Abzug aus Afghanistan: Bundeswehr schließt Transit-Abkommen mit Türkei

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Bundeswehr-Schützenpanzer "Marder" in Afghanistan: Rücktransport über die Türkei geplant Zur Großansicht
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Bundeswehr-Schützenpanzer "Marder" in Afghanistan: Rücktransport über die Türkei geplant

Es ist ein entscheidender Schritt für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan: Noch am Freitag will die Bundeswehr mit der Türkei ein Abkommen für den Rücktransport von Material und Fahrzeugen vom Hindukusch unterzeichnen. Schon ab April soll der Rücktransport beginnen.

Berlin - Mit der Unterzeichnung eines Abkommens mit der Türkei hat die Bundeswehr eine wichtige Weiche für den geplanten Abzug der deutschen Truppe aus Afghanistan gestellt. Am Freitag sollen Vertreter der beiden Regierungen ein sogenanntes Memorandum of Understanding unterzeichnen. Dieser Abzugspakt erlaubt der Bundeswehr, einen Großteil ihres Militärmaterials aus Afghanistan über den türkischen Hafen Trabzon in Richtung Deutschland zu verschiffen. Ab April dann sollen Militärmaschinen der Bundeswehr mit der - intern stets Rückverlegung statt Abzug titulierten - Mission beginnen können.

Für die Bundeswehr ist das Abkommen mit der Türkei strategisch wichtig, denn der Abzug aus Afghanistan ist abseits der militärischen Lage vor Ort und den vielen Zweifeln über die Zukunft des Landes nach dem Jahr 2014 ein logistischer Herkules-Akt. Da die Landrouten aus Afghanistan heraus mehr als instabil sind, haben die Planer deswegen seit Monaten mit der Türkei verhandelt, um den Flughafen Trabzon benutzen zu dürfen. Per Flugzeug aus Afghanistan angekommen, sollen schwer gepanzerte Dingo-Fahrzeuge oder Container voll mit anderem Militärmaterial umgeladen und im Hafen der Stadt auf Schiffe umgeladen werden.

Die Menge an Material ist riesig. In Bundeswehrkreisen ist von 6000 Containern mit Material und 1700 Fahrzeugen die Rede. Bis zuletzt rang man mit der Türkei um die Erlaubnis, dass die Bundeswehr auch bewaffnete Fahrzeuge wie Radpanzer über Trabzon transportieren darf. Am Mittwoch unterrichtete der zuständige Staatssekretär den Verteidigungsausschuss, dass man eine solche Genehmigung von der türkischen Seite bekommen habe. Sensibles Material wie die Handwaffen und Sturmgewehre der Soldaten sollen jedoch trotz der Erlaubnis per Flugzeug direkt nach Deutschland geflogen werden - ein solches Vorgehen ist auch bei den anderen Nato-Nationen in Afghanistan durchaus üblich.

Noch 2013 soll das Feldlager Kunduz schließen

Mit dem Abkommen kann der Abzug aus Afghanistan nun starten. Derzeit bauen die Soldaten am Hindukusch bereits einen kleineren Außenposten nahe der Stadt Baghlan in Nordafghanistan ab. Noch dieses Jahr will die Truppe laut eigenen Angaben auch das größere Feldlager Kunduz, dort sind derzeit noch rund tausend Soldaten im Einsatz, schließen und dann Material und Fahrzeuge in Richtung Deutschland schicken. Derzeit sind am Hindukusch rund 4560 Soldaten stationiert. Innerhalb der kommenden Monate bis Frühling 2014 soll die Zahl auf bis zu 3300 reduziert werden. Bis Ende 2014 dann sollen alle Kampftruppen der Nato-Mission Isaf, derzeit sind noch rund 100.000 Mann im Einsatz, aus Afghanistan abgezogen sein.

