Afghanistan Tödlicher Anschlag auf Cousin von Karzai

Der Selbstmordattentäter verbarg den Sprengstoff in seinem Turban: Bei einem Anschlag in Afghanistan ist ein Cousin von Präsident Karzai getötet worden. Die Tat droht das Chaos um die Wahl im Krisenland zu verstärken.

Hashmat Karzai: Opfer eines Selbstmordanschlags
AFP

Hashmat Karzai: Opfer eines Selbstmordanschlags


Kabul - Hashmat Karzai, ein Vetter von Afghanistans Präsident Hamid Karzai, ist am Dienstag durch einen Selbstmordanschlag ums Leben gekommen. Der Täter kam nach Informationen von SPIEGEL ONLINE als Gast verkleidet zum Haus von Hashmat Karzai in der Nähe der Stadt Kandahar, um ihn zum religiösen Fest des Fastenbrechens zu grüßen.

Als die beiden sich umarmten, zündete der Mann einen Sprengsatz, den er unter seinem Turban versteckt hatte. Außer Hashmat Karzai und dem Täter wurde niemand verletzt oder getötet. Zu der Tat bekannte sich bislang keine Gruppierung.

Im Präsidentschaftswahlkampf hatte Hashmat Karzai zunächst für Hamid Karzais Bruder Kajum gearbeitet. Nachdem dieser seine Kandidatur zurückgezogen hatte, unterstützte er den Wahlkampf von Aschraf Ghani, der bei der Stichwahl um das Amt Mitte Juni gegen Abdullah Abdullah angetreten war.

Der Anschlag auf Ghanis engen Vertrauten ist ein weiterer Rückschlag im Chaos um die Wahl. Als Meilenstein für die erste friedliche Machtübergabe in der Geschichte des Landes geplant, entwickelt sich die Abstimmung seit Wochen immer mehr zum Fiasko. Zunächst beschuldigten sich beide Kandidaten massiv, die Wahl gefälscht zu haben und drohten mit gewaltsamen Protesten.

Erst durch eine langwierige Schlichtung des US-Außenministers John Kerry einigte man sich dann auf einen Deal: So soll der Verlierer der Stichwahl, die derzeit noch einmal komplett neu ausgehandelt wird, als eine Art Vizepräsident an der neuen Regierung beteiligt werden. Dafür muss in den kommenden zwei Jahren die afghanische Verfassung geändert werden.

Durch den Deal soll sichergestellt werden, so jedenfalls die Erklärung von westlichen Diplomaten, dass keiner der Kandidaten als Verlier erscheint, da dies in der afghanischen Gesellschaft einem kompletten Gesichtsverlust gleichkommt.

als/mgb/AFP/dpa/Reuters, mit Material von Shoib Najafizada



insgesamt 4 Beiträge
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issesdas 29.07.2014
1. Alle Kandidaten zu Präsidenten machen!
...Dann verliert keiner das Gesicht und bei der afghanischen Art der Problemklärung werden eh ein paar während einer Legislaturperiode weggesprengt. A bissl Schwund is halt immer.
juergw. 29.07.2014
2. Afghanischer Frühling ?
Zitat von sysopAFPDer Selbstmordattentäter verbarg den Sprengstoff in seinem Turban: Bei einem Anschlag in Afghanistan ist ein Cousin von Präsident Karzai getötet worden. Die Tat droht das Chaos um die Wahl im Krisenland zu verstärken. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-cousin-von-karzai-durch-anschlag-getoetet-a-983376.html
nach Libyen ,Syrien ,Irak endlich auch Frühling in Afghanistan. Überall dort ,wo die USA die Demokratie gebracht haben.Zur Belohnung noch Hundert tausende AK 47...
karit 29.07.2014
3. AK 47 aus den USA?
Die Lieferung von AK 47 kommt sicher nicht aus den USA, oder habe ich da etwas verpasst? Sieht aber so aus, als ob jeder der Sicherheitskräfte gleich über zwei Gewehre verfügen sollte. Dumm nur, wenn die Anzahl der Leute weiter reduziert werden sollte. Dann hat jeder vielleicht sogar drei davon ... Vielleicht ist das die Art von russischer Wirtschaftshilfe?
khalilp 29.07.2014
4. Unsinniger Zusammenhang
Es ist richtig, dass Herr Hashmat Karzai in der zweiten Runde der Wahlen in Afghanistan, Dr. Ashraf Ghani Ahmadzai unterstützt hat. Ein Zusammenhang dieser Tatsache mit dem Attentat, der hier suggeriert wird, halte ich jedoch für falsch.
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