Afghanistan Deutsche Taliban prahlen mit tödlichen Anschlägen

Die "Deutschen Taliban-Mudschahidin" behaupten in einer Videobotschaft erstmals, dass sie Militärstützpunkte in Afghanistan angegriffen haben - mit tödlichen Folgen. In dem Film sind bisher unbekannte deutschsprachige Kämpfer zu sehen.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Erstmals bekennen sich die "Deutschen Taliban-Mudschahidin" zu tödlichen Anschläge in Afghanistan. Die relativ neue militante Gruppierung unter dem Kommando der Taliban brüstet sich in einem aktuellen Video damit, ein afghanisches Militärcamp und eine US-Basis in der Provinz Paktika angegriffen zu haben. Der Film liegt SPIEGEL ONLINE vor.

In dem Videofilm werden sechs unkenntlich gemachte "deutsche Taliban" mit ihrem Kampfnamen präsentiert, fünf von ihnen sprechen Deutsch. Ein weiterer Kämpfer namens "Sayfullah Amriki" äußert sich auf Englisch. Zudem ist ein Unvermummter zu sehen, bei dem es sich möglicherweise um den Saarländer Eric Breininger handelt. Er wird schon seit Jahren in Afghanistan vermutet.

Das Video zeigt angeblich Angriffe auf ein Camp der afghanischen Armee in Lwora in der Provinz Paktika. "Die Deutschen Taliban-Mudschahidin haben bei der Operation acht militärische Fahrzeuge vernichtet und viele afghanische Murtaddin (vom Glauben Abgefallene, Anmerkung der Redaktion) getötet", erklärt ein Sprecher. Die Soldaten seien geflohen und das Camp sei eingenommen worden. Bilder demonstrieren angeblich, wie die Kämpfer ihre "Beute" in Augenschein nehmen.

Angriff an Weihnachten

Ein Kämpfer namens Abu Abdallah al-Almani erklärt: "Allah macht die Ungläubigen blind." Ein weiterer Mann namens Abd al-Fattah al-Muhadschir ruft derweil auf Deutsch seine Glaubensgeschwister dazu auf, ebenfalls in den bewaffneten Kampf zu ziehen oder wenigstens Geld zu spenden. Von einem weiteren Kämpfer namens Ayyub al-Almani ("Der Deutsche") werden ebenfalls Bilder gezeigt.

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Terrorvideo aus Afghanistan: Propaganda mit angeblichen Attacken
Weitere Sequenzen zeigen angeblich eine zweite "Operation" ebenfalls in Paktika, aber in einem Ort namens Murga. Diesmal handele es sich bei dem Ziel um eine gemeinsame afghanische und US-amerikanische Basis. Ein Kämpfer namens Hamza al-Majaari erklärt auf Deutsch, gestern sei der "24. Dezember nach dem gregorianischern Kalender" gewesen und man habe den Soldaten die "vorweihnachtliche Stimmung" verdorben, indem man sechs Raketen auf das Camp abgefeuert habe.

Die "Deutschen Taliban-Mudschahidin" waren erstmals im Herbst 2009 in Erscheinung getreten. Im Umfeld der Bundestagswahl warnten sie in einem Film vor Anschlägen in Deutschland. Unter anderem blendeten sie Bilder des Brandenburger Tors und des Münchner Oktoberfests ein.

Deutsche Taliban fielen bisher vor allem durch Propaganda auf

Seither war die Gruppe mehrfach mit Propaganda in Erscheinung getreten, etwa indem sie al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel Erfolg wünschten oder Bestrebungen kritisierten, in EU-Staaten die Burka zu verbieten. Zuletzt hatten sie eine Audiobotschaft veröffentlicht, die sich vor allem um die angebliche Pflicht zum bewaffneten Kampf drehte.

Das aktuelle Video wurde auf mindestens einer einschlägigen dschihadistischen Website veröffentlicht; dieser Publikationsweg spricht für die Authentizität, für die es aber ansonsten keine unmittelbaren Beweise gibt. Das Band liegt auch dem Bundesamt für Verfassungsschutz vor und wird dort derzeit ausgewertet.

Wie schon vorherige Botschaften im Namen der "Deutschen Taliban-Mudschahidin" ist auch dieser Film von der Propaganda-Einheit "Eilfmedya" produziert worden. Dahinter verbirgt sich der Türke Ahmet M., der bis vor neun Jahren in Deutschland lebte und in der Vergangenheit nach eigenen Angaben als Sprecher der "Islamischen Dschihad-Union" (IJU) fungiert hatte, bevor er sich später den Taliban anschloss. Die "Deutschen Taliban-Mudschahidin" operieren nach eigenen Angaben ebenfalls unter dem Kommando der Taliban. Eric Breininger, der von der Sauerland-Gruppe angeworben wurde, hatte zunächst ebenfalls der IJU angehört.