Wie die Mission Afghanistan für Deutschland weitergeht, ist indes noch nicht ganz klar. Zwar hat sich Berlin wie die anderen Nato-Nationen bereit erklärt, für eine Ausbildungsmission nach dem Jahr 2014 Soldaten zur Verfügung zu stellen. Die Details aber sind noch nicht bekannt, im Bundestagsausschuss kündigte der Staatssekretär am Mittwoch für den Frühsommer die Vorstellung eines Grob-Plans an. Innerhalb der Bundeswehr war in den vergangenen Monaten stets von einer Truppenstärke von 1000 bis 1500 Mann die Rede. Festlegen will sich aber schon aus politischen Gründen niemand, von der Regierung heißt es stets nur, dass die neue Mission keine Kampfoperation gegen die Taliban, sondern eine reine Unterstützung der afghanischen Armee beinhalten soll.

Die USA hatten Deutschland in den vergangenen Monaten offensiv gedrängt, bei der neuen Mission eine wichtige Rolle zu spielen. So möchte man im Pentagon gern, dass die Bundeswehr weiterhin ihre militärische Führungsrolle in Nordafghanistan behält und dort das Kommando über die Ausbilder der Nato-Staaten und einiger anderer Nationen übernimmt. Willigt Deutschland ein, käme auf die Bundeswehr einiges zu. Allein der Betrieb des großen Feldlagers in Masar-i-Scharif bindet viele Soldaten - von einer Mini-Mission nach 2014 könnte dann wohl keine Rede mehr sein.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hält sich bisher mit eindeutigen Aussagen zurück, will aber noch vor der Bundestagswahl seine Planungen für Afghanistan bekanntmachen.

