Afghanistan Die Spur der CIA-Dollar

Was geschah mit dem Geld, das die CIA in den afghanischen Präsidentenpalast transportierte? Jetzt wird klar: Mit den Dollar wurde eine Kultur der Bestechung in dem Land gefördert. Warlords wurden ebenso mit Barem bedacht wie Abgeordnete oder Mitglieder der Ratsversammlung Loya Jirga.

Afghanistans Präsident Karzai, US-Präsident Obama: "Geistergeld" im Palast
REUTERS

Afghanistans Präsident Karzai, US-Präsident Obama: "Geistergeld" im Palast

Von


Die Mitarbeiter im Präsidentenpalast Afghanistans nannten es "Geistergeld". Es kam diskret, in Plastiktüten und Rücksäcken, und es wurde diskret ausgegeben. Sowohl das Büro von Präsident Hamid Karzai wie das Büro von Karzais Nationalem Sicherheitsrat haben über mehr als zehn Jahre hinweg monatlich gebündeltes Bares vom amerikanischen Geheimdienst CIA erhalten - Agenten händigten das Geld persönlich aus.

Zugang zur Zahlenkombination des Stahl-Safes in Karzais Büro hatte schließlich der jeweils dort höchste Vorgesetzte. Aus dem CIA-Topf erhielten Kriegsopfer Kompensationszahlungen, Lösegelder für entführte Regierungsmitglieder wurden beglichen wie auch gesprächsbereite Taliban-Vertreter entlohnt. Aber auch die Einladungen mit politischen Gesprächspartnern wurden so bezahlt, weltweite Delegations-Reisen und Rechnungen der Fünf-Sterne-Hotels, Geschenke für die Familie zu Hause. Die Kreditkarten enger Mitarbeiter des Palasts wurden mit CIA-Dollar aufgeladen, Mieten für deren teure Häuser in Kabul beglichen.

Mit am problematischsten aber sind an dieser undurchsichtigen Spesen-Praxis der Kauf von politischen Loyalitäten und dass diese nun offenbar werden. Nicht nur der berüchtigte Kriegsfürst Abdul Raschid Dostum erhielt für seine Unterstützung regelmäßige Zahlungen, bis zu 100.000 Dollar monatlich, wie die "New York Times" berichtete, sondern auch fast alle anderen sogenannten Warlords und ehemaligen Mudschahidin, die eher vor einen Gerichtshof gehören, als dass ihnen die amerikanischen Steuerzahler ihre Paläste finanzieren sollten.

Die alten Schergen ließen sich ihre Kooperation mit der Regierung gut bezahlen, darunter der Hazara-Führer Mohammed Mohaqeq, der inzwischen getötete frühere Präsident Burhanuddin Rabbani und der Islamist Abdul Rasul Sayyaf, sowie einige Gouverneure im aufständischen Süden. Karzais Mitarbeiter stellten mit Hilfe des CIA-Geldes zudem auch sicher, dass Parlamentarier die vom Präsidenten vorgeschlagenen Minister bestätigten und dass die angereisten Delegierten bei der Großen Ratsversammlung, der Loya Jirga, die Pläne des Palastes unterstützten.

Gewusst haben es die meisten, auch wenig einflussreiche Mitarbeiter im Präsidentenpalast. Man gewöhnte sich jedoch daran, dass Politik hier so gemacht wird. Und die Amerikaner speisten das System immer weiter. Kritische Stimmen gab es dennoch, sie warnten, dass selbst die Anständigsten dieser Kultur aus Bestechung und Selbstbedienung irgendwann nicht mehr standhalten könnten. Ein Palast-Insider: "Wir haben ein Sprichwort: Wer mit Hunden das Bett teilt, soll sich nicht wundern, wenn er morgens mit Flöhen aufwacht."



insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Gerdtrader50 04.05.2013
1. Gibts auch mal was Neues zu berichten ?
Das ist doch uralte CIA - Strategie. Im Irak wurden 4 Millliarden US-Dollar bar aus Koffern verteilt, Miltärmacht, US-Dollars, Geheimdienste, Waffentechnik. Das Imperium schlägt zurück.
oelli 04.05.2013
2. Demokratie auf amerikanisch
Gibt es jemanden, der sich darüber wundert?
distel61 04.05.2013
3. Bedrucktes Papier
Krieg mit bedrucktem Papier zu führen ist allemal besser als dies auf dem Schlachtfeld zu tun.
cleoti 04.05.2013
4. es bestätigt sich mal wieder.....
die USA sind die beste Demokratie die es für Geld zu kaufen gibt - und dann wundern sich die Ami´s das wenn sie dieses "Demokratie"-Modell exportieren wollen es keiner haben will.....
forumgehts? 04.05.2013
5. Eigentlich
Zitat von distel61Krieg mit bedrucktem Papier zu führen ist allemal besser als dies auf dem Schlachtfeld zu tun.
wollten die Afg ja Renminbis, aber das konnten sich die Amis dann doch nicht leisten ;)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.