Von Matthias Gebauer
Berlin - Mit der Unterzeichnung eines Abkommens mit der Türkei hat die Bundeswehr eine wichtige Weiche für den geplanten Abzug der deutschen Truppe aus Afghanistan gestellt. Am Freitag sollen Vertreter der beiden Regierungen ein sogenanntes Memorandum of Understanding unterzeichnen. Dieser Abzugspakt erlaubt der Bundeswehr, einen Großteil ihres Militärmaterials aus Afghanistan über den türkischen Hafen Trabzon in Richtung Deutschland zu verschiffen. Ab April dann sollen Militärmaschinen der Bundeswehr mit der - intern stets Rückverlegung statt Abzug titulierten - Mission beginnen können.
Für die Bundeswehr ist das Abkommen mit der Türkei strategisch wichtig, denn der Abzug aus Afghanistan ist abseits der militärischen Lage vor Ort und den vielen Zweifeln über die Zukunft des Landes nach dem Jahr 2014 ein logistischer Herkules-Akt. Da die Landrouten aus Afghanistan heraus mehr als instabil sind, haben die Planer deswegen seit Monaten mit der Türkei verhandelt, um den Flughafen Trabzon benutzen zu dürfen. Per Flugzeug aus Afghanistan angekommen, sollen schwer gepanzerte Dingo-Fahrzeuge oder Container voll mit anderem Militärmaterial umgeladen und im Hafen der Stadt auf Schiffe umgeladen werden.
Die Menge an Material ist riesig. In Bundeswehrkreisen ist von 6000 Containern mit Material und 1700 Fahrzeugen die Rede. Bis zuletzt rang man mit der Türkei um die Erlaubnis, dass die Bundeswehr auch bewaffnete Fahrzeuge wie Radpanzer über Trabzon transportieren darf. Am Mittwoch unterrichtete der zuständige Staatssekretär den Verteidigungsausschuss, dass man eine solche Genehmigung von der türkischen Seite bekommen habe. Sensibles Material wie die Handwaffen und Sturmgewehre der Soldaten sollen jedoch trotz der Erlaubnis per Flugzeug direkt nach Deutschland geflogen werden - ein solches Vorgehen ist auch bei den anderen Nato-Nationen in Afghanistan durchaus üblich.
Noch 2013 soll das Feldlager Kunduz schließen
Mit dem Abkommen kann der Abzug aus Afghanistan nun starten. Derzeit bauen die Soldaten am Hindukusch bereits einen kleineren Außenposten nahe der Stadt Baghlan in Nordafghanistan ab. Noch dieses Jahr will die Truppe laut eigenen Angaben auch das größere Feldlager Kunduz, dort sind derzeit noch rund tausend Soldaten im Einsatz, schließen und dann Material und Fahrzeuge in Richtung Deutschland schicken. Derzeit sind am Hindukusch rund 4560 Soldaten stationiert. Innerhalb der kommenden Monate bis Frühling 2014 soll die Zahl auf bis zu 3300 reduziert werden. Bis Ende 2014 dann sollen alle Kampftruppen der Nato-Mission Isaf, derzeit sind noch rund 100.000 Mann im Einsatz, aus Afghanistan abgezogen sein.
Wie die Mission Afghanistan für Deutschland weitergeht, ist indes noch nicht ganz klar. Zwar hat sich Berlin wie die anderen Nato-Nationen bereit erklärt, für eine Ausbildungsmission nach dem Jahr 2014 Soldaten zur Verfügung zu stellen. Die Details aber sind noch nicht bekannt, im Bundestagsausschuss kündigte der Staatssekretär am Mittwoch für den Frühsommer die Vorstellung eines Grob-Plans an. Innerhalb der Bundeswehr war in den vergangenen Monaten stets von einer Truppenstärke von 1000 bis 1500 Mann die Rede. Festlegen will sich aber schon aus politischen Gründen niemand, von der Regierung heißt es stets nur, dass die neue Mission keine Kampfoperation gegen die Taliban, sondern eine reine Unterstützung der afghanischen Armee beinhalten soll.
Die USA hatten Deutschland in den vergangenen Monaten offensiv gedrängt, bei der neuen Mission eine wichtige Rolle zu spielen. So möchte man im Pentagon gern, dass die Bundeswehr weiterhin ihre militärische Führungsrolle in Nordafghanistan behält und dort das Kommando über die Ausbilder der Nato-Staaten und einiger anderer Nationen übernimmt. Willigt Deutschland ein, käme auf die Bundeswehr einiges zu. Allein der Betrieb des großen Feldlagers in Masar-i-Scharif bindet viele Soldaten - von einer Mini-Mission nach 2014 könnte dann wohl keine Rede mehr sein.
Verteidigungsminister Thomas de Maizière hält sich bisher mit eindeutigen Aussagen zurück, will aber noch vor der Bundestagswahl seine Planungen für Afghanistan bekanntmachen.
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