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Trabzon? Wieso nicht Batumi, das ist doch viel einfacher.
Hamberliner 15.03.2013
Zitat von sysopREUTERSEs ist ein entscheidender Schritt für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan: Noch am Freitag will die Bundeswehr mit der Türkei ein Abkommen für den Rücktransport von Material und Fahrzeugen vom Hindukusch unterzeichnen. Schon ab April soll der Rücktransport beginnen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-bundeswehr-schliesst-abzugs-abkommen-mit-der-tuerkei-a-889110.html
Das verstehe wer will, ich versteh es nicht. Um unter Umgehung des Iran auf dem Landweg von Afghanistan in den Westen zu kommen muss man durch Turkmenistan, je nach politischer Situation vorher vielleicht sogar noch durch Uzbekistan, dann mit der Fähre von Turkmenbashi nach Baku, dann von Azerbaidjan nach Georgien. Wenn man in Georgien angekommen ist, kann man doch den Krempel genausogut in Batumi oder Poti verschiffen, wozu der Umweg über die Türkei? Ich war vorigen Urlaub in den Ländern südlich des Kaukasus und an der türkischen Schwarzmeerküste, hab mir die Häfen von Batumi und auch von Trabzon angesehen und empfinde den von Batumi mindestens so geeignet wie den von Trabzon. Außerdem kann man höchstwahrscheinlich auch Güterzüge benutzen. Von Batumi nach Illyechvsk bei Odessa verkehren RoPaxe mit Gleisen an Deck, weil der Güter-Bahnverkehr in der Südkaukasus-Region und Zentralasien eine wichtige Rolle spielt, und es würde mich wundern wenn die Aserbaidjanischen Fähren auf dem Kaspischen Meer nicht auch Bahnwaggons transportieren könnten. Last not least: In Georgien können unsere Soldaten überall auch zum Essen ein Bier bekommen, in Trabzon ist das schwierig und nur in diskreten Hinterzimmern möglich. Inwieweit sie in der Türkei willkommen sind wissen wir ja.
2. Steuergelder
leser008 15.03.2013
Wie sieht das denn mit den Kosten aus ? Panzer fliegen ? Von Kunduz böte sich ja eigentlich ein Transport per Tieflader durch Uzbekistan und dann mit der Transsib nach Deutschland an. Fliegen und dann noch die Türkei schmieren hört sich insgesamt teurer und komplizierter an.
3. Was soll das denn?
seine-et-marnais 15.03.2013
Zitat von sysopREUTERSEs ist ein entscheidender Schritt für den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan: Noch am Freitag will die Bundeswehr mit der Türkei ein Abkommen für den Rücktransport von Material und Fahrzeugen vom Hindukusch unterzeichnen. Schon ab April soll der Rücktransport beginnen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-bundeswehr-schliesst-abzugs-abkommen-mit-der-tuerkei-a-889110.html
Ich gehe mal davon aus dass die Bundeswehr in etwa die gleichen Transportprobleme hat wie die Französische Armee. Da aber kein noch so verschlungener Weg von Afghanistan in die Türkei führt ohne durch den Iran, oder durch Turkmenistan oder Usbekistan, dann Russland und Georgien, oder durch Turkmenistan per Schiff übers Kaspische Meer nach Aserbaidschan und dann Armenien und Georgien in die Türkei führt, muss die Bundeswehr alles per Flugzeug abtransportieren. Für Frankreich bestand/besteht das Problem dass nur Russland oder Weissrussland die entsprechenden Antonovs besitzen, also nützt auch Trabzon gar nichts da ohne russische/weissrussische Hilfe das Bundeswehrmaterial gar nicht dahin kommt. Aber schön, die deutsch-türkische Zusammenarbeit wird gewürdigt, auch wenn ohne weiss- / russische Bereitschaft nix geht. Das wird aber geflissentlich vergessen.
4. optional
carlo02 15.03.2013
wie machen das die usa?
5. Bis auf die PZH 2000 ( 2 Stück)
servius 15.03.2013
haben wir dort hinsichtlich der panzer eh nur Altgerät. Der Marder ist eh fix und fertig , warum sowas zurücktransportieren. kanone zuschweißen, Öl ablassen , und auf einen Kinderspielplatz stellen. Basta . Die kleinen haben einene Heidenspass dran.
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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Ausrüstung der Bundeswehr
Mit welcher Ausrüstung arbeitet die Bundeswehr in Afghanistan? Panzer, Mörser, Hubschrauber - klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren
Panzer
DDP
Zehn der vor mehr als 30 Jahren eingeführten Schützenpanzer "Marder" stehen der Bundeswehr in Afghanistan zur Verfügung. Für die deutsch-afghanische Militäroffensive im Juli 2009 wurden vier der Panzer von Masar-i-Scharif in die Krisenregion Kunduz verlegt und während der neuntägigen Offensive erstmals in einem Gefecht eingesetzt. Die 20-Millimeter-Bordkanone hat eine Reichweite bis höchstens 2000 Meter - Offiziere sehen hier Probleme beim Kampf gegen Taliban über größere Distanz. Der einst für norddeutsche Bedingungen konstruierte Panzer hat keine Klimaanlage.

dpa
Auch zwei Bergepanzer hat die Bundeswehr nach Afghanistan verlegt. Diese Fahrzeuge werden zum Bergen und Abschub von Material eingesetzt. Sie sind mit einem Kran und Winden ausgerüstet und dienen auch als Hebemittel bei der Instandsetzung. Zur weiteren Ausstattung dieser Panzer gehört zudem eine Schneid- und Schweißanlage.

REUTERS
Nicht in Afghanistan stationiert sind bisher schwere Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2", dem Standard-Kampfpanzer der Bundeswehr. Derzeit verfügt das Heer über 350 dieser Geräte. Gedacht ist der Panzer eigentlich, um in einem Krieg an vorderster Front feindliche Panzer zu vernichten. Die Kanone des "Leopard 2" hat eine Reichweite von mehr als vier Kilometern. Die Geschosse durchschlagen mehrere Dezimeter dicken Stahl und bringen beim Aufprall Metall zum Schmelzen. Das Fahrzeug hat einen 1500 PS starken Dieselmotor, fährt bis zu 70 km/h schnell und kann bis zu vier Meter tiefe Gewässer durchqueren.
Panzerhaubitzen
DPA
Angesichts der angespannten Sicherheitslage wurden insgesamt drei Panzerhaubitzen 2000 in Afghanistan stationiert. Eine davon wurde ins deutsche Feldlager im nordafghanischen Kunduz verlegt.

