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Afghanistan: Bundeswehr befürchtet Machtgewinn der Taliban

Afghanische Kämpfer nahe Kunduz: Verschlechterung der Sicherheitslage Zur Großansicht
DPA

Afghanische Kämpfer nahe Kunduz: Verschlechterung der Sicherheitslage

Düstere Prognose für Afghanistan: Laut einem Zeitungsbericht fürchten Bundeswehrexperten 2016 eine steigende Bedrohungslage am Hindukusch. Afghanische Sicherheitskräfte könnten in einigen Regionen die Kontrolle verlieren.

In Afghanistan droht nach Meinung der Bundeswehr eine neue massive Offensive der radikal-islamischen Taliban. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf den "Ausblick Sicherheitslage 2016" berichtet, wird den Taliban eine "zunehmend erfolgreiche Kampfführung" bescheinigt, die in Afghanistan "insgesamt zu einer Verschlechterung der Sicherheits- und Bedrohungslage" führe.

Die Islamisten könnten ihre Aktionen "effektiver koordinieren" und in größeren Gruppen auftreten, heißt es in dem Bundeswehrbericht weiter. Parallel drohe ein Zusammenbruch der afghanischen Sicherheitskräfte, die jahrelang - auch von der Bundeswehr - aufgebaut worden waren.

Mit Blick auf das kommende Jahr prognostiziert die Bundeswehr: "Neben der zukünftig auch dauerhaften Kontrolle von einzelnen Distriktzentren in militanten Kernräumen sind 2016 auch verstärkte, umfangreiche, ausgeplante und gut koordinierte Angriffe auf Provinzzentren wahrscheinlich. Dabei ist auch ein zeitlich befristeter Kontrollverlust der afghanischen Sicherheitskräfte möglich."

Die Mehrzahl der Provinzhauptstädte in Afghanistan sei zwar noch "ausreichend kontrollierbar", viele ländliche Gebiete hingegen seien überwiegend oder gar nicht mehr zu kontrollieren.

Von der Leyen in Nordafghanistan

Wegen der angespannten Sicherheitslage im Land hatte die Nato erst vor wenigen Tagen ihren geplanten Truppenabzug aus Afghanistan vorerst gestoppt. Der Einsatz am Hindukusch soll nächstes Jahr mit fast unverändertem Aufwand fortgesetzt werden.

Die Truppe der deutschen Bundeswehr soll dabei sogar wieder von 850 auf bis zu 980 Soldaten aufgestockt werden. Ursprünglich war schon für das kommende Frühjahr der Rückzug der Nato-Truppen aus den Provinzen in die Hauptstadt Kabul geplant.

Kurz vor der geplanten Ausweitung des Afghanistan-Einsatzes besucht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen die deutschen Soldaten am Hindukusch. Die CDU-Politikerin traf am Sonntagabend im Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif ein, wo Soldaten aus 21 Ländern zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte stationiert sind.

Die Truppenbesuche der Verteidigungsminister kurz vor Weihnachten haben Tradition. Von der Leyen will am Montag mit deutschen und afghanischen Soldaten sprechen, um sich über den Stand der Ausbildung zu informieren.

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 63 Beiträge
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1. Jetzt raus.
windpillow 06.12.2015
Der einzige Unterschied dazu, ob sich die BW jetzt oder erst in 5 Jahren aus Afghanistan zurück zieht ist, -daß in 5 Jahren noch ca. 100 tote deutsche Soldaten dazu kommen.
2. Hirnrissig
whitemouse 06.12.2015
Der Afghanistaneinsatz war hirnrissig, ist hirnrissig und bleibt hirnrissig. Es gibt kein einziges definiertes realistisch errerichbares Ziel, mal ganz davon abgesehen, dass Deutschland keine Interessen in diesem Gebiet hat, die überhaupt irgendeinen Einsatz rechtfertigen könnten. Richtig wäre es, die Soldaten dort in ein Bündnis mit Frankreich und Russland zur Bekämpfung des IS einzubringen. Und ja, wer den IS ernsthaft bekämpfen will, muss mit dem Schurken Assad zusammenarbeiten. Machen wir uns doch nichts vor: Wenn die Schurken Saddam Hussein und Gaddafi noch an der Macht wären, wären Irak und Lybien nicht so instabil geworden und der Mehrzahl der Menschen dort ginge es besser. Sie müssen für die Narreteien der USA bezahlen.
3. wer hätte das gedacht?
ocean_max 06.12.2015
Es ist erstaunlich, wie naiv und ignorant Politiker wichtige Entscheidungen treffen, ohne die Zusammenhänge und die Geschichte zu kennen. Ein Land wie Afghanistan kann man nicht erobern. Ein Land wie Afghanistan kann man von Aussen nicht befrieden. Die deutschen Politiker, die deutsche Soldaten nach Afghanistan sendeten, hätten ihre eigenen Söhne und Töchter einsenden sollen, dann hätten sie zwei mal nachgedacht. So viel unnötiges Leid, auf allen Seiten, so viel Elend das kein Ende hat. Länder wie dieses, können sich nur von innen heraus und durch sich selbst befrieden. Die westliche Scheindemokratie kann man nicht in archaische denkende Köpfen innerhalb von kurzer Zeit implantieren - auch wenn man es noch so gerne möchte.
4. Sinnloser Einsatz
dirk1962 06.12.2015
Wer die Prognose für das nächste Jahr liest, der kommt zu dem Ergebnis, dass der bisherige Einsatz der BW absolut sinnlos war. Was also soll es bringen, dort länger Soldaten im Land zu lassen? Haben wir etwas gelernt aus dem Einsatz? Leider nein, mit der gleichen Naivität schicken wir unsere Soldaten ins nächste Desaster.
5. noch keine 1000 Mann
amdorf 06.12.2015
Was will man mit so einer kleinen Truppe in Afghanistan ausrichten? Dafür benötigt man mehr Truppen, Panzer, Hubschrauber und Flugzeuge. Und den Willen zu kämpfen.
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Fläche: 652.864 km²

Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
Ashraf Ghani Ahmadsai

Regierungschef: Abdullah Abdullah

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