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Abzug aus Afghanistan: Deutsche übergeben Camp Kunduz

Westerwelle und de Maizière beim Eintreffen im Feldlager: Kunduz als Zäsur für die Bundeswehr Zur Großansicht
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Westerwelle und de Maizière beim Eintreffen im Feldlager: Kunduz als Zäsur für die Bundeswehr

Letzter Akt in Kunduz: Verteidigungsminister de Maizière und Außenminister Westerwelle haben das Bundeswehr-Feldlager nach zehn Jahren an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. "Hier wurde geweint und getröstet, getötet und gefallen", sagte de Maizière.

Masar-i-Scharif - Thomas de Maizière (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) waren in den vergangenen Jahren häufig in Afghanistan - aber noch nie gemeinsam. Am Sonntagmorgen landeten der Verteidigungsminister und der Außenminister nun erstmals zusammen in Masar-i-Scharif, um ins Bundeswehr-Feldlager im nordafghanischen Kunduz zu fahren.

In einer feierlichen Zeremonie wollen sie das zweitgrößte deutsche Camp in Afghanistan noch am Sonntag an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Nach zehn Jahren endet damit offiziell der Einsatz deutscher Soldaten in der gefährlichsten Region Nordafghanistans.

De Maizière bezeichnete den Bundeswehreinsatz im Kunduz als Zäsur für die Bundeswehr und die gesamte deutsche Gesellschaft. "Kunduz, das ist für uns der Ort, an dem die Bundeswehr zum ersten Mal gekämpft hat, lernen musste, zu kämpfen", sagte de Maizière. "Auch wenn die Bundeswehr Kunduz heute verlässt: Vergessen werden wir diesen Ort niemals."

"Hier wurde geweint und getröstet, getötet und gefallen"

Kunduz habe die Bundeswehr geprägt wie kaum ein anderer Ort. "Hier wurde aufgebaut und gekämpft, geweint und getröstet, getötet und gefallen", sagte der Verteidigungsminister. Die letzten Bundeswehrsoldaten sollen bis Ende des Monats das Camp verlassen.

Westerwelle betonte, dass sich das deutsche Engagement in Afghanistan bisher gelohnt habe und weiter fortgesetzt werde. "Vieles ist heute besser in Afghanistan, aber noch lange ist nicht alles gut", sagte der FDP-Politiker. "Wir kehren den Menschen in Afghanistan nicht den Rücken." Das deutsche Engagement am Hindukusch bekomme ein immer zivileres Gesicht. Auf Rückschläge müsse man aber weiter gefasst sein.

Derzeit sind noch etwa 4000 deutsche Soldaten in Afghanistan, 900 davon in Kunduz. Nachdem sie das Camp verlassen haben, wird es von der afghanischen Armee und Polizei genutzt. Der Bundeswehr bleibt dann in Nordafghanistan nur noch ihr Hauptquartier in Masar-i-Scharif.

Massive Sicherheitsvorkehrungen

An der Übergabezeremonie werden auch der afghanische Verteidigungsminister Bismillah Khan Mohammadi und Innenminister Umer Daudsai teilnehmen. De Maizière und Westerwelle reisten erstmals gemeinsam nach Afghanistan, um die Bedeutung der Übergabe des Feldlagers zu unterstreichen. Westerwelle ist nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag nur noch bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt.

Die Zeremonie findet unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Die afghanischen Soldaten und Polizisten dürfen nur mit entladenen Waffen daran teilnehmen. Der Grund: In der Vergangenheit hat es immer wieder tödliche Angriffe von afghanischen Sicherheitskräfte auf Mitglieder der internationalen Schutztruppe Isaf gegeben. In einem Bundeswehrlager in der Provinz Baghlan waren 2011 drei Bundeswehrsoldaten von einem einheimischen Soldaten erschossen worden.

Die Schließung des Feldlagers in Kunduz ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg der Bundeswehr raus aus Afghanistan. Der Nato-Kampfeinsatz läuft Ende kommenden Jahres aus. Unter dem Namen "Resolute Support" (entschlossene Unterstützung) plant die Nato eine kleinere Nachfolgemission, an der sich Deutschland mit bis zu 800 Soldaten beteiligen will.