Deutschland "Teil des Kreuzzugs"

In dem knapp halbstündigen Video mit dem Titel "Im Namen Allahs" werden neben den kurzen Ansprachen der Kämpfer auch Bilder von einer "militärischen Ausbildung" gezeigt, unter anderem von einem Schießtraining. Auch einen Helikopter wollen die Kämpfer abgeschossen haben, sie posieren vor dem Wrack des Fluggeräts und sprechen über die "stinkenden Leichen der Ungläubigen".

Außerdem beschimpfen die Extremisten die deutschen Regierung; sie sei Teil des "Kreuzzugs gegen den Islam". Einen Auszug einer Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum deutsch-israelischen Verhältnis präsentieren die Macher des Videos im O-Ton. Mit Anschlägen auf deutsche Ziele wird aber nicht offen gedroht.

Die Kämpfer äußern sich martialisch:

  • Ayyub al-Almani, der bereits aus früheren Kommuniqués dem Namen nach bekannt ist, sagt: "Allah möge Afghanistan befreien."
  • Abd al-Fattah al-Muhadschir schwärmt von einer "schönen, großen Waffe".
  • Abu Abdallah al-Almani spricht davon, die "Kuffar", also die "Ungläubigen", zu "vernichten".
  • Abd al-Fattah al-Almani ruft Glaubensbrüder zur Nachahmung auf.
  • Sayfullah Amriki erklärt, die Kämpfer warteten auf das Paradies und nicht, wie der Feind, auf "den Gehaltscheck am Monatsende".

Nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbehörden sind derzeit Dutzende Dschihadisten aus Deutschland im Krisengebiet im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet unterwegs. Einige halten sich womöglich noch bei der IJU auf, andere mit Gewissheit bei der "Islamischen Bewegung Usbekistan", einer bei al-Qaida. Wie viele Deutsche bei den "Deutschen Taliban-Mudschahidin" gelandet sind, ist unklar. Bei einigen der deutschen Taliban-Kämpfer glauben deutsche Behörden aber zu wissen, wer diese sind.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
Steffmann40 13.04.2010
1. Nicht dienlich
Zitat von sysopDie "Deutschen Taliban-Mudschahidin" behaupten in einer Videobotschaft erstmals, dass sie Militärstützpunkte in Afghanistan angegriffen haben - mit tödlichen Folgen. In dem Film sind bisher unbekannte deutschsprachige Kämpfer zu sehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688774,00.html
Sie geben diesen Leuten ein Forum und klagen Sie gleichzeitig indirekt an. Manchmal ist verantwortungsvoller Journalismus auch kein Journalismus.
knödlfriedhof 13.04.2010
2. na dann
will ich doch hoffen, dass diesen netten Menschen Ihr Wunsch ins Paradis einzugehen bald erfüllt wird. Bestimmt gibt es aber auch in diesem Fall wieder ausreichend " Gutmenschen " welche der Meinung sind, dass wir die harmlosen Jungs besser in Deutschland therapieren und resozialisieren sollten, ein paar Jugendsünden hat schließlich jeder begangen.
frubi 13.04.2010
3. .
Zitat von sysopDie "Deutschen Taliban-Mudschahidin" behaupten in einer Videobotschaft erstmals, dass sie Militärstützpunkte in Afghanistan angegriffen haben - mit tödlichen Folgen. In dem Film sind bisher unbekannte deutschsprachige Kämpfer zu sehen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688774,00.html
Diese "deutschen Taliban" sind auch ein Produkt des Einsatzes an sich. Sollten die jemals einen Angriff auf deutschem Boden umsetzen, dann haben die Pro-Einsatz-Politiker Blut an den Händen. Damit will ich natürlich nicht davon ablenken, dass diese "deutschen Taliban" absolute Idioten sind. Gewaltlos könnten die sich wesentlich effektiver einbringen.
keinzeitungsleser 13.04.2010
4. Reizwort
Zitat von knödlfriedhofwill ich doch hoffen, dass diesen netten Menschen Ihr Wunsch ins Paradis einzugehen bald erfüllt wird. Bestimmt gibt es aber auch in diesem Fall wieder ausreichend " Gutmenschen " welche der Meinung sind, dass wir die harmlosen Jungs besser in Deutschland therapieren und resozialisieren sollten, ein paar Jugendsünden hat schließlich jeder begangen.
Nö, wennse ihr Leben aufs Spiel setzen, für was auch immer, ist das deren Ding. Ansonsten kann ich das Wort "Taliban" langsam nicht mehr hören. Was haben wir damit zu tun? Würden je Taliban nach Deutschland kommen? Das ist, glaube ich, deren letzter Wille.
citizengun 13.04.2010
5. Die Politik schafft sich ihre Gegner/Kriege selbst.
Hat sie keine Ziele die sie umsetzen kann, dann schafft sie sich welche. Gäbe es die Politik nicht, dann würden die Leute heute wieder in friedlicher Gemeinschaft leben - wie vor 15000 Jahren auch.
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