Es ist das schwerste Geschütz, das die Bundeswehr je in einen Einsatz geschickt hat. Die Panzerhaubitze 2000 ist elf Meter lang und hat ein Gefechtsgewicht von 56 Tonnen. Die 155-Millimeter-Kanone kann 40 Kilometer weit schießen und selbst auf diese Entfernung auf 30 Meter genau treffen.

Mörser
Erstmals setzte die Bundeswehr im Jahr 2009 Mörser mit scharfer Munition ein. Der 120-Millimeter-Mörser "Tampella" stand schon länger zur Verfügung. Doch Deutschland wollte die dazugehörigen Granaten nicht verwenden, um den Tod von Zivilisten und eigenen Soldaten von vornherein auszuschließen. Bislang setzte die Bundeswehr auf Abschreckung durch Leuchtmunition.
Gewehre
Die Bundeswehr verwendet das Sturmgewehr G36, die Standard-Infanteriewaffe der Bundeswehr.
Transportfahrzeuge
DPA
Die Bundeswehr hat 970 zum Teil stark geschützte Fahrzeuge in Afghanistan, darunter 210 vom Typ "Dingo". Ferner fahren die Soldaten mit dem "Fuchs"-Transportpanzer (100) und dem leicht gepanzerten Militärfahrzeug "Eagle". Auch Geländewagen vom Typ "Wolf" (400) sind dort sowie das Mehrzweckfahrzeug "Mungo". Beide Fahrzeuge bieten bei Anschlägen kaum Schutz. Der "Mungo" wurde aus dem Kleinlaster "Multicar" entwickelt, der in vielen deutschen Kommunen zur Reinigung von Gehwegen verwendet wird.
Hubschrauber
Getty Images
Die Bundeswehr hat in Afghanistan keine eigenen Kampfhubschrauber, die Patrouillen schützen oder in Kämpfe am Boden aus der Luft eingreifen könnten. Die sogenannte Luftnahunterstützung im Gefechtsfall kommt von Isaf-Verbündeten. Die bereits an Deutschland ausgelieferten Modelle des europäischen Kampfhubschraubers "Tiger" sind wegen technischer Probleme noch nicht einsatzbereit. Für Lufttransporte stehen acht Hubschrauber "Sikorsky CH-53" zur Verfügung.
Transportflugzeuge
AP
Am Hindukusch sind acht "Transall" stationiert, die in den sechziger Jahren eingeführt wurden und eigentlich 2010 vom A400M abgelöst werden sollten. Wegen Entwicklungsproblemen des Herstellers wird der A400M nun aber erst Jahre später bereitstehen.
Aufklärungsflugzeuge
ddp
Recce-Tornados waren von April 2007 bis Ende November 2010 im Einsatz. Die sechs Flugzeuge waren in Masar-i-Scharif stationiert. Sie haben zwei Bordkanonen, die während des Einsatzes in Afghanistan ausschließlich dem Selbstschutz dienten. Einziger Auftrag der Tornados war wie bei den Nato-Awacs-Maschinen die Aufklärung. Die Awacs-Flugzeuge sind unbewaffnet und können nach Bundeswehrangaben im Gegensatz zu den Tornados keine Ziele am Boden ausmachen. Die Awacs-Besatzungen sollen durch Koordinierung für Sicherheit in der Luft sorgen, weil der zivile Flugverkehr massiv angestiegen ist und Kollisionen mit den Militärmaschinen der internationalen Truppen verhindert werden sollen. Die Taliban haben keine Flugzeuge oder Hubschrauber.