Afghanistan Deutsches Todesopfer bei Hotel-Anschlag in Kabul

Bei dem Anschlag auf ein internationales Hotel in Kabul ist auch eine Deutsche ums Leben gekommen. Das bestätigte das Auswärtige Amt. Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich um eine Entwicklungshelferin.


Eines der Todesopfer bei dem Anschlag auf ein Luxushotel am Wochenende in Kabul stammt aus Deutschland. Dies teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts (AA) in Berlin mit, ohne nähere Angaben zum Opfer zu machen. Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich um eine Entwicklungshelferin.

Die Angehörigen würden informiert. Wie die Sprecherin weiter mitteilte, gibt es keine Hinweise auf andere deutsche Verletzte. Die afghanischen Behörden bezifferten die Anzahl der Todesopfer nach einem 17 Stunden langen Taliban-Angriff zuletzt auf 19. Ein verletzter Afghane sei in der Nacht gestorben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Außerdem waren bei dem Angriff, der am späten Samstagabend begonnen hatte, alle sechs Angreifer getötet worden. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sagte, bisher seien 22 Leichen in Krankenhäuser gebracht worden. Die Zahl beinhalte aber möglicherweise Leichen von Attentätern.

Augenzeugen hatten am Sonntag die Angaben der afghanischen Regierung als schwer untertrieben kritisiert.

Die Zahl der bisher als Ausländer identifizierten Opfer stehe weiterhin bei 14, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Es könne aber noch dauern, bis alle identifiziert seien. Drei hätten keine Papiere bei sich gehabt.

Hotel schon 2011 einmal angegriffen

Der Großteil der Opfer hatte für die afghanische Fluglinie Kam Air gearbeitet, die das Hotel als Basis für internationale Angestellte genutzt hatte. Kam Air kündigte Verspätungen und Flugstreichungen an.

Das Hotel, das schwer bewacht auf einem bewaldeten Hügel an einer großen Straße liegt, war bereits 2011 Ziel eines Angriffs. Die radikalislamischen Taliban hatten damals neun Attentäter losgeschickt, die es schafften, mehrere Sicherheitsposten zu überwinden. Sie rannten die Hotelflure auf und ab und schossen in Zimmer. 21 Menschen, Hotelangestellte und Sicherheitskräfte wurden damals getötet.

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) mit insgesamt mehr als 500 Toten.

mho/dpa/AFP/Reuters



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