Afghanistan Bundeswehrverband beklagt Ausrüstungsmängel der Truppen

Die Bundeswehr soll eine schnelle Eingreiftruppe in Afghanistan stellen - dafür seien die Soldaten aber nicht ausgestattet, kritisiert der Vorsitzende des Bundeswehrverbands Gertz. Er fordert schnelles Handeln der Politik und klare Worte über den bevorstehenden "Kampfauftrag".


Passau - Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, ist beunruhigt über die mangelnde Ausrüstung deutscher Soldaten in Afghanistan: "Die Eingreifkräfte der Bundeswehr verfügen bisher nicht über funktionierende Geräte, mit denen sie mit den Verbündeten in Afghanistan kommunizieren könnten", sagte Gertz nach der Bitte der Nato, die Bundeswehr solle im Sommer eine schnelle Eingreiftruppe nach Nordafghanistan entsenden.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands Bernhard Gertz: "Hier muss der Verteidigungsminister investieren"
AP

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands Bernhard Gertz: "Hier muss der Verteidigungsminister investieren"

Er verlangte von Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) eine umgehende Behebung der Mängel: "Das muss schleunigst geändert werden. Hier muss der Verteidigungsminister investieren", so Gertz in der "Passauer Neuen Presse".

Auch Gefechtsfahrzeuge, die mit dem Hubschrauber CH53 transportiert werden können, fehlten, sagte Gertz. Hier setze die Bundeswehr auf die Hilfe des norwegischen Militärs, von dem gepanzerte Wiesel-Fahrzeuge und die entsprechenden Mörsergranaten übernommen würden.

Gleichzeitig forderte Gertz die Politik auf, den Einsatz als das zu bezeichnen, was er sei: "Wenn hier deutsche Soldaten aus der Gewalt der Taliban befreit werden müssen, ist das zweifellos ein Kampfauftrag", betonte der Oberst und wies auf die möglichen Risiken hin: "Jedem sollte auch klar sein, dass es bei diesen Einsätzen auch zu Verlusten auf der Seite der Gegner, aber auch auf der eigenen kommen kann." Gertz betonte, dass aber kein neues Mandat erforderlich sei, da "solche Schutzaufträge" Bestandteil des bisherigen Mandats seien.

Mangel an Waffensystemen für den Distanz-Kampf

Auch der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sieht "gravierende Ausrüstungsdefizite". So gebe es keine durchgehende, weiträumige Aufklärungskapazität zur Versorgung der Truppe mit Informationen in Echtzeit, sagte er dem Hörfunksender NDR Info. Außerdem fehle ein modernes, leistungsfähiges Führungs- und Informationssystem. Zudem mangele es an Waffensystemen, um Gegner auf größere Distanzen bekämpfen zu können.

Die seit längerem erwartete Bitte der Nato nach Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe war gestern in Berlin beim Verteidigungsministerium eingegangen. Seit Anfang 2006 stellt Norwegen diesen Kampfverband. Im Sommer will Norwegen die Verantwortung dafür aber an eine andere Nation abgeben. Im Bundestag wird fest mit einer baldigen Zusage Deutschlands gerechnet.

Karsai: Skepsis an geplanter Truppen-Verstärkung

Die Grünen warnen davor, dass die Entsendung der schnellen Eingreiftruppe nach Nordafghanistan zu einer Ausweitung des deutschen Einsatzes in den umkämpften Süden des Landes führt. Die sogenannte Quick Reaction Force (QRF) "darf kein Türöffner für die Bundeswehr in den Süden sein", sagte der Grünen-Verteidigungspolitiker Winfried Nachtwei der "Leipziger Volkszeitung". Es sei von entscheidender Bedeutung, "dass die Bundesregierung die Einhaltung der bisherigen Mandatsgrenzen garantiert". Die schnelle Eingreiftruppe dürfe nur zur Stabilisierung und Unterstützung im Norden Afghanistans eingesetzt werden, nicht aber zur "offensiven Aufstandsbekämpfung".

Unterdessen hat sich der afghanische Präsident Hamid Karsai skeptisch zu der geplanten Verstärkung ausländischer Truppen in seinem Land geäußert. "Ich bin nicht sicher, ob die Entsendung weiterer Truppen die richtige Antwort wäre", sagte Karsai im Gespräch mit der "Welt". "Für uns findet der Krieg nicht hier, sondern anderswo statt", sagte der Staatschef weiter. Wichtiger als das militärische Vorgehen gegen Terroristen sei es, sich auf die Zufluchtsstätten und Ausbildungslager zu konzentrieren. "Afghanistan ist keine Zufluchtsstätte. Es war eine, aber wir haben es uns zurückgeholt", sagte Karsai weiter. Mehr als alles andere brauche sein Land Hilfe beim Aufbau des Humankapitals und der Institutionen, erklärte Karsai.

anr/dpa/ddp/AP/AFP

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