Afghanistan CIA wirbt mit Viagra um neue Freunde

Bei der Suche nach Verbündeten gegen die Taliban verschenken US-Geheimdienstmitarbeiter in Afghanistan auch das Potenzmittel Viagra. Wie eine US-Zeitung berichtet, freuen sich vor allem ältere Warlords mit mehreren Ehefrauen über die blauen Pillen.


Hamburg - "Make love - not war" - der alte Slogan aus der amerikanischen Antikriegsbewegung wird auf überraschende Weise Realität - im vom Krieg gezeichneten Afghanistan. Dort nutzt die CIA auch die Potenzpille Viagra, um ältere Warlords für sich zu gewinnen, berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf Geheimdienstmitarbeiter. Besonders Männer mit mehreren Ehefrauen seien dankbar für die kleinen blauen Pillen, die bei Erektionsstörungen helfen sollen.

Potenzpille Viagra: Neuer Friedensstifter am Hindukusch?
AFP

Potenzpille Viagra: Neuer Friedensstifter am Hindukusch?

Die Potenzpille öffne Türen, berichten US-Agenten. So habe ein 60-jähriger Warlord, verheiratet mit vier jüngeren Frauen, vier Tage nach Erhalt einer Geschenkbox - bestehend aus vier Pillen - Nachschub verlangt. Als Gegenleistung bot der Afghane Informationen über Nachschubwege und Bewegungen der Taliban an. Genau darauf hatten es die CIA-Agenten abgesehen.

Um wertvolle Informationen über die Aufenthaltsorte der Taliban zu bekommen, nutzt der US-Geheimdienst CIA nicht nur blaue Pillen: Auch Taschenmesser, Werkzeug, Spielzeug, medizinische Hilfe oder Reisevisa könnten skeptische Afghanen auskunftsbereit machen.

Klassische Geschenke wie große Bargeldsummen oder Waffen schaffen nach Angaben der US-Agenten hingegen mitunter neue Probleme. Waffen gerieten in falsche Hände - und Geld, Schmuck oder Autos würden zu viel Aufsehen erregen. "Wenn man jemandem 1000 Dollar gibt, dann kauft er sich das Auffälligste, was er kriegen kann", berichtete Jamie Smith, ehemaliger CIA-Agent, der jetzt eine private Sicherheitsfirma leitet. Es sei offensichtlich, dass der Beschenkte plötzlich eine große Menge Geld bekommen habe. "Selbst wenn man ihn nicht umbringt, wird er als Quelle wertlos, weil jeder weiß, woher das Geld stammt", sagte er der "Washington Post".

In Afghanistan gehe es darum, die Bedürfnisse von Informanten zu befriedigen, ohne dass dies auffalle, erklärt der Ex-Agent. CIA-Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden wollten, betonten, dass ohne Geschenke in Afghanistan kaum etwas gehe. Wenn die Amerikaner nichts anböten, stünden schon andere bereit: Taliban, Drogenhändler und angeblich sogar iranische Agenten.

Sex gehört schon immer zu einem von Geheimdiensten genutzten Mitteln, um an wichtige Informationen zu gelangen. Der sowjetische Geheimdienst KGB nutzte attraktive Agentinnen, auch Honig-Fallen genannt, um Diplomaten auszuspionieren. Der DDR-Geheimdienst Stasi setzte spezielle Agenten, sogenannte Romeos, auf alleinstehende Frauen an, die beispielsweise als Sekretärin im Bonner Verteidigungsministerium arbeiteten. Geblendet von der angeblichen Liebe lieferten sie oft ohne ihr Wissen wichtige Informationen an das Mielke-Ministerium in Ost-Berlin.

hda



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