Die Sicherheitslage in Kunduz ist angespannt und hat sich in den vergangenen Monaten wieder verschlechtert. Insgesamt kostete der Afghanistan-Einsatz bislang 54 Bundeswehrsoldaten das Leben, 35 davon starben bei Angriffen und Anschlägen. Die meisten Deutschen fielen in Kunduz und der Nachbarprovinz Baghlan. Am Karfreitag 2010 wurde die Bundeswehr in Kunduz in die schwersten Gefechte ihrer Geschichte verwickelt, in einem Taliban-Hinterhalt starben drei deutsche Soldaten.

cib/dpa

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insgesamt 51 Beiträge
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1. Abzug aus AFG
lowi46 06.10.2013
Endlich, wurde Zeit, daß unsere Jungs wieder zurückkommen. Hier in Deutschland vergnügen sich die jungen Afghanen, haben nichts zu tun und kommen auf dumme Gedanken. Man sollte sie alle wieder zurückschicken , damit sie endlich für Frieden und Ordnung im eigenen Land kämpfen können und nicht, daß unsere Jungs den Kopf hinhalten müssen
2.
Susiisttot 06.10.2013
Zitat von sysopREUTERSLetzter Akt in Kunduz: Verteidigungsminister de Maizière und Außenminister Westerwelle sind in dem Bundeswehr-Feldlager eingetroffen, das nach zehn Jahren an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben wird: "Hier wurde geweint und getröstet, getötet und gefallen", sagte de Maizière. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-de-maiziere-und-westerwelle-uebergeben-camp-kunduz-a-926300.html
Insbesonders gefallen ganz sicher nicht auf Seiten der Befürworter in der Politik und der Kriegsgewinnler. Die saßen wie immer ganz weit weg vom Schuss. Und was hat es gebracht? Außer Spesen nichts gewesen. In Kürze wird es dort wieder so aussehen wie vorher.
3. Und, was haben die 10 Jahre des von G.W. Bush ...
santaponsa 06.10.2013
... angefangenen Krieges in Afghanistan gebracht? "Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt", so ein Blödsinn kann nur einem Politiker einfallen. Fakt ist: die Bundeswehr hat in A. etwas kämpfen und sterben gelernt, und zwar für einige Milliarden Euro in den Jahren. Stramme Leistung!
4. Waa soll man davon halten?
smst0123 06.10.2013
Gelegentlich stellt sich mir die Frage, für wen die Herren Politiker eigentlich vor Ort sind? Für sich? Das Amt? Die Bundesrepublik? Die Bevölkerung vor Ort? Die Politiker vor Ort oder diejenigen, die die Macht nach dem Abzug unter sich ausmachen werden? Um die "Wichtigkeit der Übergabe zu unterstreichen". Ahja. Ich behaupte mal, dass es der afghanischen Bevölkerung ziemlich egal ist, das Guido und Thomas durchs Land tingeln. Und die Radikalen wollen den beiden eh nur an die Gurgel. Ich fürchte, man führt diese Inszenierung nur ihrer selbst Willen durch und glaubt, dass es gut sei. Für die Bundeswehr? Die Bundesrepublik? Die Akzeptanz daheim? Ich weiss es nicht. Aber ich weiß, dass man die Sicherheitsorgane in Afghanistan wieder zu nutzlosen Statisten degradiert, wenn sie ohne Munition daneben stehen. Entweder vertraue ich darauf, dass das, was ich aufgebaut hat, funktioniert oder ich spare mir solch unwürdige Schauspiele. Mit Munition in den Waffen der afghanischen Polizisten und Solaten hätte man viel besser eine Wichtigkeit unterstreichen können.
5. Loser!
ringelpietz 06.10.2013
Zitat von sysopREUTERSLetzter Akt in Kunduz: Verteidigungsminister de Maizière und Außenminister Westerwelle sind in dem Bundeswehr-Feldlager eingetroffen, das nach zehn Jahren an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben wird: "Hier wurde geweint und getröstet, getötet und gefallen", sagte de Maizière. http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-de-maiziere-und-westerwelle-uebergeben-camp-kunduz-a-926300.html
Da man sich geweigert hat, den Feind zu vernichten, zieht man als Verlierer ab! Für die Menschen dort eine Katastrophe! Erinnert irgendwie an die holländischen Blauhelme in Srebrenica und die feigen Belgier in Ruanda 1994.
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