Afghanistan Bewaffnete attackieren Hotel in Kabul

In Kabul haben Unbekannte das Hotel Intercontinental angegriffen. Möglicherweise nahmen sie Geiseln, offenbar wurde einer der Angreifer getötet. Das Innenministerium spricht von Terror.

Hotel Intercontinental (Archiv)
REUTERS

Hotel Intercontinental (Archiv)


Vier bewaffnete Männer haben ein großes Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul angegriffen und sich in dem Gebäude Schießereien mit Spezialeinheiten geliefert. Berichten zufolge nahmen sie Geiseln.

Am Abend wurden Einzelheiten über den Angriff bekannt: Ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, sagte, die Männer seien um kurz nach 21 Uhr (Ortszeit) in das Hotel eingedrungen. Aus dem Gebäude waren Schüsse zu hören. Ein Angreifer wurde nach Angaben des Innenministeriums getötet. Zu möglichen Opfern unter den Hotelgästen und dem Personal gab es zunächst keine Angaben.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge nahmen die Angreifer auch Geiseln. Dazu gab es jedoch keine näheren Informationen.

Ein anderer Innenministeriumssprecher, Nadschib Danisch, sprach zuvor von einem Terrorangriff. Mehrere Gäste seien in Sicherheit gebracht worden. Sicherheitskräfte hätten die unteren Stockwerke gesichert und seien dabei, die oberen nach den Angreifern zu durchsuchen. Der Sender Tolo TV hatte unter Berufung auf Polizeiquellen gemeldet, die Angreifer hätten einige Menschen getötet und andere als Geiseln genommen.

Offensichtlich seien die Angreifer von der Rückseite aus durch die Küche in das Hotel eingedrungen, sagte Danisch. Es habe zu der Zeit keine Veranstaltung gegeben. Es seien Gäste im Hotel gewesen, aber wie viele und ob unter ihnen Ausländer seien, könne er noch nicht sagen.

Möglicherweise Regierungsbeamte im Gebäude

Der Sender 1TV meldete hingegen, im Hotel habe an dem Tag eine Konferenz afghanischer Computerexperten stattgefunden. Rund hundert Menschen hätten teilgenommen, offensichtlich auch Regierungsbeamte. Vor der Verschlechterung der Sicherheitslage in Afghanistan war das Haus auch bei internationalen Gästen sehr beliebt. Ihre Zahl hat aber abgenommen.

Das Innenministerium erklärte, die Angreifer hätten in der Küche Feuer gelegt und sich im vierten und fünften Stockwerk verschanzt. Zunächst habe man nur Schusswechsel, aber nicht die Detonation von Sprengstoffwesten gehört. Der Sender Tolo TV zitierte allerdings Anwohner, die sagten, sie hätten zwei Explosionen gehört.

Das Hotel, das schwer bewacht auf einem bewaldeten Hügel an einer großen Straße liegt, war bereits 2011 einmal Ziel eines Angriffs. Die radikalislamischen Taliban hatten damals neun Attentäter losgeschickt, die es schafften, mehrere Sicherheitsposten zu überwinden. Sie rannten die Hotelflure auf und ab und schossen in Zimmer. 21 Menschen, Hotelangestellte und Sicherheitskräfte, wurden getötet.

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) mit insgesamt mehr als 500 Toten. Bei dem ersten Anschlag im neuen Jahr auf einen Sicherheitsposten in einem Wohn- und Geschäftsviertel waren Anfang Januar mindestens 20 Menschen getötet und 30 verletzt worden.

hut/kry/dpa/AFP/Reuters



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