. Sie spricht von massiven Übergriffen regierungstreuer Milizen in Afghanistan.

Die von Regierung und Internationaler Schutztruppe Isaf unterstützten nicht-regulären Sicherheitskräfte seien für Tötungen, Vergewaltigungen, willkürliche Festnahmen und weitere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Report der Organisation.

Besonders betroffen seien die Nordprovinzen Kunduz, Baghlan und Tachar - diese sind auch Einsatzgebiet der Bundeswehr. Unter den Missbrauchsfällen dokumentiert die Organisation die Massenvergewaltigung eines 13-jährigen Jungen durch vier Milizen im Nordosten des Landes. Sie sollen ihn der Provinz Baghlan auf der Straße entführt und in das Haus eines Kommandanten gebracht haben. Bei einem anderen Zwischenfall sollen Milizen mehrere Jungen im Teenageralter geschlagen und einem von ihnen Nägel in die Füße geschlagen haben.

Isaf kritisiert Bericht als fehlerhaft

Die Regierung in Kabul habe als Reaktion auf den gewaltsamen Aufstand im Land bewaffnete Gruppen reaktiviert, sagte der Asiendirektor von Human Rights Watch, Brad Adams. Diese bedrohten das Leben der einfachen Menschen. Gleichzeitig gebe es keinerlei Mechanismen, um die Angehörigen dieser Milizen für begangene Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen, prangerten die Menschenrechtler an. Die afghanische Regierung und die US-Streitkräfte müssten nicht legitimierte Milizen auflösen und sie zur Verantwortung ziehen, hieß es weiter.

Derzeit sind in Afghanistan rund 130.000 ausländische Soldaten sowie mehr als 300.000 einheimische Sicherheitskräfte im Einsatz. In Regionen, in denen die radikalislamischen Taliban und andere Extremisten besonders stark sind, werden seit Jahren zudem Milizen und örtliche Polizeitruppen in die Aufstandsbekämpfung eingebunden. Sie sollen im Einsatz sein, bis ausreichend afghanische Soldaten und Polizisten zur Verfügung stehen, um nach dem Abzug der ausländischen Truppen bis Ende 2014 die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen.

Die internationale Schutztruppe Isaf kündigte an, den Bericht zu prüfen. Man begrüße faire Kritik und Ratschläge, sagte Isaf-Sprecher Carsten Jacobson. Weiter äußerte er sich nicht. Allerdings twitterte die Isaf, Teile des Berichts seien veraltet und fehlerhaft.

heb/dpa/dapd/Reuters

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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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