Afghanistan: Bundeswehr befiehlt Luftangriff auf Aufständische

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Bundeswehrsoldaten in Kundus: Luftangriff tötet zehn Rebellen

Nach einem Angriff durch Aufständische in Afghanistan hat die Bundeswehr Luftunterstützung angefordert und das Rebellenlager bombardieren lassen. Bei einem weiteren Nato-Luftangriff im Osten des Landes wurden zehn Menschen getötet.

Kunduz - Auf Befehl der Bundeswehr sind im nordafghanischen Kunduz Aufständische von einem US-Jet bombardiert worden. Der Einsatz erfolgte am Samstagnachmittag Ortszeit nach einem Angriff auf einen Außenposten der afghanischen Streitkräfte bei Isa Khel, etwa 3,5 Kilometer westlich des deutschen Feldlagers.

Bei dem Abwurf einer Bombe durch die zur Unterstützung angeforderten Kampfflugzeuge seien vermutlich drei Aufständische getötet worden, teilte das Einsatzführungskommando der Bundeswehr am Sonntag mit, nach ersten Untersuchungen wurden keine Zivilisten getötet.

Vor dem Bombardement habe der Kampfjet vom Typ A-10 das Gebiet zweimal zur Warnung überflogen, aber keine Wirkung erzielt. Daher habe der zuständige deutsche Kommandeur in Kunduz schließlich die Anweisung zum Abwurf einer Bombe auf die Gruppe Aufständischer gegeben. Bei dem Einsatz seien alle Regeln und Vorschriften der internationalen Schutztruppe Isaf eingehalten worden.

Die Provinz Kunduz, in der sich der Angriff ereignete, gehört zum deutschen Einsatzgebiet im Norden Afghanistans. Derzeit sind noch 4400 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan stationiert. Wie der Bundeswehrsprecher betonte, waren bei dem Vorfall am Samstag keine Bundeswehrsoldaten direkt beteiligt.

Unterschiedliche Angaben über zivile Opfer

Bei einem Nato-Luftangriff im Osten Afghanistans sind derweil mindestens sechzehn Menschen getötet worden, darunter zehn Zivilisten. Ziel des Angriffs seien feindliche Kämpfer gewesen, teilte die internationale Schutztruppe in Afghanistan am Sonntag weiter mit.

Die Provinz Kunar im Osten des Landes an der Grenze zu Pakistan gilt als Hochburg der radikalislamischen Taliban und anderer militanter Gruppen. Zivile Opfer von Nato-Luftangriffen sorgen immer wieder für Streit und schwere Spannungen zwischen der Führung in Kabul und der Nato.

Zalmai Yousofi, für die Watapur-Region verantwortlich, wo sich der Luftschlag ereignete, schilderte den Angriff am Telefon so: "Die Raketen trafen einen Pick-Up, auf dem Frauen und Kinder fuhren, nachdem sechs Aufständische, darunter drei Araber, zugestiegen waren."

Nach Angaben von Yousofi waren unter den Opfern vier Frauen, vier Kinder und die beiden Fahrer. Bei den restlichen sechs Toten handele es sich um Taliban-Kämpfer. Der Polizeichef von Kunar, Abdul Habib Sayed Khili, bestätigte den Vorfall. Es gebe Zeugenaussagen, dass es sich dabei um den Angriff einer Drohne gehandelt habe, sagte er. Offiziell bestätigen wollte er das nicht.

Die Taliban hingegen bestreiten, dass es Opfer unter ihren Kämpfern gegeben habe. "Es wurden keine Mudschahidin getötet, lediglich 17 zivile Opfer, unter ihnen Frauen und Kinder", sagte Zabiullah Mojahid, Talibansprecher, SPIEGEL ONLINE.

Die Nato-Truppe Isaf erklärte bislang nur, es habe am Samstag in dem Gebiet einen gezielten Angriff auf Aufständische gegeben. Zehn Kämpfer seien getötet worden. Berichte über zivile Opfer lägen bislang nicht vor, hieß es in einer Erklärung. Der Vorfall würde aber genau geprüft werden.

mhe/dpa/afp

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1. Hervorragend!
jautaealis 08.09.2013
Ob in Afghanistan oder Syrien oder wo auch immer sonst: Rebellen können nicht genug in die Schranken gewiesen werden, sonst ist kein zivilisiert-vertrauensvoll-friedliches Zusammenleben von Menschen möglich... Die NATO und Deutschland sind in Afghanistan von Anfang an auf der richtigen Seite – sie sollten es nun endlich auch in Syrien sein und ihre fatale, Abertausende Menschenleben kostende Fehlentscheidung revidieren........
2. Wo ist eigentlich das Problem
gesterngingsnoch 08.09.2013
wenn Taliban bombardiert werden? Es sei nebenbei mal angemerkt, daß sich diese Terrorbanden herzlich wenig um ISAF-Vorschriften, um Völkerrecht oder die Haager Landkriegsordnung scheren...
3. Vor 7 Tagen
AhzekAhriman 08.09.2013
wurde ein Warnschuss auf Taliban-Kämpfer abgegeben. Der Schuss wurde ordnungsgemäß 24 Stunden vorher beim Bundestag beantragt und bei der NATO-Truppe ISAF 1 Minute nach Abgabe gemeldet. Auch bei der Europäischen Union wurde alles im Vorfeld schriftlich und ausführlich eingereicht. Und Mutti hat auch zähneknirschend zugestimmt. Wir hoffen alle das solch ein massiver Einsatz nie wieder vorkommt.
4. Immer das selbe
Valis 08.09.2013
Sobald ein Luftschlag erfolgt ist kommen Afghanen und forden Schadensersatzforderungen für Angehörige die durch den Angriff angeblich getötet worden sind! Was sollen Frauen und Kinder an einem Ort an dem seit Stunden gekämpft wird? Ich war selbst in Isa Kehl, ich war selbst dort am Kämpfen. Auch am Karfreitag. Nach Stunden im Feuerkampf sind da keine Frauen und Kinder mehr!
5. Jaja, da wirft man dem Assad
erasmus89 08.09.2013
vor, er bombadiere seine eigene Bevölkerung. Sowohl Assad und die NATO sitzen in einem Boot. Beide kämpfen gegen eine Aufstandsbewegung und nehmen durch Bombardierungen "Kollateralschäden" billigend in Kauf. Der Westen sollte ganz schön ruhig sein, was das Thema angeht.
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